Das Loch auf meinem Schreibtisch

Das Verhängnis begann am Mittwoch spätabends, als ich von der Probe heimkehrte und noch schnell E-Mails checken und im Internet was nachschauen wollte. Mein Zweitmonitor, ein Billig-Gerät aus dem Jahr 2009 zeigte plötzlich kein Bild mehr und eine feine Rauchfahne stieg, begleitet von einem widerlichen Schmorgeruch, von der Rückseite des Bildschirms auf. Natürlich nahm ich sofort den Strom weg, stellte sicher, dass nichts vor sich hin kokelte und legte mich hin. Am nächsten Tag wurde das Gerät geöffnet und das fehlerhafte Bauteil identifiziert.

Und wie soll es anders sein? Natürlich kann man das „Powerboard“ nachbestellen, es kostet auch nur 7,50€, aber geliefert wird es aus China, 17€ Fracht kommen dazu, wenn man Luftpost ordert und nicht bereit ist, 4 Wochen zu warten. Für schon 15 € bekomme ich aber genau diesen Monitor komplett mit Gratisversand bei E-Bay. Beide Varianten sind aber auch deswegen keine Option, weil der alte Bildschirm schon lange nicht mehr den Anforderungen entsprechen kann, die man heute, auch an einen Billig-Flatscreen, stellen muss.

Also musste was Neues her. Meine Anforderungen: LED-Backlight, Bildseitenverhältnis 5:4, DVI- und VGA-Buchse. Genau so ein Gerät habe ich dann versucht vor Ort kurzfristig zu bekommen, ohne Erfolg: Mein Lieblingshändler meinte „1 Woche Lieferzeit“, die Konkurrenz konnte auch nicht mehr versprechen und selbst die beiden großen Filialisten („Geil“ und „Blöd“) hatten nix im Angebot. Tja, wie soll ich mich denn von der Online-Krake Amazon, die ihre Mitarbeiter ausbeutet und ausspioniert, lösen, wenn der Einzelhandel kläglich versagt? Also habe ich meinen Wunschmonitor doch wieder bei den Amazonis bestellt und zwar Donnerstag vormittag, die Lieferung per DHL wurde für den heutigen Samstag avisiert, alles gut, auch wenn das Loch auf meinem Schreibtisch mich wirklich nervte.

Nun, als ich Freitag von der Arbeit kam, hatte ich das berühmte Kärtchen im Briefkasten. Die Logistik-Profis hatten voll zugeschlagen und ihre eigene Lieferzeit um 24h unterboten. Ich fluchte tüchtig, denn der frühstmögliche Termin zur Abholung in der Hauptpost, die immerhin nur eine knappe Viertelstunde zu Fuß entfernt liegt, war Samstag, ab 12:30 Uhr. Wer schon mal in der Aachener Hauptpost Samstags 20 Minuten in der Schlange gestanden hat, weil viele arbeitende Mitbürger sonst keine Gelegenheit haben, ihre Sendungen abzuholen, der weiß Bescheid.

Also machte ich mich eben schicksalsergeben auf den Weg, gewappnet mit harter Kampfmusik auf den Ohren. Tja, nur wird die Hauptpost heute von den verd.is bestreikt. Ein lapidarer Aushang (ohne Datum) wies auf die sicher guten Gründe für den Arbeitskampf hin und schloss mit den Worten „…sind wir morgen wieder gerne für Sie da.“ Heftiger kann man den Mitbürgern, deren Solidarität man ja immer wieder einfordert, nicht ins Gesicht schlagen, denn morgen ist bekanntlich Sonntag. Ich wartete ein paar Minuten (worauf eigentlich?) und machte wieder kehrt. Bis zur AM-Treppe kamen mir sicherlich ein Dutzend Leute entgegen, die ebenfalls ein Abholkärtchen in der Hand hatten. Ich sprach sie an und klärte sie auf und einer von ihnen sagte dann diesen Satz zum Einrahmen: „Und da schimpfen immer alle auf die Beamten, heute kämen mir ein paar Postbeamte, so wie früher, gerade recht.“

Wieder zu Hause versuchte ich bei ver.di im Internet die voraussichtliche Dauer des Arbeitskampfes zu ermitteln. Natürlich vergeblich. Einen Mitgliedsantrag hätte ich runterladen können, das wars. Dem Bezirk Aachen/Düren/Erft habe ich gerade per E-Mail mitgeteilt, was ich von seiner Informationspolitik halte. Drecksbande, elende!

Note to self: Mal richtig ausschlafen – ein unfrommer Wunsch. Musik: Liturgy, Audrey Horne, Thou, Deivos, Enslaved.

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