Thusnelda

Am vergangen Donnerstag hat sie wohl das Licht der Welt erblickt, jedenfalls war das der Tag an dem ich sie zum ersten Mal erblickte. Thusnelda ist momentan einen knappen Zentimeter lang, die 6 Beinchen offensichtlich noch nicht ganz durchsklerotisiert. Ihren stolzen Namen hat sie von der Frau des Cheruskerfürsten Arminius geerbt und stolz sitzt sie auf ihrem Brombeerblatt, die Vorderbeine parallel vom Körper weggestreckt, so wie ihre im Vergleich riesigen Tanten und ihre Mutter. Sie erholt sich wohl immer noch von der Anstrengung des Schlüpfens, mümmelt ab und zu zaghaft am Grün und scheißt winzig kleine Küttel.

Von den hunderten von Eiern, die meine Stabheuschrecken bislang gelegt haben, ist nun also endlich eines von der sommerlichen Hitze ausgebrütet worden. Offensichtlich waren die Bedingungen in den vorangegangen Monaten doch nicht tropisch genug. Ich hoffe, dass Thusnelda noch zahlreiche Schwestern und Cousinen nachfolgen werden und gelobe, demnächst ein Foto vom Nachwuchs zu liefern. Es will sich der Begriff „Vaterstolz“ aufdrängen, der ja nun aus mehr oder weniger naheliegenden biologischen Gründen völlig daneben ist. Was solls!

Note to self: Ojemine, der Ödlizeh! Musik: Pink Floyd, Norah Jones, Nada Surf, Cake.

Rasenkanten

Kein Zweifel: Das Beackern der eigenen bzw. gemieteten Scholle bringt etwas Archaisches in uns zum Vorschein. Es ist der Widerhall der Jungsteinzeit, die dem Menschen die Sesshaftigkeit, den Ackerbau, die Karies und (nach neusten Forschungsergebnissen) das Patriachat brachte. Und so sieht das dann aus: Gärtner Ödli nach dem Triumph über die störrischen Halme:

Oedgartnenpose

Note to self: Jetzt in Wacken sein! Musik: dEUS, Dashboard Confessional, Dianogah.

Wolle C. und die schwarzen Säue

Es war wohl zu heiß an diesem Tag in Nordrheinwestfalen. Die Mitglieder der Landesschiedskommission der NRW-SPD hätten sicher besseres zu tun gehabt, waren eigentlich zum Grillfest beim Nachbarn verabredet oder mussten ihren Urlaub verschieben. Und das alles nur, um über die unsolidarischen Einlassungen eines notorisch arroganten Aufsichtsrats der RWE zu entscheiden, der vor Urzeiten mal Superminister gewesen ist. So ein dummer Termin in einer möglicherweise unzureichend klimatisierten Parteizentrale verursacht dicke Hälse. Ich stelle mir also vor, wie die Schiedsrichter die Causa Clement verhandeln: Das Hemd klebt am Rücken. Der Blick aus dem Fenster fällt auf junge Männer, die mit einem Sixpack unterm Arm dem nächsten Park zustreben. Familien sind auf dem Weg ins Freibad, die Kinder voller Vorfreude bereits mit Schwimmflügeln bestückt. Blondinen räkeln sich in Cabrios, den Arm einladend im Fahrtwind baumeln lassend. Die Mitglieder des Gremiums schauen sich tief in die Augen, in allen reift simultan ein folgenschwerer Entschluss: Erstens wird man die unangenehme Sache abschließen noch bevor die zweite Tasse Kaffee getrunken ist. Zweitens wird man sich des unliebsamen Genossens ein für alle mal entledigen, denn es steht zu vermuten, dass der in seiner selbstverliebten Sturheit bei nächster Gelegenheit erneut losschlagen wird.

Was Clement damals geritten hat, vor der Landtagswahl in Hessen, kann man sich an zwoeinhalb Fingern abzählen. Natürlich ist ihm das Hemd näher als der Rock, so ein Lobbyistenposten wird nicht schlecht bezahlt. Natürlich hätte er seine gekauften Überzeugungen auch im kleinen Kreise darlegen können, allein diese Hebel wären ihm zu kurz gewesen. Natürlich gilt immer noch der Satz „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ und eine entmachtete politische Randfigur vom Schlage eines Clement war noch nie in der Lage seine verletzte Eitelkeit hintenan zu stellen und der Versuchung zu widerstehen, eine Arie zu schmettern.

Die Mitglieder des SPD Ortsvereins Bochum konnten einem leid tun. Da saßen sie nun in einem Garten, in Plastikstühlen und Hollywood-Schaukeln, umringt von Kamerateams und sollten Stellung nehmen. Die Szene entbehrte nicht einer gewissen Skurilität. Rügen wollten sie den Parteifreund, zur Ordnung rufen, die Betroffenheit in ihren Gesichtern sprach Bände. Man würde fortan mit dem Finger auf sie zeigen, hinter vorgehaltenen Händen tuscheln: Die da, die haben damals den Stein ins Rollen gebracht. Genau so konsterniert präsentierte sich die Landesvorsitzende, die man offensichtlich nicht rechtzeitig informiert hatte, als sie die knappe Presseerklärung verlas. Ein krasser Gegensatz zu der lässigen Überlegenheit, die der Delinquent ausstrahlte als er mit seinem Rechtsanwalt, dem unsäglichen Schily, auftrat, um Berufung einzulegen.

Der Fall Clement ist ein bemerkenswertes Lehrstück über die traurige Verfassung einer Partei, die über das verbissene Ringen mit sich selbst die elementaren Grundsätze einer Mediendemokratie vergessen hat und die es nicht versteht, innerhalb des erforderlichen Diskurses über die zukünftige politische Ausrichtung auch die unliebsamen Querdenker einzubauen, die zwar wegen der Umsetzung der Agenda2010 wesentlichen Anteil an der gegenwärtigen Krise haben, aber gleichzeitig den Teil der Partei repräsentieren, der niemals nach links abwandern würde. Wer so mit seinen Pfründen wuchert, dem muss die Hitze zu Kopf gestiegen sein.

Note to self: Das IOC: Peinliche Abnicker. Musik: Isis, Behemoth, Iron Maiden.