Pursee

Das Wochenende nach Ostern ist der neue Termin für die jährliche Frühlingsfahrt unserer Clique. Und auch wenn wir es uns diesmal im Vorfeld ein bisschen schwer gemacht haben, oder vielleicht sogar deswegen gibt es jetzt eben einen festen Zeitpunkt und ein Organisationsteam, damit das nächstjährige „Gammelwochenende“ ein mindestens so großer Erfolg werden kann, wie das letzte, aber der Reihe nach:

Wasserbauliches
Also der Rursee, die vom Volumen her zweitgrößte Talsperre Deutschlands nach dem Bleilochsee in Thüringen, war diesmal Reiseziel, genauer das am Rande der Ortschaft Rurberg gelegene Ferienhaus „Fuchsloch“. Aufgrund der in der Gruppe formulierten (Halb-)Wahrheiten über dieses Gewässer, will ich mal ein bisschen ausholen: Die Rurtalsperre gliedert sich eigentlich in drei Teile: Den Eiserbachsee, den so genannten Obersee (dort fließt die Rur ein) und den eigentlichen Rursee. Die beiden erstgenannten können als Vorsperren betrachtet werden, wobei auch der Urftstausee dem Obersee sozusagen vorgeschaltet ist. Das Wasser des großen Rursees fließt am Wasserkraftwerk Schwammenauel in das Staubecken Heimbach ab. Klingt ganz einfach, aber in Wahrheit ist es ein bisschen komplizierter.

Als man zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Bau der Eifeltalsperren begann, ging es noch nicht mal in erster Linie um Trinkwassergewinnung oder elektrische Energie aus Wasserkraft, sondern um den Hochwasserschutz: An den Ufern der Rur gab es zahlreiche Papiermühlen, Hammerwerke und andere Kleinindustrie. Und wenn der Fluss Hochwasser führte, dann war nichts mehr mit Geldverdienen. Deshalb war das wesentliche Ziel die Verstetigung der Wasserführung. Dann ging alles ganz schnell: Der Bedarf an Elektrizität schnellte nach oben, Fortschritte im Leitungsbau machten die Versorgung großer Einzugsgebiete aus zentralen Trinkwasserspeichern möglich. Der Talsperrenverbund in der Nordeifel wurde entsprechend erweitert und angepasst. Ziemlich schnell war klar, dass die einzelnen Gewässer durch Stollen zusätzlich verbunden werden mussten, wollte man den vielfältigen Anforderungen Rechnung tragen. Heute verbindet der Kermeterstollen den Urftsee über eine Druckwasserleitung mit dem Jugendstilkraftwerk Heimbach. Der Obersee als Trinkwassertalsperre ist mit der bei Rollesbroich gelegenen Kalltalsperre verbunden. Von dort führt ein weiterer Stollen zur Dreilägerbachtalsperre bei Roetgen. Aha, ach so: Wenn der Aachener sagt, aus seinem Wasserhahn zuhause käme „Roetgener Wasser“, dann ist das nur die halbe Wahrheit, denn ursprünglich stammt dieses Wasser aus dem Obersee, also aus der Rur und den anderen Zuflüssen. Urftwasser wird nie allein und nur selten als anteiliges Rohwasser für das Wasserwerk Roetgen verwendet, das wiederum liegt an seiner vergleichsweise hohen Sedimentfracht. So, jetzt ist es genug, auch wenn ich noch ein paar Seiten füllen könnte.

Rursee_PanoramaStill und starr ruht der Rursee

Kulinarisches
In den vergangenen Jahren entfiel ein guter Anteil der insgesamt verfügbaren Reise-Freizeit auf die Zubereitung von Speisen und die Vertilgung derselben. Diesmal hatten wir uns vorgenommen, kochen und essen nicht auf die Spitze zu treiben. Der Autor beispielsweise bereitete drei Bleche Pizza zu und dies sogar unter Verwendung von praktischen Halbfertigprodukten. Ehrlich gesagt hätte ich etwas anderes nach einer 4stündigen Wanderung durch den strömenden Regen am Donnerstag auch nicht hinbekommen. Trotzdem haben wir nicht gedarbt, im Gegenteil: Es gab natürlich wieder ein englisches Frühstück (am Tag des Boatrace), einen extrem nahrhaften Grillabend und als Krönung ein exquisites „Ofenhuhn auf der Bierbüchse“.

