Zellhaufen aus Pandoras Büchse

Immer wenn im Bundestag eine namentliche Abstimmung ohne Fraktionszwang ansteht, geht es ans Eingemachte (Die Umzugsfrage Bonn-Berlin wollen wir jetzt mal ausklammern, genauso die Tatsache, dass die Verfassung den Fraktionszwang eigentlich ausschließt). Heute ging es im hohen Haus um den Umgang mit den inzwischen sattsam bekannten embryonalen Stammzellen. Der neue Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz hatte sich gerade noch rechtzeitig zu Wort gemeldet, um den Abgeordneten ins Gewissen zu reden (Derlei Appelle hören sich immer wie eine Warnung an, das eigene Seelenheil nicht leichtfertig zu verspielen). Zur Abstimmung stand eine typische „Wasch-mir-den-Pelz-aber-mach-mich-nicht-nass-Regelung“: Sollen Zelllinien importiert werden dürfen, die nach dem vom Gesetzgeber vorgesehen Stichtag produziert wurden? Der als unethisch empfundene Akt der Embryonengewinnung sollte in jedem Falle dem bösen Ausland vorbehalten bleiben, der nationalen Forschung sollte trotzdem die Möglichkeit gegeben werden, die benötigten Blastozysten auf legalen Wege einführen zu können (no pun intended).

Das Ergebnis der Abstimmung stand aus meiner Sicht bereits vorher fest. Das gewaltige wirtschaftliche Potential, das in den Ergebnissen der Stammzellforschung zu liegen scheint, ließ eine Ablehnung im Grunde nicht zu. Mich würde interessieren, wie viele der Neinsager im Nachhinein erleichtert waren, dass das eigene Gewissen rein blieb, aber der mögliche Nutzen für die Volkswirtschaft dennoch gesichert wurde. Das eigentliche heiße Eisen, nämlich das Embryonenschutzgesetz, wird von der Entscheidung nicht berührt. Wir leben in einem Land, in dem in vitro Fertilisation legal und Abtreibung straffrei gestellt ist. Genetisch veränderte Organismen bevölkern die heimischen Äcker. Warum können wir unsere hässliche Skrupellosigkeit, den von Profilgeilheit geleiteten Machbarkeitswahn nicht in aller Offenheit eingestehen? Warum können wir nicht zugeben, dass unsere gewissenlose Risikobereitschaft und Neugierde seit dem Verlassen der Bäume Triebfeder für all unsere Errungenschaften war und ist und die zahlreichen und furchtbaren Kollateralschäden allenfalls ein Schulterzucken nach sich ziehen? Wir kommen einfach nicht damit klar, dass wir in unserer grenzenlosen Dummheit das Schicksal unserer Spezies und unseres Planeten aufs Spiel setzen, weil wir nicht anders können. Und wir schämen uns, weil wir wissen, dass mit jedem Wort, jedem Seufzen, jedem Ausatmen das Böse in die Welt kommt.

Note to self: Ödli in Peking, möge er gesund zurückkehren. Musik: Van Der Graaf Generator, Anton Bruckner.

Frühling auf dem Würselner Wall

„Zieht euch warm an!“ hatte ich noch gesagt. Der Wetterbericht verhieß Schneeregen und Iglu, Iglu, Iglu. Tatsächlich kam es dann aber ganz anders. Pünktlich eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff kam die Sonne raus und das schöne Wetter hielt sich. Man hätte der Begegnung von Alemannen und VfL Osnabrück auch im T-Shirt beiwohnen können.

Das Geschehen auf dem Rasen konnte demgegenüber zunächst nicht so recht erwärmen. Die Alemannia zeigte erhebliche Schwächen im Spielaufbau, präsentierte sich fast ohne Mittelfeld und kam nicht zu zwingenden Möglichkeiten. Da den Osnabrückern auch nicht viel mehr einfiel und die Aachener Abwehr einigermaßen sicher stand, stand es zur Pause 0:0 und die einzige bemerkenswerte Aktion der ersten 45 Minuten war ein übles Foul des Ex-Alemannen Matthias Heidrich, der danach für die restliche Spielzeit mit gellenden Pfiffen begleitet wurde.

Nach der Pause schien zunächst der Gast besser ins Spiel zu kommen, die Alemannia ließ sich hinten einlullen und kam nicht zu druckvollen Vorstößen. Der Führungstreffer, der von Patrick Milchraum mit einem sehenswerten Schuss aus der Halbdistanz erzielt wurde, fiel aus heiterem Himmel. Damit war der Bann dann gebrochen. Die Aachener spielten nun mit breiter Brust und die Osnabrücker verkrampften. In der Defensive der Gäste schlichen sich kleine Fehler und Ungenauigkeiten ein, die Alemannia kombinierte sicherer. Ein heftiger Schnitzer der Innenverteidigung wurde von Nemeth zum 2:0 genutzt, kurz darauf erzielte Brinkmann sogar das Tor zum 3:0 Endstand. Ein rundum gelungener Nachmittag auf dem Tivoli und mit 36 Punkten und 7 ausstehenden Partien kann man die Saison wohl bald abhaken. Man wird im Niemannsland der Tabelle landen, das ist wahrlich kein Ruhmesblatt, die Lauterer würden trotzdem sicher sofort mit uns tauschen.

Note to self: Kirschblüte am Dom, schön und fast kitschig. Musik: Johann Sebastian Bach.

