Salz auf meiner Haut

Wer an dieser Stelle -wegen der Überschrift- ein schlüpfriges, halbseidenes Elaborat erwartet, den muss ich enttäuschen. Die Rede wird vielmehr von einem grandiosen aber ganz alltäglichen Scheitern sein, das fast jeder so oder so ähnlich bereits erlebt hat. Das Ganze kurz und bündig:

Endlich wieder einkaufen, nach überstandenem Rosenmontag. Verschärft wurde die Leere des Kühlschranks durch die spontane Ausweitung meiner Dienstzeit am Freitag bis in den Abend (Chefs und ihre lustigen Ideen) und einen Kunden, der eine notorische Neigung besitzt, stets zu den ungünstigsten Zeitpunkten die erheblichsten Probleme zu vermelden und sofortige Bearbeitung derselben zu verlangen. So saß ich dann Samstag bis nach 22 Uhr in der Fernwartung und spätestens Sonntagabend nahrungsmittelmäßig ziemlich auf dem Trockenen. Und gestern Abend fand ich mich sogar in einer langen Schlange von mehr oder weniger kostümierten, durchweg alkoholisierten Menschen wieder, um nach ein paar pappigen Bulettenbrötchen anzustehen.

Man kann also nachvollziehen, dass der heutige Einkauf etwas üppiger ausfallen musste, sämtliche Resourcen waren erschöpft. Nun ist Einkaufen eine Tätigkeit, die bei mir in der Regel nach dem „schnell rein – schnell raus“- Prinzip abläuft. Auf einen Einkaufszettel verzichte ich. So kann es vorkommen, dass ich mein Wägelchen an einem Artikel vorbeischiebe und plötzlich die Frage auftaucht, ob ich noch genug davon zuhause bevorrate, oder ob ich lieber noch eine Einheit mitnehme. So ging es mir heute mit dem Artikel „Kochsalz“. Da ich mir wirklich nicht sicher war, packte ich ein Kartönchen in den Wagen und später dann in den pickepackevollen Rucksack. Dann eilte ich beschwingt nach Hause, da ich 1.) Lust auf die leckeren Sachen in meinem Rucksack hatte und 2.) just beim Verlassen des Supermarktes ein mittelschwerer Wolkenbruch einsetzte.

Zuhause angekommen wuchtete ich den Rucksack auf die Küchenzeile, um zu verstauen und sofort in die Zubereitung eines großen Schwungs an Frühstücksbroten nebst Kaffee (auch der war mir ausgegangen, grauenhaft) einzusteigen. Doch als ich das Transportbehältnis öffnete, bot sich mir ein tragischer Anblick: Der Salzkarton war von einem benachbart gelegenen Nahrungsmittel penetriert und aufgerissen worden und deshalb fast seines kompletten Inhalts verlustig gegangen. Zusätzlich war eine gute Portion des oben erwähnten Wolkenbruchs in den Rucksack gelangt. Das Ergebnis: Eine dickflüssige Salzlake umgab den gesamten Einkauf. Na spitze.

5 Minuten später war alles Eingeschweißte im Spülbecken, alles Nichteingeschweißte, also auch das Brot, entsorgt. Die Sole befand sich nunmehr auf meinen Pfoten, auf meinem Pulli, auf meiner Brille, hinter meiner Brille, in der gesamten Küchenecke, auf dem Boden vor der Küchenecke, auf meinen Schuhen und wer weiß wo sonst noch. Von Frühstück konnte keine Rede mehr sein. Draußen regnete es immer noch sehr heftig, egal. Mit dem Zweitrucksack auf den Schultern trat ich den Weg zum nächsten Bäcker an: „Ein Belegtes mit Rührei, ein Belegtes mit Schinken und einen großen Kaffee mit viel Milch bitte.“ Na also, geht doch.

Note to self: Hasskommentare auf Facebook? 10 Minuten Youtube reichen schon. Es kotzt mich an. Musik: Aluk Todolo, Textures.

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