Donnerlittchen

Ein heftiges Gewitter tobt sich gerade über dem Westzipfel aus. Richtig finster ist es (ungefähr so finster wie damals bei der sagenumwobenen SoFi ’99) und gewaltige Wassermassen stürzen vom Himmel (auf unser frisch gedecktes Dach, da kommt Freude auf!).

Tropfentisch

Eine Replik zum gestrigen Kommentar von Tom zum Eintrag „Das Ende der Tour“ (Darin ging es um die Einstellung der Tourberichterstattung durch die öffentlich-rechtlichen Sender.) und zum Thema „Scheinheiligkeit“: Was ist scheinheiliger? Ein Berufsradfahrer, der, wenn das Ergebnis der B-Probe den positiven Befund bestätigt, sich offensichtlich einen Dreck darum schert, dass sein Rennstall ernsthafte Anstrengungen unternimmt, einen Schlußstrich unter ein in Jahrzehnten etabliertes Betrugssystem zu ziehen, oder die Medien, die im Grunde genommen die Wahl zwischen Pest und Cholera hatten: Setzt man die Übertragungen fort, gibt man auch denjenigen eine Bühne, die immer noch nach dem Prinzip „rollende Apotheke“ unterwegs sind. Bricht man ab, vergibt man die Möglichkeit einer kritischen Berichterstattung und bestraft die ehrlichen Fahrer und die interessierten Zuschauer. Ich denke nach wie vor, dass die Entscheidung der Sender richtig war. Nur durch den „ecran noir“ wird den Verantwortlichen klar gemacht, dass sich Medien, deren Tätigkeit letztlich über den Fluß der Sponsorengelder entscheidet, nicht auf Gedeih und Verderb der Quote aussetzen, sondern zu recht das Interesse ihrer Endkunden an einem ehrlichen sportlichen Vergleich verteidigen. Und ist es nicht nicht bezeichnend, dass ausgerechnet der Unterschichten-Sender, der noch vor kurzem seine Nachrichtenredaktion auflöste und stattdessen nun Wiederholungen von Gerichtsschows zeigt, bereitwillig die Übertragungsrechte übernommen hat und im Rahmen seiner Übertragungen das Thema Doping angeblich weitgehend ausblendet („angeblich“ steht hier, weil ich ausschließlich Qualitätsfernsehen konsumiere und daher nur die Berichterstattung über die Berichterstattung verfolge).

Wohlverstanden: Mir ist klar, dass die Zeit als Epo-Jan und Epo-Lance unterwegs waren und die ARD das Team Telekom sponserte noch nicht lange zurückliegt. Ebenfalls klar ist, dass auch in anderen Sportarten reichlich gedopt wird. Ob man die olympischen Spiele in Peking übertragen sollte? Gute Frage. Und um den ganz großen Bogen zu schlagen: Wenn Siege nicht mehr kritiklos gefeiert, sondern an ethische Prinzipien geknüpft werden, ist das nicht langfristig eine Abkehr von einer kopflosen und armseligen Leistungskultur nicht nur im Sport, die uns, das ist meine feste Überzeugung, in eine Sackgasse führt? Note to self: Die ersten zwei dicken Hedgefonds platzten bereits. Der Anfang vom Ende der idiotischen Gier?

Was ganz anderes: Anne hat ihre Webseite auf Vordermann gebracht. Schaut mal vorbei! Musik: Plan B, Poems for Laila

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