Ja da kann man sich doch nicht nur hinlegen

Es ist noch gar nicht so lange her, da kämpfte das hiesige Schauspielhaus mit mäßigen Besucherzahlen, zusammengestrichenen städtischen Fördermitteln und zum Teil vernichtenden Kritiken des lokalen Feuilletons. Doch zur Zeit läuft es besser. Die aktuelle Inszenierung von Brechts Dreigroschenoper ist über Monate ausverkauft. Ich will nun bestimmt nicht so tun, als wäre ich regelmäßiger Theaterbesucher, im Gegenteil. Mein letzter Besuch fand noch zu Schulzeiten statt und gegeben wurde damals – die Dreigroschenoper und zwar opulent, circensisch und ungefähr so, wie das Cover von Tom Waits Album Swordfishtrombones daherkommt. Die gestrige Aufführung war viel schlichter, angemessener und auf den Punkt gebracht. Großartig fand ich Elisabeth Ebeling als Mrs. Peachum, Karsten Meyer als Tiger Brown und natürlich Torsten Borm als Mac, dagegen fiel die Polly (Elke Borkenstein) ein bisschen ab.

Das gequälte leise Lachen im Publikum, das immer dann zu vernehmen war, wenn das Wort „Bank“ im Text vorkam, zeigte wie der Brecht in der aktuellen Lage ankommt, zum Teil kann man eben fast annehmen, das Stück sei für die Krise geschrieben. Natürlich würde man hier und da am liebsten laut mitsingen und das nicht nur bei der weltbekannten Moritat. „Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit“, der „Salomon-Song“ und „Der Song von Ja und Nein“ sind einfach großartige Stücke. Und irgendwie passte die Parabel von Moral und ihren Grenzen für mich auch ganz gut zum gestrigen Tag. Ab und zu hat man eben seinen „Moralischen“ und verfasst dann seltsame und selbstmitleidige Texte, die vielleicht besser auf der lokalen Festplatte als im weltweiten Netz aufgehoben wären. Seis drum.

Als der reitende Bote des Königs dann die Begnadigung von Macheath verkündet hatte und der letzte verbliebene Rest im Last Exit beim Bier saß, da war eigentlich das Ende aller katharsischen Anstrengungen erreicht. Tatsächlich bekam ich aber noch kräftig und zu recht den Kopf gewaschen. Auch deshalb wird mir der Tag wohl noch ziemlich lange nachhängen. Wer weiß wozu das gut ist.

Note to self: Sturmklingler mitten in der Nacht. WTF? Musik: Die Dreigroschenoper, Lea, Meshuggah.

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