Blind summits and hidden dips (Scotland 10)

Natürlich macht man sich im Vorfeld einer Reise auf die britische Insel auch Gedanken über die eigene Eignung für den Linksverkehr, erst recht, wenn man nur selten autofährt (Schreibt man das so?) und die Erfahrungen „on the wrong side of the track“ schon ein paar Jahre zurückliegen (Sweet sweet South Yorkshire). Ehrlich gesagt war ich doch erleichtert, als Ödli nach der Fährpassage anbot, die erste Schicht am Steuer zu übernehmen und sozusagen ins kalte Wasser zu springen, was er übrigens mit Bravour erledigte. Insgesamt ist das Linksfahren aber weit weniger problematisch, als zuvor vermutet und durchaus „enjoyable“, wenn man guten Metal auf dem iPod hat.

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Natürlich war hin und wieder ein mehr oder weniger panisches „Falsche Seite“ vom Beifahrer zu hören, wobei das Geisterfahren umso wahrscheinlicher ist, je weniger andere Autos zur Orientierung unterwegs sind. Außerdem ist es schon ein Nachteil bei Überholvorgängen und engen Kurven, dass man auf der falschen Seite am Steuer sitzt. Der Beifahrer hat stets die bessere Übersicht.

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OK, jetzt muss ein Absatz zum Thema „Kreisverkehre“ kommen, denn jeder, der Großbritannien mit dem Auto bereisen will, sollte sich damit vorher beschäftigen, auch wenn er nicht nach Swindon will. Gegeben sei ein Roundabout mit zweispurigen Einfahrten. Wir wollen mal annehmen, dass man die zweite Ausfahrt nehmen, also sozusagen geradeaus fahren möchte. In diesem Fall sollte man sich tunlichst auf der rechten Zufahrt einordnen und im Kreisverkehr innen fahren, denn in GB biegt man auch von den inneren Spuren ab. Es gilt die Regel: Wer außen fährt, der nimmt die nächstfolgende Ausfahrt. Tut man dies nicht, dann könnte ein von innen Kommender die Außenbahn kreuzen und bei einem Unfall im Recht sein. Das war es im Prinzip auch schon. Hat man es einmal gerafft, ist der Rest „piece of cake“. Trotzdem hatte ich auf dem Weg nach Glasgow eine stressige Erfahrung in einem beampelten Roundabout, weil die Beschriftung der etwas versetzten Spuren im Kreisverkehr für mich irreführend war und ich deshalb eine Ehrenrunde drehen musste.

Großbritannien ist das Mekka der „Speed Cameras“, das Land ist quasi gepflastert damit. Es ist unbedingt zu empfehlen, ein Navi mit Blitzenwarner mitzuführen und ansonsten den Gasfuss zu mäßigen, es reist sich einfach entspannter. Man wird zudem ständig vor allen möglichen Gefahren gewarnt, die Schilderaufsteller müssen Extraschichten eingelegt haben. Besonders schön: Blind summits, hidden dips, ducks and golf balls.

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Eine Spezialität der abgelegeneren Hochlandbereiche sind die so genannten „single track roads“, einspurige Straßen, die man vorausschauend befahren sollte. Es gilt die Regel, dass derjenige am nächstgelegenen „Passing Place“ dem Gegenverkehr die Durchfahrt zu gewähren hat, der näher dran ist. Das klappt prima, man bedankt sich durch freundliches Handzeichen und wird so zu einer vorsichtigen Fahrweise gezwungen, die zudem das Abräumen der zum Teil suizidal veranlagten frei laufenden Hochlandschafe verhindert.

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Unsere Fahrt verlief im Grunde ohne jeden unschönen Zwischenfall. Und unser Autochen erwies sich als treuer, zuverlässiger Begleiter. Nur in Rosemarkie machte es ein bisschen Ärger, als sich plötzlich die Heckklappe nicht mehr öffnen lassen wollte und wir die fehlerhafte Elektronik austricksen mussten. Gewusst wie:

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Noch ein letztes: Gerade in Großstädten ist man als Fussgänger, der den Rechtsverkehr gewohnt ist, mitunter gefährdeter als als Autofahrer. Auch hier gilt: Immer schön gucken!

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Note to self: Peinliche Rakerei, war das nun nötig? Musik: Wargasm.

