Apocalyptic sofa

Was für eine Nacht! Seit ein, zwei Tagen hab ich ziemlich Rücken. Kein Wunder, wenn man sich zu wenig bewegt und zu viel zu bewegen hat. Ach ja. Im frühen Morgen haue ich mich auf die Couch, versuche mich möglichst nicht von einer Seite auf die andere zu drehen, schalte die Glotze ein und gebe mir ZDFinfo. Dort widmet sich eine Dokumentationsreihe unterschiedlichen Katastrophen globalen Ausmaßes, die jeweils zum fast völligen Aussterben allen Lebens geführt haben.

Vor 250Mio Jahren führte die Freisetzung von Fließbasalt aus dem sibirischen Trapp in kontinentalem Maßstab zum Armageddon für 95% der marinen und 66% der terrestrischen Arten. 50Mio Jahre später, am Ende des Trias zerbrach der Superkontinent Pangea und Mega-Vulkane schafften 80% aller Spezies. Der KT-Impact vor 66Mio Jahren, der den Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär markiert, dürfte allgemein bekannt sein. Der Krater im Golf von Mexico beeindruckt noch heute und die Dinosaurier waren Geschichte.

Mit geschlossenen Augen und einem halben Öhrchen folge ich den Ausführungen des Sprechers, der mit angenehm sonorer Stimme Schreckliches erzählt. Immer wieder schlummere ich kurz weg und wenn ich wieder erwache, meist mit einem Stechen in der Lendengegend, höre ich Explosionen, das Brodeln heißer Lava und das Prasseln eines kurzen Ausschnitts des jahrzehntelangen Säureregens. Dazu schreien Riesenechsen, Wälder verbrennen mit Knacken und Zischen und das herzerweichende Geröchel der gesamten Megafauna des oberen Pleistozäns rundet das akustische Bild ab.

Die dazwischen liegenden Traumsequenzen sind auch nicht schöner: Da tut sich der Boden unter meinen Füßen auf und rotglühendes Magma quillt hervor. Eine Herde Triceratops flieht das Feuer, das von einem Ende des Horizonts zum anderen reicht und treibt mich dabei vor sich her. Ein Tsunami rollt aus pechschwarzer See und gleichschwarzem Himmel auf mich zu. Und aus dem Off sagt eine Stimme: „Eselchen, Eselchen, ich will dich durch heiß und kalt führen, bis dir Essen, Trinken und alle anderen Geilheiten vergehen.“

Und wieder wache ich auf. Nur ein leichtes Gluckern begleitet das Aussterben der Trilobiten, die Ammoniten sind dann ein paar hundert Millionen Jahre später dran. Als das Licht des frühen Tages in meine Bude kriecht, erwischt es das Wollhaarmammut. Ich schlafe endlich richtig ein. Und als ich gegen Mittag halbwegs erholt aufwache ist nicht mehr Apokalypse, sondern wieder Koalitionsverhandlungen. Und der achte Engel blies seine Posaune; und Nahles und von der Leyen erhoben ihre Stimmen und sprachen: Siehe Wahlvolk, dir ward der Mindestlohn verheißen und so soll es geschehen. Und der Skidman erhob sich und kochte sich einen Kaffee, der sich gewaschen hatte.

Note to self: Wars das schon mit hohem Kieksen? Musik: Mayhem, The National, maudlin of the Well, Neurosis.

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