Liquid Sunlight (Scotland 9)

Auch demjenigen, der sich nicht für Whisky begeistern kann, empfehle ich dringend den Besuch einer Destillerie, falls es ihn mal nach Schottland verschlagen sollte. Die Gerüche und Geräusche und natürlich auch die obligatorische Verkostung hinterher sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wir besuchten die Blair Athol Destillery in Pitlochry, die zu einem der größten britischen Schnapsproduzenten überhaupt gehört. Beispielsweise ist der Konzern mit dem Massenblend „Bell`s“ in jedem gut sortierten Supermarkt vertreten. Der Kenner wird einwenden, dass der Besuch einer kleinen Destillerie auf den Hebriden sicherlich reiz- und stimmungsvoller ist. Das mag schon sein. Für uns, die wir uns nicht als Single Malt Fanatiker bezeichnen würden, bot sich mehr oder weniger zufällig einfach die Gelegenheit eine der größten in Betrieb befindlichen Brennereien überhaupt anzuschauen, da sie auf dem Weg lag.

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Bilder aus dem Inneren der heiligen Hallen fehlen übrigens in diesem Beitrag aus einem guten Grund: Der Gebrauch elektronischer Geräte, also auch Kameras, ist dort wegen der Explosionsgefahr strikt untersagt. Unser Guide Dave, der dies vor der Führung zwei französischen Teilnehmerinnen mit offenbar stark limitierten Kenntnissen der Landessprache gestenreich mitteilte, wurde, wenn ihr mich fragt, von erheblichen Zweifeln geplagt, ob nicht doch ein eingeschaltetes Cell Phone in den Handtaschen der Damen diese Führung zu seiner letzten machen würde.

Die Herstellung eines Single Malts ist, so weit es die ersten Schritte betrifft, von der Produktion eines Bieres kaum zu unterscheiden: Gerste wird mit Wasser versetzt, zum Keimen gebracht und somit zu Malz. Beim Mälzen wird die enthaltene Stärke in Zucker verwandelt. Das Malz wird auf der Darre über einem Torf-, Holz- oder Kohlefeuer getrocknet und erhält dadurch sein typisches Aroma. Danach wird das Rauchmalz geschrotet und mit heißem Wasser versetzt, dabei wird der lösliche Zucker von den festen Bestandteilen getrennt, die als Viehfutter dienen. Ergebnis ist der sogenannte „wort“, also die Maische, die in die Gärkessel („washbacks“) eingefüllt wird. Dann wird das Ganze abgekühlt, Hefe zugefügt und die Ethanolproduktion setzt unter heftigem Schäumen ein.

Die Gärung wird solange fortgesetzt, bis ein für die Hefe fast tödlicher Alkoholgehalt erreicht ist, das Ergebnis ist eine bierähnliche Flüssigkeit, der „wash“. Dieser wird in die Kupferkessel, die „pot stills“ oder „wash stills“ abgefüllt und die Destillation beginnt. Die Temperatur in den Kesseln wird allmählich gesteigert, so dass die alkoholischen Bestandteile, deren Siedepunkt niedriger als der von Wasser ist, als Dampf entweichen und als „low wines“ kondensieren. Diesem ersten „Rauhbrand“ folgt in schottischen Destillerien für gewöhnlich nur ein weiterer Destillationsschritt, während die Iren ihren Whiskey dreimal destillieren. Die „low wines“ werden in einen kleineren Kessel, den „spirit still“ abgefüllt und nochmals der gleichen Prozedur unterworfen, aber jetzt wird es spannend: Die Kunst des Brennmeisters besteht nämlich darin, zu entscheiden, wann das Verdampfen der Methanolanteile, der Vorlauf, abgeschlossen ist und der Mittellauf beginnt, nur dieser kann verwendet werden. Auch der Nachlauf wird verworfen und erneut dem Brennvorgang unterworfen, da er einen hohen Anteil langkettiger Alkohole und Fuselöle enthält. Der Prozess wird im sogenannten „spirit safe“ gesteuert. Das ist ein vom Zoll verplompter Glaskasten, in dem der Brand aus schwenkbaren Kupferhähnen in Auffangtrichter aus gleichem Material läuft. Schnuppern oder gar Probieren ist also nicht, nur die Erfahrung und das Gefühl des Brennmeisters entscheiden. Zumindest bei der Abtrennung von Vor- und Mittellauf ist das auch gesünder, die Ergebnisse könnten sonst ziemlich „eye-boggling“ sein (wie Dave sagen würde).

