Notbuch

Apple hat das Laptop neu erfunden, haben sie jedenfalls gesagt, heute bei der tollen Keynote, bei der auch die Apple Watch vorgestellt wurde, über die ich ganz bestimmt nichts schreiben werde. Nee!

Also das neue MacBook: Was hat es und was hat es nicht? Es hat einen Intel-Prozessor der neusten Broadwell-Generation (18nm Fertigungsprozess, im Grunde kann man sich das kaum vorstellen) mit sehr leistungsfähiger Grafikeinheit und diese CPU braucht gerade mal 5W, ist aber auch nur mit 1,3 GHz (Turbo 2,9 GHz) getaktet. Deshalb braucht das MacBook auch keinen Lüfter. Wieder etwas mehr Platz für den Akku, der 11 Stunden Dauerbelastung mitmachen soll. Das klingt doch alles gar nicht so schlecht. Ganz neues Trackpad, ganz neue, extra belastbare Tastatur, das klingt super. Das Innenleben ist natürlich komplett verklebt, verlötet, vom User nicht zu warten und nicht erweiterbar, so wie Apple das inzwischen halt bei seinen Laptops macht. Die Zeiten, wo mich das schockiert hat, sind vorbei, inzwischen nehme ich es nurmehr resigniert zur Kenntnis.

Aber jetzt kommt das tollste: Die Schnittstellenausstattung des Geräts! Es besitzt einen Kopfhörerausgang und eine USB-C Buchse. Und das war es. Apple denkt sich das wahrscheinlich so: Der Benutzer möge sich mit Musik unterhalten, während er Maus, Kartenleser, USB-Stick, externe Festplatte, externen DVD-Brenner, USB-Ethernet-Adapter, USB-Thunderbolt-Adapter, HDMI-Adapter, iPhone, iPad, iPod und auch das Netzteil (ja wirklich!) um diese eine Buchse kämpfen lässt. So stellen sich die Hardware-Enwickler in Cupertino also ergonomisches Arbeiten vor.

Was muss man sonst noch wissen? Nun, vor allem dies: Das neue Macbook gibt es in den Farben Grau, Silber und Gold (dies wird von den Fanboys in den einschlägigen Webforen tatsächlich als herausragende Errungenschaft gefeiert, sic transit gloria mundi), aber das allerwichtigste: Es ist nochmals 20% dünner als das bisherige Modell. Und diesen Schlankheitsfetisch trägt Apple inzwischen wie eine Trophäe vor sich her. Mag das neue Teil auch vergleichsweise langsam, spartanisch ausgestattet und als vollwertiges Arbeitsgerät gar nicht mehr zu gebrauchen sein, es ist dünner, darauf kommt es an. Und die Jungs und Mädels da draußen werden schon ganz feucht bei dem Gedanken, demnächst für diese Scheißkiste mindestens 1449€ auf die hochglanzpolierte Theke ihres Apple-Händlers zu legen. Ja, das ist einfach nur noch zum Kotzen.

Zurück zum Ausgangspunkt dieses Artikels: Wenn Apple behauptet, das Laptop neu erfunden zu haben und damit ein radikal abgespecktes Mobilgerät meint, das -zugegeben- fantastisch aussieht, dann sehen wir den aktuellen Höhepunkt des technisch Möglichen. Alle, die einen tragbaren Rechner brauchen, mit dem man ernsthaft arbeiten kann, kaufen besser ein anderes Gerät.

Note to self: Nein, ich werde nicht von Etikettendruckern träumen. Musik: Björk, Element Of Crime, Mumford And Sons.

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