177 Stunden

Wenn man die Unterschiedlichkeit des durchschnittlichen Lohnniveaus weltweit darstellen will, dann bedient man sich einer Größe, die auch dem Unbedarftesten deutlich macht, was Sache ist. Bis vor kurzem wurde dazu die Arbeitszeit angegeben, die man ableisten muss, bis man sich an einem doppelstöckigen Frikadellenbrötchen eines global tätigen amerikanischen Fastfood-Konzerns laben konnte. Schon dieses Vorgehen musste jedem Nachrichtenkonsumenten mit einem halbwegs entwickelten Realitätssinn befremdlich erscheinen.

Diese Kenngröße wurde nun zugunsten einer anderen verworfen, der Zeitgeist hat unvermittelt heftig zugeschlagen. Seit neustem wird nämlich angegeben, wie lange der potentielle Konsument arbeiten muss, bis er sich einen iPod nano leisten kann. Ja doch! Das quietschbunte Kästchen wurde deshalb gewählt, weil es weltweit angeboten wird und der Abgabepreis durch den Hersteller rund um den Globus annähernd konstant ist.

So haben wir heute erfahren, dass Aude Darms-Hirschi aus Zürich 9,0 Arbeitsstunden für den MP3-Player aufwenden muss und Karl-Heinz Müller aus Frankfurt 13,5 Stunden. Und Anirudhha Prakash? Der wohnt in Mumbai. Und für ihn ist der Erwerb eines iPod nano ungefähr eine so realistische Option, wie für uns eine Reise zum Mond. Immerhin wissen wir jetzt Bescheid.

Note to self: Wenn es so nervig ist, warum tun wir es uns trotzdem immer wieder an? Musik: Krisiun, Ella Fitzgerald, Agoraphobic Nosebleed.

3 Antworten auf „177 Stunden“

  1. Nun ja. Die Kinderdarsteller in „Slumdog Millionaire“ bekamen zwischen 500 und 1,700 Pfund (dafür habe ich leider kein Zeichen) für ihre Arbeit – der Film spielte dann über 360 Millionen $ ein. Das ist doch mal eine gerechte Gewinn-Verteilung.

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