Herbstmeister

So, es ist Winterpause, ausnahmsweise ist draußen sogar so etwas wie Winter (Hier: Nebel, kalt, hartnäckiger Raureif), also kommts einigermaßen hin. An den vergangenen Spieltagen konnte man ja bereits die ganze Palette der möglichen Ankleidungsvarianten der kickenden Protagonisten bewundern: Da sind die Spieler, die auch bei Minusgraden konsequent im Kurzarmtrikot auflaufen, wobei dieses gerne in Kombination mit Handschuhen und langer Funktionsunterwäsche getragen wird. Die weniger Hartgesottenen tragen Langarmshirt und Rollkragenunterhemd. Zum Glück bleibt dem Zuschauer der Anblick schwarzer Strumpfhosen erspart, man erinnert sich mit Schaudern an die Siebziger, in denen eben jene peinlichen Beinkleider in Kombination mit ultrakurzen Hot Pants getragen wurden. Verwundert nehme ich zur Kenntnis, dass auch die Torleute das Tragen langer „Schlumelhosen“ (Wolfgang Kleff!) offensichtlich ablehnen, sei es, weil sie sich zu solidarischem Mitfrieren mit ihren Vorderleuten bekennen, sei es, weil sie ihre Position inzwischen als Hilfslibero interpretieren und somit gar nicht auskühlen können. Weitere Erklärungsmöglichkeiten sind Klimawandel und Rasenheizung, aber das Fass will ich in diesem Beitrag lieber nicht aufmachen.

Betrachten wir mal kurz die Bundesligatabelle: Gladbach ganz unten, damit hatte ich nicht gerechnet. Jetzt bekunden auch noch die Bayern Interesse an Marin und Baumjohann. Falls die beiden weggehen, werden die Lampen endgültig ausgehen. Jedenfalls stehen die 5 Clubs mit dem kleinsten Etat auf den letzten 5 Plätzen. Man sollte mal darüber nachdenken, ob man den Spielbetrieb nicht gleich einstellt und die Abschlusstabelle anhand der wirtschaftlichen Kenndaten ermittelt. Alternativ könnte man auch eine europaweite Obergrenze für Spielergehälter und Ablösesummen einführen, aber das wäre den Machern wieder zu sozialistisch. Nebenbei bemerkt: Wenn die DFL so weitermacht, wird es demnächst überhaupt keine parallel ausgetragenen Spiele mehr geben, damit die Premiere-Gucker auch kein Sekündchen verpassen.

Aber zurück zur Tabelle: Bremen und Stuttgart enttäuschend, Hertha überraschend gut, da konsequent defensiv, Schalke schwach, da kein Stürmer im Kader, Dortmund besser, da mit Kloppo und Leverkusen bis zur Blamage gegen Cottbus mein Meisterschaftsfavourit. Die Bayern habens dann doch noch fast bis an die Spitze geschafft, aber die haben ja auch Ribery, was für ein Goldjunge. Und dann ist da noch dieser komische süddeutsche Retortenclub namens TSG 1899 Hoffenheim, gehyped, gehasst, bewundert.

Als sie durch die zweite Liga marschierten, habe ich noch gedacht, dass sie im Oberhaus schon zurecht gestutzt werden würden. Die Anfeindungen gegen Hopp fand ich immer blödsinnig, zum Teil unter aller Sau. Mäzene hat es im Profifussball immer schon gegeben, also was solls. Natürlich muss man die feine Spielkultur anerkennen, muss ausserdem würdigen, dass der Verein einiges in die Nachwuchsförderung investiert. Man muss als Alemannia-Fan hinnehmen, dass der aktuelle Topscorer der Liga, wie so viele richtig gute Spieler, auch mal in Aachen gespielt hat, sich dort aber nicht entfalten konnte. Das alles muss man, nur eins muss man nicht: Man muss die TSG nicht mögen.

Sympathie und Antipathie sind oftmals nicht rational begründbar, im Fussball erst recht nicht. Also versucht man es am besten gar nicht. Ich mag die Werksmannschaft Wolfsburg nicht, die Bayer-Jungs dagegen schon. Ich kann Hannover nicht leiden, außer wenn Schlaudraff spielt. Seit dem legendären Strafstoß von Mario Krohm gegen Mannheim verabscheue ich den Waldhof, fand Schlappner aber immer kernig. Ich finde, dass der 1. FC Köln der mieseste Verein auf diesem Planeten ist, auch wenn er Spieler wie Podolski und Helmes groß gemacht hat, die ich heftig verehre. Also darf ich auch Hoffenheim hassen, einfach so.

Note to self: Kurtis Kohlenhydrate, ohne sie wäre ich schon längst verhungert. Musik: Opeth, Nine Inch Nails, One Minute Silence.

2 Antworten auf „Herbstmeister“

  1. zuerst hab“ ich den artikel gar nicht gelesen weil: fußball. und dann das: der 1. fc köln ist also der mieseste verein des planeten. soso. wat sull ich nun dun, su als nachkölnzurückgekehrter? mich aufplustern, aufregen, zeter *und* mordio schreien? oh nein, weit gefehlt, nichts dergleichen! denn im allgemeinen halte ich“s mit wum („das ist wieder so ein kompliziertes spiel für intelektuelle“) und im speziellen…
    …in *welcher* liga spielt alemannia noch gleich?!?
    leeve jrööß
    dinge blogghead

  2. Lieber Blogghead,
    als der Fussballgott Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Erschaffung des Kickeruniversums eigentlich schon fertig war, trug sich folgende Tragödie zu, die nur dadurch erklärt werden kann, dass der große Gasförmige an einer hartnäckigen Verstopfung litt: In seinem unermesslichen Ratschluss befand der Herr der luftgefüllten Lederkugel, es sei an der Zeit, dass die Weltvereine „Kölner BC 01“ und „SpVgg Sülz 07“ sich zusammenschlössen, um fürderhin die Fussballkunst in der Domstadt zu pflegen. Das unsägliche Konstrukt hatte zwar kaum Mitglieder, aber genug Strippenzieher im Vorstand und genau die flüsterten den Oberfunktionären des DFB bei der Gründung der Bundesliga ein, dass der 1. FC die Region Mittelrhein in der neuen Klasse vertreten sollte. Somit kam ein Verein in die Liga, der nicht in der alten Oberliga vertreten gewesen war und über keinerlei sportliches Renommee verfügte. Damit war die Aufnahme eines anderen Clubs aus der Region nicht mehr möglich. Dieser andere Club war damals der mitgliederstärkste Fussballverein Deutschlands, besaß bereits ein Stadion mit Flutlicht, eine fast 50jährige Tradition und hieß Alemannia Aachen. Nuff said.

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