9 Antworten auf „Blind summits and hidden dips (Scotland 10)“

  1. Moin! Naaaa, ausgeschlafen? Also, wenn du schon so direkt fragst: Auto fahren schreibt man nach der neuen Rechtschreibung groß und auseinander. Eine der wenigen Regeln, die noch recht einprägsam sind, finde ich. Und Rackerei mit ck… Oh Mann, ich krieg bestimmt jetzt bös die Hupe für mein pädagogisches Besserwissergefasel… (duck and cover ;-)…) Ansonsten: Nudelsalat zum Frühstück, müde, ein bisschen nachdenklich und ein Stück weit erleichtert – ausbaufähig. Groetjes

    1. Also, neue Rechtschreibung habe ich nicht gelernt, darum verfahre ich im Zweifelsfalle nach Gutdünken 🙂 Aber Danke, wieder was gelernt.
      Und zum zweiten Punkt: Gemeint ist Rakerei im Sinne eines heftigen Besäufnisses, (Auch noch mit amerikanischem Maiswhisky und Wodka. Autsch. Nicht gut. Gar nicht gut.) nicht Rackerei im Sinne von Frohn, Mühe, Plage. Ist wohl mehr ein Begriff aus dem Seemannsdeutsch.
      Ansonsten: Reis mit Scheiss zum Frühstück, wattig, ein bisschen belämmert und ein Stück weit verschämt – verbesserungswürdig.
      Groetjes

  2. Bin auch wieder da.
    Darf ich noch ein bisschen klugscheißern? (Das liegt mir so im Blut, tut mir beinahe leid.)
    Als Verb schreibt man den Ausdruck auseinander, teils groß, teils klein: Auto fahren. Als Nomen zusammen und groß: das Autofahren.
    Zu den merkwürdigen verkehrstechnischen Traditionen der Briten: Ich bin noch nie selber auf der Insel gefahren. Wahrscheinlich fände ich es sehr gewöhnungsbedürftig. Auf einer Londonfahrt habe ich mal einen meiner Schüler vor dem Tode gerettet (jawoll!), indem ich ihn unsanft von der Straße zerrte – Sekunden, bevor ihn der Bus erwischen konnte, mit dem er auf d e r Seite nicht gerechnet hatte. Der Busfahrer hat kein kleines bisschen abgebremst!
    Außerdem erinnere ich mich gut daran, wie ich einst mit einer Freundin auf der Autobahn einen anderen Wagen überholte. Der Fahrer starrte grinsend und sehr ausdauernd zu uns ins Auto (wir waren damals noch jung) und machte allerlei Faxen. Ziemlich genervt sagte ich: „Mensch, ist der bescheuert? Der soll mal lieber kucken, wo er hinfährt!“ Meine Freundin antwortete: „Das ist ein Engländer.“ Ich: „Ist mir doch egal – der soll trotzdem kucken, wo er hinfährt!“ Ihr darauf folgendes Gegacker irritierte mich ziemlich, bis ich schnallte, was sie mir damit sagen wollte. Manchmal brauch ich halt ein bisschen länger.

  3. Tatsächlich gibt es beide Wörter: gucken und kucken. Mit k wird die norddeutsche Variante des Wortes gesprochen. Da sagt man ja auch häufig „kieken“. In die hochdeutsche Sprache ist jedoch die mitteldeutsche Variante (gucken) aufgenommen worden. Und in der süddeutschen Mundart wird meist ein deutliches [g] gesprochen (“gugg amol”). Die ‘harten’ Konsonanten finden wir nicht nur in Norddeutschland, sondern in vielen nordgermanischen Sprachen. Die Niederländer („kijken“) und Dänen („kigge“) sprechen hier auch ein [k].
    Die Leserin M scheint demnach deutlich aus dem norddeutschen Raum zu kommen.
    Moin!

  4. Nö.
    Aus dem tiefsten Westen, sprich: gebürtige und größtenteils aufgewachsene Aachenerin. Kein Mensch, den ich kenne, außer dem einen oder anderen Bayern oder Sachsen, sagt „gucken“ (bzw. „güggn“). Daher habe ich irgendwann mal genau die von Puffel dargestellten Fakten nachgeschlagen und mich dann, mit offizieller Genehmigung des Dudens also, für die Schreibweise mit „k“ entschieden. Beruflich verwende ich natürlich „g“, sonst gibt ““s Haue. Das möchte ich nicht.

    1. Ich will diese spannende Diskussion nicht unterbrechen, sondern nur darauf hinweisen, dass die Vermehrung der Hochkommata im letzten Kommentar von M auf eine Fehlfunktion von WordPress zurückzuführen ist. Deshalb verwende ich immer das Zeichen rechts neben dem Esszett, auch wenn es bescheuert aussieht.

  5. `tschuldigung!
    Werde von nun an versuchen, mich in zweierlei Hinsicht zurückzuhalten bzw. zu bessern. Die eine Hinsicht hat schon geklappt.
    Die andere? Das wird die Zukunft weisen.

  6. Ah, eine Entschuldigung ist gar nicht nötig und wenn überhaupt, dann müsste ich mich für die Fehlfunktion entschuldigen. Es ist wirklich wie verhext: Jedesmal wenn ich den Text, der Hochkommas enthält, öffne, editiere oder abspeichere, wird die Anzahl der HK verdoppelt.
    Tut mir traurig 🙁
    Zum Auslogg-Problem kann ich nichts sagen, das tritt hier nicht auf. Aber wenn es sich reproduzieren lässt, kommt mir gerade eine Idee, wie ich den Kreis der Leserschaft enorm erweitern könnte 🙂

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