Die Top-Alben 2014 -Teil1

Da müssen wir jetzt gemeinsam durch. Und vielleicht ergibt ja diese Zusammenstellung, vor allem der demnächst folgende zweite Teil, Hinweise zum Verschenken oder für den eigenen Wunschzettel. Hier also die Plätze 10-6 in meiner ganz persönlichen Hitliste der besten Tonträger des Jahres:

10

Platz 10: Hellyeah – Blood For Blood
Zugegeben, originell ist anders. Das 4. Album der Band des ehemaligen Pantera-Drummers Vinnie Paul geht zwar wieder mal etwas weiter weg vom erdigen Southern-Rock und deutlicher Richtung moderner Metal, aber der Sound ist altbewährt: Gated Reverb auf den Drums, viel Sustain auf der Klampfe und Chad Gray grunted und kräht sich durch das Album. Der Grund dafür, warum es diese Platte gerade noch in die Top 10 geschafft hat, liegt im verbesserten Songwriting gegenüber den beiden Vorgängern, und das gilt für brachiale Stücke wie „DMF“, oder „Demons In The Dirt“ genau so wie für die Midtempo-Stadionballaden wie „Hush“ oder „Moth“, allesamt Stücke mit hohem Wiedererkennungswert. Sicher, irgendwie ist „Blood For Blood“ so gesehen auch eine Metal-Schlagerplatte. Seis drum, mir hat sie trotzdem eine Menge Spaß gemacht.

9

Platz 9: Japanische Kampfhörspiele – Welt Ohne Werbung
Grindcore aus Krefeld? Ja, das geht. „JaKa“ hatten sich eigentlich schon aufgelöst, aber wie das so ist: Wenn man nicht mehr zusammen mit den Jungs im Proberaum abhängen und auf der Bühne abgehen kann, dann fehlt was. Das Reunion-Album „Welt Ohne Werbung“ bietet wieder mal das, was man von den Kampfhörspielen gewohnt ist: Extremes Geprügel und Geknüppel, dazu Rumgekreische mit -ähem- äußerst gesellschaftskritischem Inhalt. Entsprechend heißen auch die Stücke: „Gedopte Sklaven“, „Der Neue Hitler“, „Zufriedene Maschinen“, „Naturschutz sucks“. Man mag dem Sextett vorwerfen, dass der erhobene Zeigefinger zu oft durchschimmert, mir ist das egal. „Welt Ohne Werbung“ ist der Soundtrack für das Leben in einer durchkommerzialisierten, nihilistischen, verkommenen Gesellschaft. Ein bisschen mehr Ironie täte hier und da gut und noch mehr Extrem-Blasting auf dem Bonsai-Schlagzeug, so wie früher.

8

Platz 8: Chevelle – La Gargola
Nein, auch 2014 ist das neue Album von Tool wieder nicht erschienen (ob es noch jemals kommen wird?). Was machen wir denn da? Chevelle aus Chicago wurde immer schon eine stilistische Nähe zu dem Kulttrio der 90er und 00er nachgesagt, auch wenn sie technisch und kompositorisch nie an die Mannen um Maynard James Keenan heranreichten. Aber lassen wir solche Vergleiche mal außen vor: Mit „La Gargola“ legen Chevelle wieder mal ein härteres und ambitionierteres Werk vor, als es die Vorgänger waren. Natürlich ist das immer noch radiotauglicher Alternative Rock, aber viele Stücke auf dem Album können noch ein bisschen mehr als gut ins Ohr gehen. Selbst die Single „Take Out The Gunman“ ist ein schönes, erdiges Beispiel für die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln, „Jawbreaker“ und „Choking Game“ sind ähnlich gut gelungen. Es gibt eigentlich nur einen Totalausfall, nämlich „One Ocean“, eindeutig zu wehleidig.

7

Platz 7: Pet Slimmers Of The Year – Fragments Of Uniforms
Post-Metal aus Peterborough, UK von einer Band, die keiner kennt. Wie zum Teufel schafft es das erste Album dieses Trios in meine Top 10? Vielleicht liegt es daran, dass einige der diesjährigen Releases von Lieblingsbands doch ein wenig enttäuscht haben (s. weiter unten). Ruhige, schwere Instrumentalmusik mit Platz für atmosphärische Schwingungen, das ist Post-Metal. Wer Isis geschätzt hat, wird die Pet Slimmers lieben. Diese Art von Musik lebt nicht so sehr von der Komposition, sondern eher von der Inzenierung: Dynamische Feinheiten, Sensibilität für Arrangements, Liebe zum Detail: All das führen die Pet Slimmers hier in Perfektion vor. Und wenn das Material dann noch so großartig aufgenommen und produziert wird wie auf „Fragments Of Uniforms“, dann kann man in so einem Album regelrecht versinken. Stücke wie „Gathering Half the Deep and Full of Voices“, „Churning of the Sea of Milk“ oder „Mare Imbrium“ sind einfach kleine Meisterwerke.

6

Platz 6: Agalloch – The Serpent & The Sphere
Es sind schon viele Versuche gemacht worden, die Musik von Agalloch in eine Schublade zu stecken, vergebliche Versuche, wenn man mich fragt. Das liegt auch daran, das bislang jede Veröffentlichung der Band eine ganz eigene Charakteristik hatte. Das Quartett aus Portland legt mit „The Serpent & The Sphere“ sein bislang ausgereiftestes Werk vor und knüpft dennoch stärker als auf den letzten Releases an die eigenen Anfänge an. Es handelt sich um eine Platte, die Zeit braucht. Ein ruhiger Winterabend und ein schöner Scotch, sparsame Beleuchtung und dann kann sich die Magie dieses Albums entfalten: Seine schwarzmetallische Kälte, seine nach vorne stürmende Unbeherrschtheit, aber auch seine atmosphärisch dichte Schwere und seine feingliedrige, ausbalancierte Nonchalance. Schon die etwas über 10 Minuten des Openers „Birth And Death Of The Pillars Of Creation“ zeigen, wie großartig Agalloch es inzwischen verstehen, den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Und das schönste daran ist: Sie schaffen das ohne jedes aufgesetzte Brimborium, ohne jede Affektiertheit.

Noch ein letzter kurzer Abschnitt: 2014 war für mich im Grunde kein gutes musikalisches Jahr. Sicher, es gibt natürlich einige herausragende Veröffentlichungen, aber auch große Enttäuschungen. Dazu gehören „The Satanist“ von Behemoth und „Omnispresence“ von Origin, Von beiden Platten hatte ich mir viel versprochen und beide scheitern mit dem gleichen Problem: Zu viel gewollt, zu dick aufgetragen, zu abgehoben. Dann gibt es wiederum Alben, die genau das gegenteilige Problem haben: „Sonic Highways“ von den Foo Fighters, „Between The Stars“ von Flyleaf und „War Eternal“ von Arch Enemy sind auf ihre Art schon nett gemacht, aber insgesamt zu glatt und zu oberflächlich ausgefallen. Dann sind da Bands, den man zurufen möchte: Probiert mal was neues, Leute, seid mutig. In diese Kategorie fallen „Lieblingsfarben und Tiere“ von Element Of Crime, „Flesh And Blood“ vom John Butler Trio und auch „Rekord“ von den Fantastischen 4. Positive Überraschungen waren dagegen „In Schwarz“ von Kraftklub (stark für eine zweite Platte nach Monsterdebut) und „Lazaretto“, die zweite Solo-Platte von Jack White. Tja und die Niete des Jahres? Gibts irgendwie nicht. Auch gut.

Note to self: Können und können können zwei paar Schuhe sein, Leute. Musik: All of the above.

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