Die 10 besten Alben 2008

Nachdem selbst Axl Rose nach 15 Jahren seine jüngste musikalische Absonderung fertiggestellt und veröffentlicht hat, ist mit weiteren bedeutsamen Releases bis zum Jahresende nicht mehr zu rechnen. Deshalb also bereits Anfang Dezember meine Zusammenstellung der wichtigsten und besten Platten des Jahres. Natürlich wie immer höchst subjektiv, aber nicht ganz so kauzig und abgehoben wie die Rezensionen von Wigger & Co:

1. „obZen“ von „Meshuggah“: Wer technisch anspruchsvollen Metal mag, muss Meshuggah lieben. Die aktuelle Scheibe hat alles zu bieten, was diese Band ausmacht: Polyrhythmische Frickel-Drums, donnernde 8-saitige Gitarren und eine Stimme, die wie Schwefelsäure unter die Haut geht. Anspieltipp: „Bleed“

2. „Watershed“ von „Opeth“: Diese Platte habe ich ja schon in einem früheren Beitrag besprochen. Die Skandinavier ziehen wieder einmal alle Register und setzen neue Maßstäbe, was dynamischen, stets frischen Metal a la Opeth ausmacht: Einen vielseitigen virtuosen Frontman an Gitarre und Mikrophon, wunderschöne opulente Arrangements und Kompositionen, die unerreicht bleiben werden. Anspieltipp: „The Lotus Eater“

3. „Third“ von „Portishead“: Um es mit Wolf Biermann zu sagen: „Diese Platte sollt euch nicht wie eine Sahnetorte runtergehen.“ Nein, dazu ist das neue Machwerk aus Bristol auch viel zu sperrig und verschroben. Trip Hop war gestern, die Neue überzeugt aber trotzdem restlos durch eine grandiose Beth Gibbons am Mikro und eine Aneinandereihung kleiner musikalischer Geniestreiche am Rande. Die Scheibe wächst mit jeder Umdrehung im CD-Player. Anspieltipp: „Nylon Smile“

4. „Nude With Boots“ von „Melvins“: Man muss die Melvins einfach lieben, weil sich diese Band unbeeindruckt von Trends seit Jahrzehnten an der Oberfläche hält, weil jedes neue Album eine Wundertüte ist, weil zwei Schlagzeuger einfach doppelt so gut reinhauen und weil King Bozzo ein Gesamtkunstwerk ist. Das neue Album ist vergleichsweise straight und eingängig, das tut der Scheibe aber keinen Abbruch. Anspieltipp: „The Kicking Machine“

5. „Death Magnetic“ von „Metallica“: Auch dieser Platte habe ich bereits einen Beitrag gewidmet, deshalb nur kurz zusammengefasst: Das beste Album von Metallica seit „…And Justice For All“. Natürlich hört man den inzwischen gestandenen Herren an, dass sie keine wütenden und ständig besoffenen jungen Männer mehr sind. Trotzdem oder gerade deswegen ist das Album ein würdiges Spätwerk, das so manche Neuerscheinung im Nackenbrecherbereich ziemlich blass aussehen lässt. Anspieltipp: „All Nightmare Long“

6. „Vantage Point“ von „dEUS“: Als der Vorgänger „Pocket Revolution“ herauskam, dachte ich, das sei es nun gewesen für die ehemals extrem avantgardistischen Belgier. Zwar enthält auch die neue Veröffentlichung weniger Freches und Überraschendes als die wirklich großen Alben aus der Anfangszeit, trotzdem ist eine deutliche Weiterentwicklung spürbar, besonders beim Gesang (Rap? Nicht wirklich, aber manchmal riechts danach.), bei den Lyrics und bei der elektronischen Abteilung. Anspieltipp: „Slow, The Architect“

7. „The Unspoken King“ von „Cryptopsy“: Brutaler Death Metal kann schnell zur Sackgasse werden, man höre sich zum Beweis eine beliebige Scheibe von „Dying Fetus“ oder „Dismember“ an. Cryptopsy war schon immer ein bisschen anders und origineller. Natürlich ist auch das neue Album knüppelhart, konsequent ekelig und springt dem Hörer mit dem Hintern ins Gesicht. Verrissen wurde die Platte vielfach wegen des neuen Sängers, der im Gegensatz zu den „sewer pipe emissions“ seines Vorgängers „Lord Worm“ auch mal Klargesang bringt und insgesamt ein größeres Spektrum drauf hat. Mir gefällts. Und sonst? Flo Mournier ist immer noch der beste Metal-Schlagzeuger der Welt. Anspieltipp: „Silence the tyrants“