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Das Destillat wird in Eichenfässer abgefüllt und gelagert und das für lange Zeit. Mindestens drei Jahre vergehen, bis sich der Brand Whisky nennen darf. 12 Jahre sind für gehobene Single Malts das Minimum, längere Lagerzeiten sind durchaus üblich und verhelfen dem Endprodukt zu Flaschenpreisen bis zu 500 Pfund. Im Verlauf eines Jahres verliert man etwa 2 % des Volumens durch Verdunstung, das ist der sogenannte „angel`s share“, also der Anteil für die Engel (das müssen, so gesehen, ziemliche Schnapsdrosseln sein.). Der Rohwhisky wird im Normalfall durch Zugabe von Wasser auf einen Alkoholgehalt von 40-43% runterverdünnt, seltener wird er auch in Fassstärke „cask strength“ angeboten. Sobald er in der Flasche ist, verändert er sich nicht mehr und ist bei aufrechter, dunkler Lagerung der Gefäße praktisch unbegrenzt haltbar.

So an dieser Stelle mache ich mal Schluss, sonst wird der Beitrag viel zu lang. Ich könnte jetzt noch die Unterschiede zwischen Single Malt, Pure Malt, Grain Whisky und Blend erläutern, oder über den Einfluss der Verwendung alter Sherry-, Portwein-, Madeira- und Bourbonfässer erzählen. Auch die durchaus auch in Spitzendestillerien übliche Verwendung von karamelisiertem Zucker zur Färbung des Whiskys (eigentlich kommt die Farbe durch die Lagerung im Eichenfass zustande) wäre zu diskutieren.

Vielleicht nur noch so viel: Generell lassen sich die schottischen Single Malts aus den Highlands in zwei Großgruppen einteilen, die Islay- und die Speyside-Malts. Während die Malts von Islay (zB. Laphroaig, Bowmore) sich durch heftiges Torfaroma auszeichnen und zum Teil recht medizinisch im Abgang sind, ähneln die Speyside-Produkte (zB. Glenfiddich, Glen Grant) den bekannten Lowland-Whiskys (zB. Auchentoshan), sie sind runder und milder. Eine Empfehlung will ich mir lieber sparen, über Geschmack lässt sich halt nicht streiten. Der Single Malt aus der von uns besuchten Destillerie ist übrigens auch sehr empfehlenswert: Blair Athol ist ein sanfter 12jähriger aus dem Sherryfass (man riechts schon am Korken) mit wunderbaren Fruchtnoten im Abgang.

Note to self: Kiki lustlos, ich auch. Musik: Thorns, Cryptopsy.

Horst, hol schon mal den Dienstwagen

Ich biete meiner verehrten Leserschaft eine Wette an (und riskiere nix dabei, es ist mehr eine virtuelle Angelegenheit): Würde Horst Schlämmer tatsächlich an einer Direktwahl des Bundeskanzlers als Kandidat teilnehmen, dann würde ein nicht unerheblicher Anteil der Stimmen auf ihn entfallen. Warum? Weil der Mann sich wenigstens in seinen Positionen (Hauptstadt: Grevenbroich) von den anderen farblosen Pseudoalternativen unterscheidet, weil er ein subversiv-surrealistisches Profil hat, weil er einer zum Anfassen ist, auch wenn man sich danach die Hände waschen möchte. Der Fall Schlämmer legt den Finger in die offene Wunde unserer Lobbykratie: Diejenigen, die wirklich die Macht in den Händen halten, sind nicht wählbar, also auch nicht abwählbar. Diejenigen, die wirklich durchschauen, wer an den Hebeln sitzt, lassen sich für lautes Schweigen bezahlen, tragen sich mit dem Gedanken zu emigrieren, oder haben es bereits getan und diejenigen, die es besser machen könnten, beweisen sich lieber in weniger anrüchigen Jobs, so viel Selbstachtung muss sein.

Nehmen wir doch mal kurz an, eine neue Partei, nennen wir sie PDE „Partei der Ehrlichen“, träte zur nächsten Bundestagswahl an, mit dem festen Willen und dem Mut, die Wahrheit zu sagen und das wirklich Nötige in die Tat umzusetzen. Was käme dabei heraus? Wir würden hören, dass auf uns eine längere Durststrecke zukommt, die aus Blut, Schweiß und Wohlstandsverlust besteht. Man würde uns mitteilen, dass unser System der sozialen Absicherung nicht im entferntesten aufrecht zu erhalten ist und seine finanzierbaren Überreste nur dann überdauern können, wenn man verhinderte, dass überdurchschnittlich Verdienende, Großerben und Rentiers sich aus der Beteiligung daran herausstehlen können, so wie es heute der Fall ist. Man würde uns damit konfrontieren, dass unser Gemeinwesen an strukturellen Problemen krankt, die nur mit Hilfe einer deutlichen Entmachtung der Länder zugunsten des Bundes, einem wirklich ernst gemeinten Subventionsabbau und einer noch repressiveren Überwachung aller Geldströme im Sinne der Verhinderung von Kapitalflucht und Steuerstraftatbeständen zu beheben sind.

