Hottes Prachtbuben

Wir dürfen eine Zeitenwende im deutschen Fußball erleben. Es gibt sie wieder, die goldene Generation, deren Leistungen im Nachwuchsteam U21 zur Hoffnung auf weitere Großtaten berechtigen. Und doch hat sich etwas geändert, denn die Protagonisten heißen jetzt Aogo, Khedira, Özil und Boateng, nicht mehr Müller, Meier oder Schneider. Und selbst der hellblonde Außenverteidiger Andreas Beck, der einem Propagandafilm aus der dunkelsten Zeitspanne der deutschen Geschichte entstiegen sein könnte, gibt als Geburtsort Kemerowo in Sibirien an. Man wird an die über Jahre dominierende „Equipe Tricolor“ erinnert, jene französische Nationalmannschaft mit Zidane, Anelka, Henry, Trezeguet deren wichtigste und genialste Spieler allesamt Immigranten oder Immigrantenkinder der ersten Generation waren. Vielleicht nehmen die besonders verbohrten und strohdummen Fußballfans, die am Wochenende in den Verbandsligen immer noch mit ausländerfeindlichen Zurufen auffallen, einfach mal zur Kenntnis, dass dieser Massensport eine höchst integrative Angelegenheit sein kann, bei der Multikulti kein hohles Schlagwort ist, sondern einfach funktioniert.

Als man gestern im EM-Finale die Engländer mit 4:0 demontiert und dabei die beste Leistung des Turniers gezeigt hatte, da stand einer überglücklich an der Außenlinie, der ein absoluter Held meiner Kindheit ist: Hotte Hrubesch, ein Kerl wie ein Baum, ein Unverbiegbarer, einer der zum gestrigen Festbankett in Jeans und Turnschuhen auflief, anstatt sich an der Glitterattitüde des DFB, die in erster Linie von Figuren wie Löw und Bierhoff bestimmt wird, zu beteiligen. So wie Hrubesch Fußball spielte („Manni Banane, ich Kopf, Tor“), so kommt er auch als Trainer rüber. Dass sich so jemand im mitgliederstärksten Fußballverband der Welt an führender Position halten kann und erfolgreich ist, das ist schon etwas Besonderes.

Deutschland ist U17, U19 und U21 Europameister, das hat es in der Geschichte der UEFA noch nie gegeben. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich mit diesen Nachwuchsspielern nicht eine Truppe formen ließe, die nach viel zu langer Zeit mal wieder einen großen Titel gewinnen kann. Dann werden Klein-Hakan, Fatih, Askan, Aische und Samira mit großen Augen vor dem Fernseher sitzen und vielleicht selbst mit dem Kicken anfangen. Und der Zauber geht weiter.

Note to self: Elke und die Paranoia, ganz schlimm. Musik: Mors Principium Est, Morbid Angel.

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