Staubfänger

DF

Viel ist geschrieben worden über die Ähnlichkeit von Hund und Herrchen, oder darüber, dass man vom Automodell auf Charaktereigenschaften des Halters schließen kann. Das gleiche gilt ohne Zweifel für Computer: Ein Mensch, der auf dem Windows-Desktop seines beim Discounter erstandenen Miditowers nach fünf Jahren Nutzung immer noch die Verknüpfungen zu dem bei Auslieferung vorhandenen Softwaremüll hat, kann nur ein zaghafter Angsthase sein. Intel- und Windowsaufkleber auf bereits jahrelang genutzten Laptops zeugen von mangelndem Selbstbewusstsein. Dann gibt es natürlich auch das andere Extrem: Nutzer, die als Wallpaper ein Selfie im knappen Badehöschen verwenden, oder ein Foto ihres Autos (oder ihrer Frau!).

Mögen die Computernutzer noch so unterschiedlich sein, eines haben die meisten doch gemeinsam: Der Rechner wird niemals geöffnet, seine Innereien interessieren nicht, jagen gar Angst ein. Für manche Zeitgenossen scheint das Innere des Rechners dem Inneren des Siphons unter dem Spülbecken zu ähneln: Man benutzt ihn täglich, will aber gar nicht wissen, was darin ist und beseitigt unerwünschte Überreste nur bei Verstopfungen. Dem mit Upgrade oder Reparatur beauftragten Dienstleister bleibt folglich ziemlich häufig die Luft weg, wenn er einen Patienten öffnet. Und mit schöner Regelmäßigkeit sind es gerade die Geräte aus besonders aufgeräumten Haushalten deren Verstaubungsgrad jeder Beschreibung spottet.

So landet mancher Delinquent zunächst mal auf dem Balkon und wird mit Pinsel und Tüchlein verarztet und in besonders extremen Fällen wird diese Reinigung auch in Rechnung gestellt. Schlimm ist das nicht, im Gegenteil: Die sauberen Rechner sind die harten Nüsse und schweren Fälle, die verbastelten Teile der Frickler und DIY-Anhänger, bei denen man auch schon mal DDR-RAM in DDR2-Sockeln eingeflanscht findet, oder PCIE-Karten in PCI-Steckplätzen, oder Prozessoren, die über und über mit Wärmeleitpaste verkleistert sind.

Dennoch rufe ich allen Usern zu: Entstaubte Rechner sind leisere und manchmal sogar schnellere Rechner (Stichwort Thermal Throttling). Und zumindest die Verwender von klassischen Desktop-Modellen sind doch in zwei Minuten mit der Reinigung fertig. Laptop- und All-In-One-Nutzer basteln oder beauftragen den Fachmann.

Note to self: Still, klar und gut. Musik: Clutch, Austin Lucas, Behemoth.

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