Löcher in Tankern

Die Welt am Rande eines Krieges? Man muss es fast befürchten. Die aktuellen Entwicklungen am persischen Golf geben Anlass zur Sorge, das ist mal sicher. Wie soll man die Angriffe auf die beiden Schiffe in der Straße von Hormus bewerten?

Also, ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, im Gegenteil. Für einen Naturwissenschaftler sollte das wichtigste Werkzeug zur Beurteilung von Sachverhalten Ockham’s Razor sein. So gesehen wäre der Iran Schuld an den Angriffen auf die zivilen Wasserfahrzeuge. Andererseits lehren Erfahrungen mit der US-Amerikanischen Außenpolitik in den letzten Jahrzehnten (Colin Powell und die „weapons of mass destruction“ anyone?), dass gerade das heute vorgelegte Bildmaterial mit Vorsicht zu genießen ist, insbesonders wenn man folgendes berücksichtigt:

  • Die Besatzung des japanischen Tankers spricht von mehreren anfliegenden Objekten. Das spricht für die Einwirkung von Anti-Schiff-Raketen oder Granaten, nicht für Haftminen.
  • Die sichtbaren Beschädigungen an den Schiffen liegen weit oberhalb der Wasserlinie, auch dies spricht für eine Beschuss- oder Raketeneinwirkung.
  • Die Überwachung des in Rede stehenden Seegebiets aus der Luft durch amerikanische Satelliten, Flugzeuge und Drohnen dürfte gerade jetzt lückenlos sein. Wahrscheinlich kann man dort zurzeit nicht mal mit einem Ruderboot unbeobachtet unterwegs sein. Dann sollten die US auch in der Lage sein, Kurs und Heimathafen des angeblichen iranischen Patrouillenboots festzustellen.
  • Warum sollte der Iran gerade jetzt Öl ins Feuer gießen? Und wenn doch, würden sie nicht eher ihre Hisbollah-Hilfstruppen in Marsch setzen oder gegen Saudi-Arabien vorgehen?
  • Cui bono? Im Moment scheint vor allem die Trump-Administration und ihr grenzdebiler Chef von einer Eskalation zu profitieren. Man könnte die Europäer disziplinieren, Russland ans Bein pinkeln und China zeigen, wo Bartel den Most holt: Win win win.

Note to self: Morgen gehts los. Vorfreude! Musik: Paco de Lucia, Norah Jones, NoiSays, Orange Goblin.

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