E.

E. hat einen Menschen erschossen. Politischer Mord, begangen von einem rassistischen Nazischwein. Auch wenn die Bundesstaatsanwaltschaft jetzt das Verfahren an sich gezogen hat: Das Netzwerk, in dem E. sich radikalisiert hat, wird wohl nicht aufgeklärt werden. Es wird auch nicht zur Verantwortung gezogen werden. Zwar können wir froh sein, dass mit Peter Frank ein Mann verantwortlich ist, dem man im Unterschied zu solchen Figuren wie Hans-Georg Maaßen keinen rechtsextremistischen Dünkel unterstellen muss. Trotzdem ist zu befürchten, dass inzwischen die polizeilichen und geheimdienstlichen Strukturen derart faschistoid durchsetzt sind, dass sie die Aufklärung der Hintergründe der furchtbaren Tat zu verhindern wissen werden. Der Ausgang des NSU-Prozesses und die Einlassungen der V-Leute in eben diesem Prozess sprechen da eine eindeutige Sprache.

E. ist mehrfach einschlägig vorbestraft. Seine Nachbarn schildern ihn als freundlichen Familienvater, der immer nett grüßte und nicht weiter auffiel. Im Schützenverein war er auch. Gleichzeitig verfasste er Kommentare in den sozialen Netzen, dass es „Tote geben werde“. Da passt was nicht zusammen. Wenn es reicht, nicht südländisch auszusehen und nett zu grüßen, dann passen ganze Wolfsrudel in den Schafspelz. Genau an diesem Punkt sind wir gerade. Und wer hat mit E. beim letzten Schützenfest am Tisch gesessen und als es dann nach dem 6. Bier ein bisschen unappetitlich wurde, wer hat da zustimmend genickt und ihm auf die Schulter geklopft?

E. ist einer von viel zu vielen. Zwar nehme ich am sozialen Netzwerken nicht teil, aber was mir auf YouTube und in diversen Webforen an Hass und Dummheit entgegenschwappt, das reicht mir schon. Was ich in diesem Zusammenhang am schlimmsten finde, ist der stets mitschwingende rechtfertigende Notstand: Die links-grün-versiffte Mischpoke lässt uns ja keine andere Wahl. Dann frage ich mich immer, ob ich tatsächlich in einem anderen Land lebe. Also mal Klartext: Ich will nicht von solchen Faschistenschweinen gerettet werden. Dieses Land kommt gut ohne sie klar. Und denjenigen, die gerade mal wieder einen Hasskommentar in die Tastatur hämmern wollen, sei dieses gesagt:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

(Talmud)

Note to self: Es bleibt morgen trocken und der Rasen kommt ab. Musik: Queen, The Claypool Lennon Delirium, The Cat Empire, Demon Hunter.

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