Die Sechs von der Baustelle

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Inzwischen sind sie mir schon fast ein bisschen ans Herz gewachsen, die sechs Bauarbeiter, die seit ein paar Monaten ein neues Haus quasi in meinem Hinterhof errichten: Der leicht verschlagen wirkende Kranmann mit seinem ewig gleichen Kapuzenpulli und Parka, der ältere Bebrillte mit seinem Bart, der auch schon mal laut schimpft, der smarte Flanellhemdträger mit blonder Bürste, der sich nach Feierabend in seine Lederjacke mit Fellkragen wirft, der junge blonde Zuträger mit seiner Nickelbrille, den man nie reden hört und der drahtige Südländer mit seiner verwegenen Mütze.

Ich habe sie bei strömendem Regen und Frost malochen sehen, habe sie beim Herumkraxeln auf wackeligen Gerüstkonstruktionen beobachtet. Ich weiß, wo sie den Schlüssel zu ihrer Baubude verstecken, in die sie sich in den Pausen zurückziehen. Und inzwischen habe ich auch einiges über modernes Bauen gelernt, weiß, dass die Steine heutzutage nicht mehr mit Mörtel, sondern mit Kleber zusammengefügt werden, dass man die Zwischendecken aus Fertigelementen erstellt, in die die Armierung schon eingebaut ist. Ich weiß, wie man es hinkriegt, dass der Beton in nicht zusammenhängenden Verschalungen nach dem Abbinden eine gleichhohe Schicht ergibt. Und ich weiß, dass man nur dann einen Helm trägt, wenn die Bauaufsicht, oder der Architekt oder beide zur Inspektion kommen.

Ein Geschoss und der Dachstuhl fehlen noch. Das Tempo ist eigentlich atemberaubend, aber die Jungs schuften ja sogar samstags und schon ab halb sieben und das mit ruhiger Gelassenheit, Hektik hat es bislang auf „meiner“ Baustelle noch nicht gegeben. Und inzwischen habe ich mich auch an die Geräuschkulisse gewöhnt, Widerstand wäre wohl auch zwecklos.

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Beim gegenwärtigen Stand des Bauvorhabens bleiben für den interessierten Nachbarn dennoch einige Fragen offen: Was wird aus den alten Postgebäuden unmittelbar hinter dem neuen Haus? Werden die als nächstes abgerissen? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man großzügige Balkons an der Rückseite einplant und die neuen Bewohner dann auf die abgestandenen, wenig ansehnlichen Backsteinklötzchen schauen lässt. Andererseits: Hätte man einen Abriss nicht vor dem Rohbau durchgeführt, schon aus praktischen Gründen? Ich werde mich überraschen lassen.

Note to self: 50090! Musik: Basta, Die Ärzte, Deichkind, Shunsuke Mizuno, Roby Lakatos.

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