Moribunder Spatz

ds

Das Netz ist groß, unglaublich groß, du kannst dir nicht vorstellen, wie groß es tatsächlich ist. Und darin gibt es unzählige Seiten, die sich mit Musik beschäftigen, Myriaden. Unter diesen Seiten sind zahllose, die in erster Linie Metal, Core, Punk und entsprechende Subgenres berücksichtigen. Ein kleiner Prozentsatz dieser Sites gibt auch wenig kommerziellen, ganz merkwürdigen und extrem harten Tonwaren Raum. Und unter diesen wenigen Webseiten gab es eine, die wirklich auch sehr sehr abseitige Musik völlig unbekannter Künstler vorstellte. Diese Webseite nannte sich Deaf Sparrow.

Ja natürlich, es gibt die Seite noch, man kann sie aufrufen und der dann dargebotene Inhalt hat auch immer noch mit Musik zu tun. Aber nicht nur das Design ist neu, die alten Betreiber sind weg, der Blog ist nicht mehr da und auch die alten Reviews der merkwürdigsten Platten und durchgeknalltesten Musiker sind weg. Nicht mal eine Rubrik „Archiv“ gibt es. Dafür werden auf der Leitseite jetzt Werbeflächen vermietet. Es ist einfach zum Heulen.

Noch letzten Monat konnte man beim tauben Spatz Rezensionen lesen, die sich vom Durchschnitt meilenweit abhoben und auch nicht so rüberkamen, als hätte der Verfasser im letzten Monat den Kurs „Kreatives Schreiben“ besucht. Vielmehr handelte es sich meist um komplett spinnerte Kunstwerke. Ich habe einige sehr schöne Vokabeln beim Durchstöbern der Seite gelernt. So wie die Besprechungen und Beurteilungen der Tonträger angelegt waren, konnte man die interessante Erfahrung machen, dass hoch dekorierte Scheiben überhaupt nicht gefielen und verrissene Erzeugnisse sehr gut ankamen, aber immer fand man das wieder, was in der Kritik verhackstückt worden war. So gesehen waren die Besuche auf Deaf Sparrow Anteilnahmen an kleinen intellektuellen Feuerwerken, die jedoch nie aufgesetzt oder blasiert rüberkamen und meinen eigenen Zugang zur Musik heftig entprovinzionalisiert haben.

Im Blog fand man neben schrulligen Beschreibungen von Sci-Fi-B-Movies aus den 80ern und amüsanten Berichten eines wirklich fanatischen Plattensammlers auch launige Beiträge zu etablierten Musik-Magazinen und zum Musikbusiness insgesamt. Und das schönste an der Schreibe: Auch wenn der Schwerpunkt von DS bei Underground-Metal im weitestem Sinne lag, hatte der Betreiber Arcus doch mit der gesamten Metal-Szene, mit Kutten, Nieten und Motorrädern, mit Dosenbier und diesem ganzen erstarrten, sich fortwährend selbst zitierendem Familie am Lagerfeuer-Feeling (Wackennnn!!!!) absolut nichts im Sinn. Sehr schön.

Klar, die neuen Leute bekommen eine Chance, aber ich befürchte das Schlimmste. Zur Zeit findet sich dort die Rezension einer Platte, die ich Ende des Jahres auch noch besprechen werde (Ihr wisst warum) und ganz ehrlich: Das hätte ich besser hingekriegt. Die Kritik ist in etwa auf Metal-Hammer Niveau. Sie suchen Autoren, aber nur solche mit Erfahrungen im journalistischen Bereich. Und genau so liest sich der Mist auch, den sie bis jetzt veröffentlich haben: Hoher Anspruch aber kein Talent. Anarchie, Wahnsinn und Funkenflug war gestern, jetzt gibts Hausmannskost. Schade auch.

Note to self: Third Screener, alles und nix sehen. Musik: Queens Of The Stone Age, Band Of Sculls.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.