Die Grüne Hölle

Noch knapp eine Dreiviertelstunde zu fahren beim 24-Stundenrennen auf dem Nürburgring. Bislang eine Veranstaltung die man mit dem Begriff „Favoritensterben“ hätte überschreiben können. Auch mein Favorit, der R8 vom Team Phoenix, war bereits nach wenigen Stunden von einem Renault Clio abgeräumt worden und danach chancenlos. Audi war verdammt stark und führte zum Teil mit 4 Autos, allen voran die Nummer 29 vom Team Land Motorsport aus dem Westerwald. Auto und Mannschaft funktionierten wie ein Schweizer Uhrwerk, bis ca. 90 Minuten vor Schluss Probleme auftraten. Keine Leistung mehr nach einem regulären Boxenstop, das Rennen schien gelaufen. Die Belgier vom Team WRT übernahmen die Führung, ein BMW M6 hing ihnen bedrohlich im Nacken. Der musste zum turnusmäßigen Reifenwechsel mit Mindeststandzeit in die Box, wohingegen die Audi auf Position 1 und 3 in den letzten 30 Minuten der Distanz nur einen kurzen Splash and Dash zu absolvieren hatten.

Das ganze Wochenende war extrem heiß und trocken gewesen, doch fast genau eine halbe Stunde vor Rennende beginnt es über Teilen der Nordschleife wolkenbruchartig zu regnen. Fahrzeuge mit Trockenreifen sind plötzlich chancenlos. WRT und der BMW sind mit Slicks unterwegs, als die Nummer 29 zum Tanken und Reifenwechsel reinkommt. Der Kommentator zählt die Spritmenge mit, die ins Auto fließt, es geht um Sekunden. Dann reißt der Lollipop-Mann zu früh seine Tafel hoch, der Audi zuckt an, dabei ist noch nicht genügend Sprit in der Kiste. Hektisch wird er zurückgeschoben, es wird weitergetankt. Der Kommentator sagt: „Das war es!“ Jetzt ist das Tanken beendet, aber das Auto fährt nicht los, denn die Mechaniker springen plötzlich noch aufgeregter durch die Boxengasse. Die frisch montierten Trockenreifen gehen wieder runter, es kommen Regenreifen auf das Auto. Nach einer gefühlten Ewigkeit fährt der R8 weiter. Auf den dann noch folgenden zwei Runden versägt der Audi den vor ihm liegenden BMW und auch den in Führung liegenden Markenkollegen. Land Motorsport gewinnt das 24-Stundenrennen. Unfassbar. Das waren die besten 30 Minuten Motorsport, die ich bislang in meinem Leben gesehen habe.

Note to self: Nein, keine Trinkspielbeteiligung. Musik: Keine.

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