Bebendes Bergland

Ein lauer Freitagnachmittag. Mit einem Auge verfolge ich das WM-Spiel der Italienerinnen gegen Jamaika, mit sehenswerten Toren, leider alle für Italien. Mit dem anderen scrolle ich durch die Seite der Süddeutschen. Dort gibt es gerade wieder einen frischen Artikel, den dritten am heutigen Tage, zum Frauenstreiktag in der Schweiz. Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil dieses Ereignis in den anderen Webpublikationen, die ich regelmäßig lese, überhaupt nicht vorkommt, nicht mal in der taz. Also, was lesen wir?

Natürlich, der Gender-Pay-Gap. In der Schweiz beträgt er angeblich 18%. ich benötige 10 Minuten um sauber heraus zu recherchieren, dass bei der Ermittlung dieser Zahl die gleichen statistischen Taschenspielertricks angewandt werden, wie in der Bundesrepublik. Also lassen wir das: Wer sich so verdummen lassen will, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Außerdem geht es natürlich um Sexismus, das wird nicht weiter ausgeführt, wozu auch? Wer die Deutungshoheit hat, der braucht nicht zu argumentieren, er hat einfach recht. In einem Interview mit einer Aktivistin lese ich zudem, dass die Beteiligung von Männern bei den Demonstrationen durchaus erwünscht ist, aber „bitte nur in den hinteren Reihen“ (kein Scherz, das steht genau so da). Ja, es kann den denkenden Menschen staunend zurücklassen, wenn der Femifaschismus sein wahres Gesicht zeigt.

Von dieser Lektüre aufgeschreckt, wechsle ich zu watson.ch, das ist ein eher linkes Nachrichtenportal mit inzwischen ca. 64.000 Hits pro Tag. Das SPON der Schweiz sozusagen. Nun, dort wird in epischer Breite über den Kampftag der Schweizerinnen berichtet und man erfährt, was sich da heute sonst noch so tut, nämlich gemalte Vulven auf Plakaten, Klitoris-Wanderungen und BH-Verbrennungen. Mit einem Wort: Alles, was zur Rettung des Abendlandes erforderlich ist.

Italien schlägt Jamaika 5 zu 0. Ich schalte auf den ZDF-Krimi am Freitag um: „Die Chefin“. Rats.

Note to self: Austrocknen. Wie hoch ist der Eigenanteil? Musik: The National, Sunn O))), Queen, Orchid.

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