2016-04-01_17-59-54Flattermänner vor dem Fegefeuer

Wassersportliches
Zur Ausstattung des Ferienhauses gehörte auch ein Tretboot. Bereits im Vorfeld trafen deshalb Patrick als „Chief Maritime Officer“ und der Autor als „Offshore Technician in Charge“ Vorbereitungen für den „Eastbeachcup 2016“ ein Einzelzeitfahren für pedalbetriebene Wasserfahrzeuge mit einer Verdrängung nicht über 0,5BRT und einer maximalen Länge von 12 Fuß. Damit es bei diesem Wettkampf nicht nur auf den Umfang der Oberschenkel ankam, wurden zahlreiche Sonderwertungen mit Zeitgutschriften ins Leben gerufen: Neben der Wertung „Best Outfit“ und der „Spirit of the Lake Challenge“ (Kleine Wertung: Mann über Bord. Große Wertung: Durchkentern, Bergung durch örtlichen DRLG, Bericht in der Lokalpresse) gab es auch musikalische Wettbewerbsanteile: Abgesehen von einem frei wählbaren Ablegelied mit seemännischem Charakter, wurde auch ein Anlegelied („Alle Meine Entchen“) seitens der Organisatoren vorgeschrieben.

2016-04-02_14-37-06Das drittplazierte Team „Die Bojenkratzer“ vor dem Wettkampf

2016-04-02_14-34-56Die späteren Sieger „Die Blaue Lagune“ machen sich warm

2016-04-01_11-32-24Test des Wettbewerbsfahrzeuges

Der Wettbewerb war eng und wurde auch durch eine kreative Interpretation des Regelwerks beeinflusst. Noch mal in aller Deutlichkeit: Es war nirgendwo die Rede davon, dass die Teilnehmer mit voller Kraft voraus starten sollten, die Rückwärtswende am Steg war folglich ein zulässiges taktisches Mittel, man muss nur darauf kommen, gell! Das Team „Rurthunder“, das sich aus den Organisatoren der Regatta zusammensetzte, belegte deshalb einen starken zweiten Platz und wurde nur durch die von auswärts angereisten Halbprofis „Die blaue Lagune“ geschlagen. Das Nachwuchsteam „Zwergpiraten“ sicherte sich durch ein selbst komponiertes Ablegelied und eine phantasievolle Kostümierung einen Sonderpreis. Hätten die Jungfreibeuter das Anschlagen am Bootssteg vor lauter „Entchen“ nicht fast vergessen, hätten sie auch eine ansprechende Wertungszeit anbieten können.

2016-04-02_16-06-59„Eastbeach Cup 2016“: Offizieller Wertungsbogen mit Endergebnis

Fazit
Insgesamt hat es uns im „Foxhole“ so gut gefallen, dass wir wohl nächstes Jahr zurückkehren werden. Termin und Location passen gut zusammen, weil die Segelsaison zwischen Woffelsbach und Rurberg im Frühjahr noch nicht richtig begonnen hat. Man kann sich gut vorstellen, was an einem Samstagmorgen im Sommer auf der Zufahrtsstraße zu den Segelclubheimen los ist. Und wenn man sich das Benehmen von manchen dieser Segler, insbesondere denen mit Monstertrailer am Monsterauto vor Augen führt (einer unserer Teilnehmer wurde von so einem Widerling erst von der Straße gehupt, dann fast überfahren, dann aufs Übelste beschimpft), will man mit ihnen lieber möglichst wenig zu tun haben.

Von allem anderen abgesehen, war das diesjährige Gammelwochenende wieder ein echter Bildungsurlaub. Alle Teilnehmer haben sicher das eine oder andere über sich selbst, aber auch über die Gesamtgruppe gelernt. Und außerdem durfte ich feststellen, dass es unumstössliche Wahrheiten gibt, von denen man auch im grauen Alltag profitieren kann:

2016-04-01_15-36-10Helfen wir der Landwirtschaft!

Note to self: Ein Bröckchen in den 14. Tag gerettet. Gut so! Musik: Georg Danzer, The Gossip, Gentle Giant, Genesis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.