Unser täglich Brot…

…wird immer teurer. In zahlreichen Beiträgen in den Medien, werden derzeit die erheblichen Preissteigerungen bei Lebensmitteln thematisiert, die einerseits uns Deutsche, in viel stärkerem Maße aber die Armutsnationen und Schwellenländer betreffen. Um die Angelegenheit zu verdeutlichen ein paar drastische Beispiele: In Ägypten stieg der Preis für das Hauptnahrungsmittel Brot innerhalb eines Jahres um 35% und das, obwohl die Brotpreise kräftig subventioniert werden, was dazu führt, dass Brot günstiger ist als das Getreide aus dem es gemacht wird. Ähnlich sieht es beim Reis aus, dort wirkt sich besonders die stark gestiegene Nachfrage in Asien aus. Trotz ständig steigender Produktionsraten kann der weltweite Bedarf nicht mehr gedeckt werden, es fehlen einige Millionen Tonnen. Besonders begehrte Reissorten verteuerten sich um 60%. Dagegen wirkt die Meldung, dass in Frankreich die Butter 35% mehr kostet, fast schon unbedeutend.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind schnell aufgezählt: Anhaltendes Bevölkerungswachstum, die zunehmende Herstellung von Biosprit, Ernteausfälle durch Dürre und andere Wetterunbilden, Verschwendung (in Großbritannien werden ca. 30% der verkauften Lebensmittel weggeworfen) und künstliche Verknappung durch Spekulation. Die apokalyptischen Szenarien, die in Anbetracht der aktuellen Situation gemalt werden, reichen von Hungerrevolten und Kriegen in der dritten Welt bis zum Zerfall der Gesellschaften in den Industrienationen, da sich eine Handvoll Bonzen alles, die überwiegende Mehrheit kaum das absolut Lebensnotwendige wird leisten können.

In Wirklichkeit ist dies nichts Neues: Die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung befindet und befand sich stets im nackten Überlebenskampf und zwar von der Wiege bis zur Bahre, tagtäglich, fortwährend. Für Milliarden besteht und bestand das Leben aus nichts anderem als der Jagd nach ein paar kümmerlichen Brosamen, nach einer Schüssel Reis, nach der einzigen kargen Mahlzeit des Tages. So gesehen steuern wir alle nunmehr wieder auf den Normalzustand zu, und der hat mit vollen Kühlschränken, mehrgängigen Menüs und der Auswahl zwischen 25 unterschiedlichen Nuss-Nougat-Cremes überhaupt nichts zu tun. Das sollten wir dekadenten Kinder des Wohlstands, die wir auf dem Rücken der Armen und Ärmsten seit langem herumschmarotzen, nicht vergessen.

Note to self: XP noch bis 2010, ich lach‘ mich tot! Musik: Peter Pan Speedrock, Dorothy Ashby, The Libertines.

Rumms!

Zwei dumpfe Schläge von der Straße draußen. Dann riechts nach verbranntem Plastik. Sirenen gellen durch die Nacht. Der Widerschein der Flammen und der Blaulichter auf den Gebäuden ringsum. Zwei Autos sind auf der Burtscheiderstraße heftig zusammengerasselt. Zerbrochene Teile von Scheinwerfern liegen auf der Eingangstreppe. Die Straße ist übersät von Trümmern. Die schwarze ET2 vom Nachbarn hat es komplett zerlegt. Na dann gute Nacht.

Edit: Der zugehörige Artikel im Polizeibericht:

02.04.2008 | 10:07 Uhr

POL-AC: Nach Unfall drei Pkw ausgebrannt; Fahrer flüchtig

Aachen (ots) – Sachschaden von knapp 100.000 Euro hat heute Morgen, kurz vor 2 Uhr, ein Autofahrer bei einem Verkehrsunfall auf der Burtscheider Straße verursacht. Der Unfallfahrer flüchtete zu Fuß. Die Ermittlungen laufen derzeit auf Hochtouren.
Offenbar hatte der Fahrer des Leihwagens wegen überhöhter Geschwindigkeit an der Kreuzung Kasinostraße / Burtscheider Straße die Kontrolle über das Auto verloren. Er kam von der Straße ab und rammte im Verlauf ein Verkehrsschild, einen Laternenmast, ein Fahrrad und einen Motorroller. Im weiteren Verlauf stieß er gegen drei Autos, die am Straßenrand geparkt waren. Sowohl der Unfallwagen als auch die zwei zuletzt ramponierten Fahrzeuge fingen Feuer und brannten nahezu aus. Durch die enorme Hitzentwicklung zerbarst eine Schaufensterscheibe eines Ladenlokals. Darüber hinaus wurde eine Hausfassade in Mitleidenschaft gezogen.
Verletzt wurde niemand. Über zwei Stunden musste die Burtscheider Straße im Zuge der Unfallaufnahme und Bergung der Fahrzeuge gesperrt werden.
Bei dem Unfall und im Rahmen der Fahndung nach dem flüchtigen Fahrer waren zehn Streifenwagen eingesetzt. Die Feuerwehr war vertreten mit einem Lichtmastwagen und zwei Löschzügen mit Rettungswagen. Ruhe kehrte auf der Burtscheider Straße gegen 04.30 Uhr ein.

Note to self: Sonntag gehts auf den Würselner Wall. Musik: Tuxedomoon, Weissglut.