Tricky Trittin Machine

Beim nächstgelegenen Discounter gibt es zwei. Sie sind in einem eigenen, verglasten Kabäuschen untergebracht und haben so ihre Eigenheiten. Das Modell auf der rechten Seite hat einen ganz besonders sensiblen Sensor: Je nach Umgebungslicht, Luftdruck und -feuchtigkeit kann es zur Aufkündigung der Mitarbeit kommen: Die Stopp-Meldung wird angezeigt und „Bitte Personal verständigen“. Das tut natürlich keiner, jetzt mal im Ernst. Denn es gibt ja noch das Modell auf der linken Seite: Insgesamt robuster, auch ein zwei Jährchen älter und eigentlich unverwüstlich. Kenner der Szene reihen sich deshalb stets auf der linken Seite ein, wenn es eine Warteschlage gibt und wenn ich den fortwährend anwachsenden Ereignis-Stichprobenumfang bewerte, dann hat sich dieses Vorgehen bewährt. Ziemlich häufig steigt die „rechte“ Maschine aus und die dort Angestellten müssen sich unter mehr oder weniger lautem Schimpfen auf die andere Seite bewegen.

Heute ist die Situation völlig entspannt. In der Trittinage (so nenne ich besagtes Kabäuschen, auch wenn das Gesetz zur Rückführung von Getränkeeinwegverpackungen vom letzten Kabinett Kohl eingebracht wurde) befindet sich nur eine Recyclerin: Ca. 60, die blondierten Haare hoch toupiert, mit goldenem Brillengestell, etwas zu grellem Lippenstift und mit Kunstpelz. Sie hat offenbar ihre Tasche schon fast entleert, da macht es auch nichts aus, dass die rechte Machine ihre Fehlermeldung bringt und somit ausfällt. Warte ich eben ein paar Sekunden, höre ein bisschen Progressive Rock von „Karnivool“ und beobachte Frau Kunstpelz bei ihrer Verrichtung.

Man kennt das: Die Behältnisse, die beim ersten Mal vom Automaten nicht erkannt und daher wieder ausgespuckt werden, wandern zurück in die Tasche und werden dann am Ende des Vorgangs nochmals verfüttert, doch was Lady Kunstpelz mit ihren Problemflaschen anstellt, das habe ich noch nicht gesehen: (Ziemlich zerknitterte) Flasche rein, im Schacht geht das Sensorlicht an und die Flasche rotiert auf ihrem kleinen Förderband, dann stockt sie und der Prozess beginnt von vorn. Kenner wissen, dass der Behälter nach dem zweiten Versuch wieder zurückbefördert wird und Madame ist offensichtlich eine Kennerin, denn kurz vor der Retoure langt sie blitzschnell in den Schacht und gibt der Flasche einen Schubs, um den Sensor zusätzlich zu stimulieren. Die Trittine beantwortet dieses Vorgehen mit hektischem Flackern, befördert die Flasche weiter nach hinten, zählt aber den Pfand nicht hoch, woraufhin sie erneut zulangt und die Flasche wieder ein Stück nach vorne zieht. Zwecklos, aber diesmal ist die Maschine schneller und wirft den Behälter aus. Frau Kunstpelz lässt sich nicht entmutigen: Diesmal wird die gleiche arme Flasche mit großer Geschwindigkeit in den Schacht gedonnert. Und es kommt wie es kommen muss: Die Maschine macht ein Bäuerchen, das Display vermeldet den Fehler und das wars. Normalerweise übe ich mich in solchen Fällen in Zurückhaltung, diesmal geht es nicht: Ich stöhne leise und packe mir an den Kopf:

fp

Note to self: 20 statt 15, und das Netzteil? Musik: Manic Street Preachers, Megadeth.

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