Liebe Frau Lüpke-Narberhaus,

da will man die Welt, zumindest aber die SPON-Leser, aufrütteln und dann geht die Angelegenheit so bitter in die Hose, es ist schon ein Drama. Im verlinkten Artikel geht es um den in einer Studie ermittelten statistischen Zusammenhang zwischen Prüfungsnoten, Geschlecht (und Herkunft) beim ersten Staatsexamen im Fach Jura an drei NRW-Unis. Kurz gefasst: Kandidatinnen schneiden signifikant schlechter ab als ihre männlichen Kollegen. „Diskriminierung!“ schreien Sie aus vollem Hals Frau Lüpke-Narberhaus. Was für ein Skandal!

Ein paar Zitate aus dem Artikel:

„Das Resultat erschreckt: Frauen schneiden im Examen knapp zehn Prozent schlechter ab, bei gleichen Leistungen und Voraussetzungen.“

Sehen Sie, Frau Lüpke-Narberhaus, die Examensnote wird hauptsächlich über das Ergebnis aus einer Reihe von Klausuren gebildet, diese werden in anonymer Form, nur versehen mit der Matrikelnummer, abgegeben. Eine diskriminierende Bewertung ist mithin ausgeschlossen. Die Juristen schreiben Aufsätze. Wie sollen zwei Aufsätze das exakt gleiche Leistungsvermögen abbilden? Dann müssten sie ja bis auf den flüchtigen Komma-Fehler identisch sein.

„Frauen starten mit besseren Abiturnoten (2,05) ins Studium als Männer (2,22), werden dann aber abgehängt: Sie schneiden im Schnitt im Examen um 0,3 Punkte schlechter ab.“

Ja, so ist das: Männer erhalten schlechtere Abiturnoten, weil sie eben ein bisschen blöder als Frauen sind. Die schlechteren Noten für Frauen an der Uni können also nur Ergebnis von Diskriminierungen sein. Frau Lüpke-Narberhaus: Die Abiturnoten werden hauptsächlich von Lehrerinnen vergeben, die ihre Prüflinge genau kennen, auf der Abiturklausur steht natürlich auch der Schülername. Auch wenn manche Frauen das nicht gerne hören: Jungs und Männer werden im Rahmen ihrer Schulausbildung systematisch und massiv benachteiligt. Das ist seit Jahren bekannt, geändert wurde bislang nichts, weder von Frau von-der-Leyen, noch von Frau Schäfer, noch von Frau Schavan, noch von Frau Wanka, noch von Frau Löhrmann, noch von Frau Kurth. Jetzt sind Sie dran, Frau Lüpke-Narberhaus.

„Fest steht für Traxler und seine Kollegen: Frauen bringen das Potential mit, das zeigen ihre Abiturnoten. Sie werden im Jura-Studium allerdings nicht richtig gefördert: „Darüber müssen wir uns bei der Gestaltung der Lehre und der Prüfungen mehr Gedanken machen.““

Soso, wissen Sie, was ich viel interessanter finde? Einen der abschließenden Sätze aus der Studie, dort heißt es nämlich:

„Sowohl bei dem Geschlechts- als auch beim Herkunftseffekt können wir eine Diskriminierung weder mit der notwendigen Gewissheit ausschließen noch sie nachweisen.“

Und wissen Sie, Frau Lüpke-Narberhaus, woran das liegt? Das liegt an dem Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität. Ich glaube, dass ich mich da ein bisschen auskenne, weil ich im Rahmen meiner eigenen universitären Ausbildung etwa 6 Jahre lang multikorrelative Parameterstudien betrieben habe. Wenn es um statistische Signifikanz und Relevanz, rotes und weißes Rauschen und die Konsequenzen daraus geht, kann ich einigermaßen mitreden. Und wenn ich die Zahl der Störche in der Bundesrepublik mit der Zahl der Neugeburten in Zusammenhang bringe, dann habe ich eine positive Korrelation, aber, wie jeder Nichtbiologe hoffentlich weiß, ganz bestimmt keine Kausalität.

Frau Lüpke-Narberhaus, wissen Sie was. Tun Sie sich mit ihrer Schwester im Geiste, Frau Annette Ramelsberger, zusammen. Die hat letztens nachgewiesen, dass Frauen nicht nur die besseren Menschen, sondern vor allem die besseren Richter sind. Vergießen Sie ein paar Krokodilstränen ob der ach so furchtbaren geschlechtsspezifischen Benachteiligung in Deutschland, unter der die Frauen so grausam leiden. Und dann raffen wir uns alle gemeinsam aus und ändern das von Grund auf, in Kita und Grundschule fangen wir an. Frau Lüpke-Narberhaus, Sie werden sich wundern, das kann ich Ihnen flüstern.

Note to self: Besser beim Zähneputzen als den ganzen halben Arbeitstag. Musik: Jazzmatazz, Helmet, I Mother Earth, Hypocrisy, Fantômas, Tiger Flowers.

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