Und jedem Ende wohnt ein Zauber inne

Wer dieses Blog regelmäßig liest, hat auch die bereits veröffentlichen Beiträge zum Thema Recycling / Entsorgung mitbekommen. Ich glaube, dass in unserer dekadenten Überflusskonsumgesellschaft ganz besonders große Glücksgefühle dadurch ausgelöst werden, dass man sich von dem materiellen Ballast trennt, der uns mehr beschwert als wir zugeben wollen. Vielleicht sind die Glücksgefühle sogar größer, als die, die durch Neuanschaffungen verursacht werden, mir geht es jedenfalls so. Wer also wirklich glückliche Menschen sehen will, sollte einen kommunalen Recyclinghof aufsuchen.

Unterschiedliche Menschen häufen unterschiedliche Produktgruppen an, je nach Neigung eben. Bei mir sind es nun mal  EDV-Komponenten aller Art. Klar, einerseits sammeln sich bei mir defekte Netzteile, Festplatten und so weiter aus dem Kundenkreis an. Andererseits werden mir oft alte Computer zur Entsorgung übergeben, die eigentlich noch voll funktionsfähig sind. Dann habe ich zuweilen wirklich große Probleme damit, diese Teile auch wirklich wegzuwerfen. Der 10 Jahre alte 08/15-PC mit verkratztem Gehäuse aus dem Haushalt eines rauchenden Hundehalters? Ja, der fliegt natürlich raus. Aber es gibt Grenzfälle. Die Grenzfälle meiner letzten Entrümpelungs-Tour? Hier sind sie:

Da war ein wirklich hässlicher Ex-Bolide in gelb-vergilbtem Beige, mit furchtbaren Aufklebern. Ich hatte in das Riesengehäuse ein Core2Duo-Board eingebaut, das DDR- und DDR2-RAM vertrug, Steckplätze für alle PCI- und PCI-E-Karten und AGP-Grafikkarten besaß und alle USB-Schnittstellen von 1-3 nebst Firewire aufwies. Damit testete ich Hardware, deren Funktionsfähigkeit unsicher war, das große Gehäuse machte Einbauten eben sehr einfach. Weg isser.

Dann einer der ersten Aldi-PCs in Bestzustand (mit Win98- und Pentium-III-Aufklebern!), den ich intern aufgerüstet hatte. Er gefiel mir wegen des Kultfaktors und den kompakten Maßen. Aber er stand rum. Und tschüss.

Ein G4-Cube von Apple, technisch intakt, aber mit total zersplittertem Plexiglas-Gehäuse. Ich habe den gleichen noch mal in gutem Zustand. Netzteil behalten, Rechner entsorgt. Und natürlich wurde er nach zwei Minuten aus der Gitterbox geklaubt, beguckt und wanderte in den Kofferraum eines Entsorgungskollegen. Viel Spaß damit!

25 absolut intake IDE- und SATA-Festplatten mit einer Kapazität kleiner/gleich 160GB. Warum soll man die Teile wegwerfen, die laufen ja einwandfrei? Ja, tun sie, aber man braucht sie nicht mehr. Es liegen außerdem noch rund ein Dutzend Modelle mit Kapazitäten ab 320 GB herum, die reichen. Fort damit.

Gleiches gilt für 10 optische Laufwerke, die heute niemand mehr einsetzt, sämtliches SCSI-Geraffel aus den ganz alten Macintosh-Tagen, alle DVBT-1-Geräte, zwei intakte SW-Laserdrucker und meinen treuen HP Deskjet 930c. Ja, der Kofferraum füllt sich.

Woran ich gescheitert bin? Ein Röhren-iMac in indigoblau. Ich benutze ihn nie, aber kann mich nicht trennen. Ein Shuttle-PC mit AMD-Sempron, den ich intern so gemoddet habe, dass zwei Festplatten reinpassen und Windows 7 passabel läuft. Da steckt einfach zu viel Arbeit drin, außerdem ist es der einzige Rechner mit Diskettenlaufwerk, den ich noch besitze. Ja, lächerlich.

Als ich vom Recyclinghof zurück in die Stadt fuhr tat ich das beseelt und zufrieden. Der jetzt frei gewordene Platz wird nicht wieder vollgestellt werden, hab ich mir versprochen. Das wird schwer, aber vorerst gilt:

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Note to self: Verdiente Distanz oder Kaltherzigkeit? Musik: OTEP, Soundgarden, Jeb Loy Nichols, Stonebride.

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