Die B. gewinnt immer

Das wirkliche Leben und das Geschehen an einem Roulette-Tisch haben durchaus Gemeinsamkeiten. Eine dieser Binsen ist die Tatsache, dass die Bank immer gewinnt. Doch während das Glücksspiel nach strengen Regeln abläuft, die allen Teilnehmern bekannt sind, haben sich die Banken zu recht den Ruf erworben, dass sie mehr oder weniger nach dem Leitsatz „Wer kann, der kann“ agieren, dabei spielt das „dürfen“ eine untergeordnete Rolle. Die Zahl der Verfahren, in denen sich beispielsweise die „Deutsche Bank“ zurzeit verantworten muss, spricht Bände. Die Tatsache, dass diese Verfahren fast ausnahmslos in den USA anhängig sind, wo man ja im Allgemeinen das angelsächsische Loblied vom freien Spiel der Kräfte singt, sollte uns Europäern schwer zu denken geben.

Besonders unappetitlich wird es, wenn die Institute ihre Macht ausnutzen, um Marktteilnehmer in der Realwirtschaft, also da, wo keine Luft gebucht wird, sondern wirkliche Werte erschaffen und zerstört werden, in den Ruin zu treiben. Der SPON berichtet heute über entsprechende Umtriebe bei der Royal Bank of Scotland (die auch noch mehrheitlich in Staatsbesitz ist, ein Wahnsinn), aber so etwas passiert auch in Deutschland. Erinnert sich noch jemand an M+S Elektronik und die Commerzbank? Klar, so etwas läuft auch ohne Beteiligung von Banken (ich erinnere mich an eine Insolvenz, bei der ich an der Verwertung der Konkursmasse beteiligt war: Der Aufkäufer war der größte Schuldner des Pleitiers.), nur sind in den Geschäftsbeziehungen zwischen Bank und Kreditnehmer die Hebelverhältnisse besonders ungerecht.

Einer meiner Geographielehrer hat mich vor ca. 40 Jahren dahingehend eingenordet, dass Geld eben auch nur eine Ware sei, die man kaufen und verkaufen könne. Inzwischen habe ich dazu gelernt. Geld ist auch eine Ware, die man verkaufen kann, wenn man sie gar nicht hat. Das ist der Normalzustand. In echten Notlagen hat die Finanzwirtschaft darüber hinaus den Vorteil, vermittels öffentlicher Gelder (die übrigens zu diesem Zweck im Bedarfsfall von privaten Banken geliehen werden, unsere Welt ist ein Irrenhaus) gerettet zu werden. Diese Bankenrettungsentscheidungen werden in der Öffentlichkeit ja gerne kritisiert, dabei wird ausgeblendet, dass man die politisch Verantwortlichen mit einem Szenario stekum in den Wahnsinn treiben kann: Was wäre denn, wenn sich die Staaten nichts mehr leihen könnten? Also jetzt nicht Griechenland, sondern beispielsweise die USA. Kurze Antwort: Dann wäre der dritte und letzte Weltkrieg, ein globaler Bürgerkrieg nämlich.

Die in der Finanzwirtschaft umlaufende Geldmenge hat sich gegenüber der der Realwirtschaft zur Verfügung stehenden Geldmenge in den letzten 15 Jahren abenteuerlich entwickelt, auch die Finanzkrise von 2007/2008 hat daran nichts geändert, im Gegenteil, die Geldpolitik der EZB beispielsweise trägt entscheidend dazu bei. Und je weniger Renditechancen in seriösen Geschäften stecken, je größer ist die Versuchung ein größeres Risiko zu nehmen. Zumal es ja nicht das eigene Geld ist: Die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank beispielsweise liegt derzeit bei 4%, ein Witz.

Das alles könnte man mit einem Schlag ändern: Kein Mensch auf dieser Welt braucht privatwirtschaftliche Banken. Wenn wir schon nicht so weit gehen wollen, Zins und Zinseszins abzuschaffen, was das vernünftigste wäre, dann lasst uns wenigstens Geldinstitute und Börsen in öffentliches Eigentum überführen: Wenn dann die Bank gewinnt, freut sich wenigstens der Bund der Steuerzahler.

Note to self: Noch knapp drei Wochen bis zum Urlaub. Musik: Norah Jones, Asphyx, Brant Bjork, As We Draw.

 

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