Die frohe Botschaft

Sie kommt, wie sollte es auch anders sein, aus Polen. Vor ein paar Tagen erschien das neue Album von Behemoth mit dem Titel „Evangelion“. Bevor ich weiter ausschweife: Diese Platte gehört zum Besten, was im Bereich technischer Extrem-Metal in den letzten Jahren rausgekommen ist, und wer jetzt noch über Behemoth herzieht (unskandinavisch, aufgesetzt, wollen Black aber können nur Death, haben alles von Karl Sanders übernommen), der sollte mal seine Ohren untersuchen lassen.

Behemoth

Schon die Vorgänger „Demigod“ und „The Apostasy“ waren Meilensteine des Genres, wobei das erstgenannte Werk tatsächlich vom Nile-Mastermind Sanders inspiriert war, einerseits vom Songwriting her, andererseits was die Güte der Produktion und die Verwendung schräger Midi-Sounds anbelangt, da hatte der gute Karl im Studio kräftig mit an den Knöppen gedreht. Mit „The Apostasy“ zeigten Behemoth dann, dass sie nicht nur in der Black-/Death-Championsleague angekommen waren, sondern sich endgültig freigeschwommen und ihren eigenen Stil gefunden hatten.

Dass die Mannen um den Frontmann Nergal inzwischen perfekte Handwerker sind, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Vom bemühten Geknüppel der Frühwerke („Sventevith“, „Grom“) ist man bereits seit Jahren meilenweit entfernt. Dass Black Metal auch ganz anders rüberkommen kann, als so manches in Szenekreisen hochgelobte Rumpelwerk norwegischer Provenienz, ist ebenfalls nichts Neues. Aber dass Behemoth nicht nur technische Schmankerl en masse abliefern, sondern dabei noch die auswegloseste Düsternis, die schwärzeste abgrundtiefe Schwärze glaubhaft transportieren können, das ist das Faszinierende und Einzigartige auf „Evangelion“.

Da, wo das Vorgängeralbum noch verspielt wirkte, hat man bei der aktuellen Scheibe bereits die Faust im Gesicht. Jeder Blast-Teil, jeder Fill, jeder Breakdown-Part ist auf dem Punkt, so böse und so tight gespielt, dass man als mäßig talentierter Hobbymusiker in die Tischkante beißen möchte. Wenn man nach den beiden flotten Anfangsstücken mit bereits schmerzendem Nacken beim elegischen „Ov Fire And The Void“ anlangt, dann offenbart sich innerhalb weniger Sekunden endgültig die erschütternde Größe von Behemoth: Es wird Nacht über Polen, Inferno schnitzelt feine Späne aus seinen Becken, Seth und Orion gießen Teer aus und Nergal speit eine pyroklastische Wolke in die Finsternis. Ihr merkt, das Stück macht mich wirklich fertig.

Es gibt keinen Füller, keinen Ausfall auf diesem Album. Wenn nach einer guten halben Stunde das sphärische, schwere „Lucifer“ beginnt (endlich mal mit polnischem Text, mehr davon!), dann ist man so durchgeschüttelt, dass man dankbar für die letzten satten 8 Minuten ist, mit denen sich die Prachtburschen vergleichsweise sanft in Richtung ihrer Gruft verabschieden. Danach legt man das Debüt von Bathory aus dem Jahr 1984 auf, die erste Black Metal-Platte der Musikgeschichte, und möchte entweder dem großen Gasförmigen, oder seinem gehörnten Gegenspieler danken, dass die Welt sich seitdem weitergedreht hat.

Note to self: Kein S5 wegen kaputtem Internet, wie dämlich ist das denn? Musik: Behemoth, Bathory.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.