8. „Agony & Irony“ von „Alkaline Trio“: Mit dem rohen und gleichzeitig raffinierten Punkrock früherer Tage hat die aktuelle Veröffentlichung der drei aus Chicago nicht mehr viel zu tun, das war aber auch beim Vorgänger „Crimson“ schon so. Am Label kann es diesmal nicht liegen, dass sich ein gerüttelt Maß an Schrammel-Indiepop in den Songs findet. Melancholischer und dafür weniger räudig kommt die Platte daher. Sie muss aber in meinen Top10 auftauchen, weil sich „Over & Out“ in einer unschlagbaren akustischen Version auf ihr befindet. Ganz einfach. Anspieltipp: „Over & Out“

9. „Deadly Bossanova“ von „Claus Grabke“: Wie sollte eine Rock-Platte im Jahr 2008 anhören? So wie diese. Da wird nicht geschnörkelt, da wird nichts geschönt. Die Gitarre ist nicht von diesem Planeten, mitten ins Gesicht und zwar schön langsam. Und der Gesang ist einfach -hm- beneidenswert gut in jeder Beziehung. Anspieltipp: „Stranger“

10. „Blooddrunk“ von „Children Of Bodom“. Wenn man auf Melodic Death Metal steht, wird man in der Szene ja immer mächtig schief angeschaut. Es ist schon richtig: Die Gitarrensoli und Keyboardfeuerwerke sind manchmal ein wenig kitschig. Die neue Platte von den Schmuddelkindern aus Bodom ist trotzdem bei mir eine der meistgespielten Scheiben des Jahres, vielleicht weil sie einfach konsequent den eigenen Weg fortsetzen und wieder einmal ein feistes Stück Musik abgeliefert haben, das sich hinter Prachtscheiben des Genres wie „Follow The Reaper“ oder „Are You Dead Yet?“ nicht zu verstecken braucht. Anspieltipp: „Done With Everything, Die For Nothing“

Natürlich gab es im Laufe des Jahres auch Neuerscheinungen, die mich extrem enttäuscht haben. Ich will hier keine Rangliste erstellen, sondern einfach ein paar Katastrophen nennen: Auf das Album „Midheaven“ von „The Human Abstract“ hatte ich mich tierisch gefreut, weil der Vorgänger ein Meisterwerk war. Die aktuelle Platte ist zwar zum Teil schön verwurschtelt und recht abwechslungsreich, aber die Gesangslinien sind einfach nur lächerlich popig, die Texte schwach, die Produktion drucklos und ganz schlimme Kunststreicher machen sich überall da breit, wo sie absolut nichts zu suchen haben. Schade. Genauso schwach ist das Album „Sagas“ von „Equilibrium“. Generell finde ich Pagan Metal eh nicht so toll, aber die vorletzte Scheibe hatte schon was: Nicht zu runde, aber auch nicht zu kantige Arrangements, ganz witzige Texte und viel Esprit. Dagegen ist „Sagas“ nicht mal die Hälfte wert. Es gibt auf der uninspirierten Platte dermaßen idiotische Synthesizer-Panflöten, dass man verzweifelt aufschreien möchte. Ganz übel. Durchgefallen sind bei mir außerdem „Lucky“ von „Nada Surf“, weil es ein durch und durch seichtes Elaborat ist auf dem kein einziger Song zündet, „Belvedere“ von „Beady Bell“, weil man sich an der gefälligen Eigenkopie überhaupt nicht reiben kann und „Twilight Of The Thunder God“ von „Amon Amarth“, weil man bereits nach 10 Sekunden Spielzeit eines jeden Songs weiss, wie er weitergehen und enden wird.

Note to self: Totschweigen und nicht anfassen bis zur nächsten Eruption, wetten? Musik: Porcupine Tree, Textures.

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