Quer oder nicht quer

Heute nachmittag werde ich mir das WM-Achtelfinale der DFB-Frauen gegen Nigeria anschauen. Könnte ein spannendes Spiel werden, ich freue mich darauf. Auch wenn sich dieser Beitrag mit Frauenfußball beschäftigt, so wird es dennoch keinen sportlichen Vergleich zum Männerfußball geben. Ich werde mich nicht dazu äußern, ob ich den inzwischen sehr bekannten Werbespot mit der Kernaussage „Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze!“ für gelungen halte. Und auch zum Spielniveau beim diesjährigen Weltturnier gibt es hier nichts zu lesen.

Im Vorfeld und auch während der Vorrunde gab es zahlreiche Stellungnahmen deutscher und anderer Spielerinnen, von Sportjournalisten und Funktionären zum Thema Gleichbehandlung von Fußball-Frauen und -Männern. Natürlich ging es dabei in erster Linie um Geld. Und es ging dabei ziemlich viel daneben, zB. wenn sich jemand im Rahmen einer eigentlich recht gelungenen Kolumne den Frust von der Seele schreibt.

Fußball ist kommerzielles Spektakel, dargeboten von bezahlten Unterhaltungsprofis. Entsprechend richtet sich ihre Bezahlung nach Angebot und Nachfrage. Wenn also beispielsweise Vereine der Frauenbundesliga ihren Spielerinnen weniger zahlen als Männern, kann man das blöd finden, aber das einzige, was man dagegen tun kann ist: Fleißig ins Stadion gehen, die entsprechenden Merchandising-Artikel kaufen und ans Fernsehen schreiben, dass man die Spiele sehen will.

Auch Verbandsfußball, also die Spiele und Turniere der Nationalmannschaften, ist kommerziell, aber er gehorcht anderen Gesetzen: Es kommen nämlich gesellschaftliche Anforderungen wie Förderung des Breitensports, Vermittlung von Fairness und Sportsgeist usw. dazu. Wenn also prominente Spielerinnen fordern, dass ihre Prämien und Antrittsgelder denen der Männer anzugleichen sind, oder zumindest vergleichbarer sein sollten, sollte man da nicht einfach drüberbügeln. Auch Vergleiche mit Randsportarten wie Rudern oder Badminton machen wenig Sinn. Der DFB dürfte mit Abstand der profitabelste Sportverband Deutschlands sein, so kommen natürlich andere finanzielle Größenordnungen ins Spiel.

Ich wünsche mir folgendes: Der DFB sollte offenlegen, welche Erlöse er durch die Produkte „Frauennationalmannschaften“ und „Männernationalmannschaften“ erzielt. Außerdem sollte er angeben, welcher Anteil dieser Erlöse wiederum für Trainerstab (und übriger Tross), Trainingslager usw. aufgewendet wird. Schließlich sollte er veröffentlichen, wie hoch der Prozentsatz ist, der bei Männer und Frauen in Form von Prämien und Antrittsgeldern an die Spielerinnen bzw. Spieler zurückfließt. Liegen diese Zahlen auf dem Tisch, so gibt es vier Szenarien:

1.) Die Ausschüttungs- und Kostenquote liegt bei den Frauen niedriger als bei den Männern, dann gäbe es einen erheblichen Bedarf an Maßnahmen zu einer Besserstellung der Fußballfrauen.

2.) Die Prämien- und Kostenanteile bei Frauen und Männern entsprechen sich in etwa, deutliche Unterschiede gibt es nicht. Dann könnte der Verband die Ausschüttungen und Aufwendungen für die Frauen anheben, dies aber allenfalls als besonderen Förderungsbedarf oder ähnliches verkaufen.

3.) Prämien und Kosten der Frauenmannschaften haben einen höheren oder sogar wesentlich höheren Anteil gegenüber dem Erlös aus Spielbetrieb und sonstiger Vermarktung als bei den Männern. Eine Erhöhung wäre kaum zu begründen.

4.) Der Erlös der Frauenmannschaft deckt die Summe aus Kosten und Prämien nicht ab. Dann würden die Männer, oder sonstige Einnahmen des DFB den Spielbetrieb der Frauen quersubventionieren und die Forderung nach einer Erhöhung der Prämien wäre ziemlich dreist.

So oder so. Her mit den Zahlen, damit wir dieses Thema vom Tisch haben.

Note to self: Noch 31 Minuten! Musik: keine, Glotze.

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