Take it, take it…

…we don`t need it. Die traurige Wahrheit ist, dass der Hebel immer kürzer wird. Mit der heutigen Leitzinssenkung auf 0,25% macht sich die Europäische Zentralbank endgültig zum Büttel der Finanzindustrie. Demnächst wird das Geld verschenkt, oder die EZB muss sogar Gebühren entrichten, um die Kohle ausreichen zu dürfen. Dann würde vielleicht auch der letzte neoliberale Hohlkopf merken, was hier eigentlich passiert:

Die besonders gierigen Investmentbänker haben nach der Lehman-Pleite immer noch so viele toxische Papiere in ihren Portfolios, dass einem schwindelig wird. Gleichzeitig haben eigentlich alle Staaten weiterhin erhöhten Finanzierungsbedarf, natürlich zu möglichst günstigen Zinsen. Was wäre nun logischer als den Banken billiges Geld in den Rachen zu werfen, damit die dann Staatsanleihen von Pleitestaaten kaufen und natürlich nebenbei noch so manch anderes hochprofitables Geschäft machen können. Alle sind glücklich: Die maroden Banken Südeuropas sanieren sich still und heimlich, der Verschuldungswahnsinn der Regierungen darf noch ein bisschen weiter gehen.

Kleinsparer, Inhaber von Kapital-Lebensversicherungen und anderen Produkten der privaten Altersvorsorge werden langsam aber sicher enteignet. Riester, Rürup und Hans Eichel sind nach Diktat verreist. Auf dem Frankfurter Parkett knallen hingegen die Korken und alle, die mit feuchten Fingern ihr Depot beobachten, nehmen sich vor rechtzeitig auszusteigen. Ein Mittelständler hingegen, der einen günstigen Kredit braucht, guckt weiterhin in die Röhre, er wird ihn nicht bekommen, mag der Markt auch mit billigem Geld geflutet sein.

Der Mann, der das alles verantwortet, weiß genau was er tut. Er befolgt die Befehle der eigentlichen Weltregierung, der er selbst lange genug angehört hat. Gegen diese Hydra sind alle chancenlos: Die Politik, selbst das Militär und natürlich der gesunde Menschenverstand: Alle nur Muppets. Draghi begründet seinen Schritt ja in erster Linie mit Deflationstendenzen in Südeuropa, die gesamteuropäische Inflation sei nicht hoch genug. Warum leiht die EZB dann das Geld nicht einfach den Griechen, Spaniern, Italienern (ja, ich weiß dass das nicht geht!) zu 0,25%, die würden ihre Verbindlichkeiten nach Androhung von Schuldenturm und Sippenhaft wahrscheinlich sogar noch irgendwie zurückzahlen. Das kann man den Banken nicht zumuten, schon klar.

Die Message ist einfach: Kauft, spekuliert, zockt, haut auf den Kopf, es gibt kein morgen, nicht für euch. Draghi und Konsorten sitzen an diesem, eben dem morgigen Tag auf den Bahamas, umgeben von Wedelsklaven und eilfertigen Kellnerinnen, die bei leichtem Hochziehen der Brauen sofort mit hüpfenden Brüsten herantrippeln, um ein neues Getränk anzureichen. Draghi nippt genießerisch an seinem Glas und als er den Gesichtsausdruck seines Lieblings-Wedelskaven sieht, der die Szene mit schmalem Mund beobachtet, sagt er grinsend: „Selbst schuld, warum habt ihr uns nicht einfach abgeknallt als noch Zeit war?“

Note to self: Kartonage Galore. Musik: Arctic Monkeys, Batillus, Jahressampler 2013 draft.

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