OK, Freunde

Eigentlich ist es doch gar nicht so schwer, oder? Jeder Mitmensch hat das Anrecht auf ein Mindestmaß an Respekt und damit auch auf ein Mindestmaß an Höflichkeit. Dazu gehört zum Beispiel, dass man das Rückgeld auf die gereichte Hand fallen lässt und nicht auf die Theke, von der die Münzen einzeln mit spitzen Fingern aufgeklaubt werden müssen. Dazu gehört, dass man offensichtlich gehbehinderten Menschen seinen Platz im Bus anbietet und Rollstuhlfahrern die Rampe runterklappt. Und dazu gehört auch, dass man erst alle Passagiere, die aussteigen möchten, tatsächlich aussteigen lässt und sich nicht an ihnen vorbei in den Bus drängelt. Dazu gehört, dass man sich am Telefon nicht mit „Ja?“, sondern mit „Hallo Skidman“ meldet, wenn die bekannte Nummer auf dem Display erscheint. Und dazu gehört, dass man die Tageszeit sagt, wenn man einen Raum betritt und zurück grüßt, wenn man gegrüßt wird. All das hat nichts mit Wertschätzung oder Sympathie zu tun, sondern mit den absoluten Basics, die uns das Leben auf diesem Planeten halbwegs erträglich machen.

Keine Ahnung was sich meine Mitmenschen fürs neue Jahr so vorgenommen haben, aber mit dem, was ich immer Minimalrespekt nenne, können ihre guten Vorsätze nichts zu tun haben. Ja, ich weiß, die Zeit nach Silvester ist für uns alle nicht einfach: Der Alltag hat uns wieder, das Wetter ist meist bescheiden, einige sehnen sich nach Nikotin, andere nach einem Stück Kuchen, wieder andere wünschen sich nichts mehr, als dass Karneval vorbei sein möge. Das Leben ist kein Ponyhof und der Teufel ist ein Eichhörnchen, aber trotzdem muss man sich zusammen reißen.

Die Zyniker unter uns haben schon lange beschlossen, dass der Ehrliche der Dumme ist (Das ist natürlich Blödsinn: Der Ehrliche ist der Ehrliche und der Dumme im Gegensatz zu ihm meist glücklicher als der durchschnittlich intellektuell Begabte. Beide würden nicht miteinander tauschen wollen.). Lassen wir es nicht so weit kommen, dass auch noch der Freundliche als der Dumme verschrien wird.

So, ich gehe heute Abend mit ein paar netten Menschen ein gepflegtes Bier trinken. Und bis auf weiteres halte ich es mit Tocotronic: „Ich mach‘ meinen Frieden mit euch“.

Note to self: Ein Schein, ein NAS, ein Damenunterrock und vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran. Musik: Abbath, Anthrax, Wailin Storms, Lychgate.

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