Last but not least (Scotland 11)

So, mit diesem Beitrag beschließe ich die Aufarbeitung unseres Urlaubs. Ich hoffe, die Schilderungen waren nicht zu langatmig und ausufernd. Ihr wißt schon: „Wenn einer eine Reise tut…“

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Zwei Themen sollen heute noch abgehandelt werden: Das Wetter und die Eigentümlichkeiten der schottischen Bevölkerung. Beides hängt irgendwie zusammen, denn tatsächlich beginnt so mancher Plausch mit den Einheimischen tatsächlich mit den unvermeidlichen Bemerkungen über das meteorologische Tagesgeschehen, das ist kein Klischee, sondern Realität.

Falls jemand die Comedy-Serie „Little Britain“ kennt, dann wird er sich an das immer wiederkehrende Motiv erinnern, das den launigen Streichen dieses spinnerten schottischen Hotelbesitzers mit seiner Flöte („You know too much“) vorausgeht: Ein Pärchen in Badekleidung auf Liegestühlen in Sturm und Regen vor einem Schloss und dazu die Stimme aus dem Off: „A favourite destination for holidaymakers after Siberia is Scotland.“ Ernsthaft: Ganz so schlimm ist es nicht.

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Wenn man das schottische Wetter mit einem Wort charakterisieren wollte, dann würde sich „veränderlich“ anbieten. Tatsächlich kann man, vor allem an der Westküste, „five seasons in one day“ erleben. Hat es eben noch Bindfäden geregnet, zeigt sich kurz darauf das Zentralgestirn in seiner ganzen Pracht, ein paar Minuten später und einige Höhenmeter höher ist es wiederum so nebelig, dass man kaum die sprichwörtliche Hand vor Augen sieht. Das bedeutet für den Reisenden, dass ihm Flexibilität und eine gute Portion Humor abverlangt wird. In dem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Szene, die sich in Portpatrick zugetragen hat: Es regnete schon eine ganze Weile, wir hielten uns an dem einzigen Ort am Hafen auf, der einigermaßen trocken war, einer überdachten Informationstafel. Von den Klippen kam ein Grüppchen englischer Touristen in Regenjacken herunter, schwarz und glänzend, wie ein Rudel Robben. Ich konnte mir den Zuruf: „Scotland is wonderfull, ain`t it?“ nicht verkneifen, der mit Gelächter quittiert wurde. 10 Minuten später kam die Sonne raus, das Licht veranstaltete mit den schwarzen Wolkenrändern ein hochdramatisches Spiel (das man leider kaum fotographisch dokumentieren konnte). Einfach schön.

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Die Aussage „Wir haben Glück mit dem Wetter!“, die ich bei einem Telefonat mit der Heimat rausließ, entwickelte sich im Laufe der Tour zu einem „running gag“. Ich bin aber nach wie vor der Ansicht, dass sie stimmte. Wir hatten Glück mit dem Wetter! Punkt.

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Für die Einwohner Schottlands gilt das, was für die Bevölkerung auf der britischen Insel ganz allgemein zutrifft: Es sind, bis auf ganz wenige Ausnahmen, einfach „lovely people“: Sie sind höflich und zuvorkommend, dabei aber nie aufdringlich. Sie sind unglaublich freundlich und offen und halten gerne ein Schwätzchen. Sie sind sportbegeistert, vor allem, wenn es um Golf und Bowling (=Petanque) geht. Sie können sehr ironisch sein und manchmal ein bisschen exzentrisch, das ist gewiß kein Nachteil. Egal ob im Supermarkt, am Campingplatz, an der Bushaltestelle, oder an der Theke: Die Briten und ihre Mentalität sind für mich ein ganz dicker Pluspunkt wenn man GB oder Schottland als Urlaubsziel ins Auge fasst und sie entsprechen so ganz und gar nicht dem Klischee vom rotverbrannten, lauten, bereits vormittags besoffenen Rabauken, das von Mittelmeerurlaubern oft verbreitet wird.

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Was uns auffiel war, dass sehr viele junge Frauen sich so kleiden und frisieren, als wollten sie an einem „Vicky-Pollard-Look-A-Like-Wettbewerb“ teilnehmen. Das gilt besonders für den oberaufgebrezelten Look, der für das Ausgehen „on a friday night“ ausgewählt wird. Sehr merkwürdig. Entsprechende Fotos fehlen aus naheliegenden Gründen.

Außerdem ist man in Schottland ein bisschen aber- und gespenstergläubiger, als in Deutschland. Nicht nur, dass jedes Schloss mindestens einen eigenen Geist, jedes Haus seinen „gremlin“ hat und darüber hinaus „brownies“ das Land unsicher machen. Man liebt es, genau wie in Cornwall und Wales, Stofffetzen in heilige Quellen („clootie well“) zu tauchen und sie danach in Bäume zu binden damit das dabei Gewünschte in Erfüllung geht. Hier zum Beispiel auf der Black Isle:

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Dass Schotten genauso so verbohrt und spießig sein können, wie so mancher Deutsche, das haben wir in Dunnet erfahren müssen, damit wären wir bei den eben angesprochenen seltenen Ausnahmen: Auf dem von uns in der Folge nur noch „Faschistenplatz“ genannten Caravan-Park wollte man uns erst gar nicht haben („We are very expensive“), dann legte man uns ein DinA4-Blatt vor, in dem wir ausführlich dokumentieren mussten, wer wir eigentlich waren („Are you sure, you don`t want our email address?“), schließlich wies man uns nicht nur einen nummerierten Pitch zu, sondern hatte auch noch Vorschriften parat, wo der Zelteingang hinzuzeigen hatte und auf welcher Seite des Zelts das KFZ abzustellen war. Das gesamte Gespräch fand betreiberseitig in einem äußerst unfreundlichen und distanzierten Ton statt. Alle 10 Meter stand ein Schild, das auf die 5mph Geschwindigkeitsbegrenzung hinwies und keiner hätte sich getraut schneller als 5mph zu -laufen-. Das merkwürdige Benehmen färbte offensichtlich auch auf manche Besucher ab: Auf ein freundliches „Hi there!“ drehte man den Kopf weg und reckte die Nase noch ein bisschen höher gen Himmel. Komisch das.

Wie geschrieben: So etwas wird man nur äußerst selten erleben, denn im Grunde ist den Schotten eine derartige nervenaufreibende Ablehnung viel zu ungemütlich, sie würden in der überwiegenden Mehrzahl auch dann noch gelassen und nett bleiben, wenn das Ende der Welt nahe wäre:

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So, damit mache ich den Laden jetzt aber endgültig zu. Ich denke Ihr habt mitbekommen, wie sehr wir diesen Urlaub genossen haben und ich glaube nicht, dass das mein letzter Aufenthalt in diesem wunderschönen Land war, oder wie man es mit einem leicht abgewandelten schottischen Sprichwort sagen würde: „One good tour deserves another!“ Slainte Mhath!

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Note to self: Die Garage des Grauens! Musik: Darkthrone, Limbonic Art.

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