Diese Partei hätte nie eine Chance die Regierung zu stellen, selbst wenn sie den charismatischsten, bestaussehensten, seriösesten, eloquentesten Kandidaten aufböte und im Verlauf ihrer Etablierung die Verwässerung ihrer Positionen vermeiden und die Korrumpierung ihrer Führungselite verhindern könnte. Das ist traurig, aber irgendwie auch sehr menschlich.

Also, lassen wir uns doch lieber weiter belügen, versäumen wir das Erforderliche, krallen wir uns mit Zehen und Fingern an unseren Privilegien fest. Ereifern wir uns laut, wenn ein Regierungsmitglied, das seit Jahren nurmehr Erfüllungsgehilfin unterschiedlicher Interessenverbände ist, seinen Dienstwagen im Urlaub benutzt (und offenbar ordnungsgemäß abrechnet, während die Mehrheit der Ereiferer eine schwarzarbeitende Putzfrau beschäftigt). Hängen wir an den Lippen von Bettina Schausten, wenn sie mit ihrer typischen, kaum zu bemerkenden aber sehr verräterischen Ekelmimik verkündet, dass eben jener Skandal der „alten Tante“ wieder einmal zu einem Zustimmungsverlust verholfen hat. An diesem kleinen Zucken um die Mundwinkel der Bettina Schausten würde selbst die dickfelligste und sympathischste Kunstfigur von Hape Kerkeling zerschellen.

Um es auf die Spitze zu treiben: Ich sehe Horst Schlämmer, resigniert nach 8 Jahren in der Regierungsverantwortung, deutlich gerundeter nach unzähligen Staatsbanketten. Er kommt auf die Bühne, schwer (schnapp)atmend, greift zum Mikrophon und singt für uns. Nein, nicht „Das ganze Leben ist ein Quiz“, sondern „My Body Is A Cage“ von „The Arcade Fire“:

I`m standing on a stage
Of fear and self-doubt
It`s a hollow play
But they` ll clap anyway

Note to self: Auf die Laan, Tote und Täter zählen. Musik: Marduk, Type O Negative.

Abbeys and castles (Scotland 8)

Wenn man sich in Schottland umtut, wird man über kurz oder lang über alte Steine stolpern. Dazu braucht man nicht mal einen Reiseführer zu bemühen, die Rudimente von Burgen und Abteien sind quasi omnipräsent und wirken mitunter so malerisch in die Landschaft eingebettet, als hätte man sie just für die Touris aufgestellt, potemkinsche Ruinen sozusagen.

SL28bei Portpatrick

Ein schmucker, düsterer Burgrest am Rande eines pittoresken Lochs dürfte ziemlich genau den Postkartenvorstellungen von Schottland entsprechen, die wir auf Postkarten abzubilden pflegen (Danke, Herr Danzer). Außerdem stößt man, je weiter man nach Norden vordringt, immer häufiger auf die weniger spektakulären Reste verlassener Gehöfte und Bauernhäuser. Dazu weiter unten mehr.

SL29Ardvreck Castle am Loch Assynt

SL36Rekonstruktion Ardvreck Castle

Die Aufgabe bzw. Zerstörung der schottischen Klöster hat unterschiedliche Ursachen: Einerseits liebten es die marodierenden englischen Kriegshorden, die damaligen Zentren der Wissenschaft des Feindes abzufackeln, dies gilt besonders für den Süden (Borders, Dumfries, Galloways). Andererseits führte der reformatorische Eifer von John Knox und der resultierende Zorn wütender Bilderstürmer dazu, dass zahlreiche Abbeys ihrer Mönche verlustig gingen und mangels Masse aufgegeben werden mussten.

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SL31Sweetheart Abbey in New Abbey bei Dumfries

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SL34Fortrose Abbey

Während das einfache Volk die Klosterruinen in Ruhe vor sich hingammeln ließ, wohl aus Angst dem möglicherweise doch existierenden katholischen Fegefeuer anheim zu fallen, war man bei den Überresten der Heimstätten entmachteter oder enthaupteter Adeliger weit weniger zimperlich. Die aufgegebenen Herrenhäuser wurden munter als Steinbrüche genutzt, was den kläglichen Zustand so mancher Burgruine erklärt.

Sl35Sinclair Girnigoe Castle bei Wick

Man gibt sich heute große Mühe, die noch vorhandenen Reste zu konservieren und für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Außerdem sind natürlich einige Burgen immer noch bewohnt, zum Beispiel Eilean Donan Castle in der Nähe von Dornie, dessen Abbildung wahrscheinlich in keinem Bildband über Schottland fehlt.

SL37Eilean Donan Castle

Eines dieser Castles auf unserer Route haben wir übrigens, mehr oder weniger aus Protest, nicht besucht: Den Sitz der Dukes und Earls von Sutherland, Dunrobin Castle nördlich von Inverness. Diese nette Familie, die zeitweise zu den größten und reichsten Großgrundbesitzern Europas gehörte, pflegte nämlich zu der Zeit, als die Wollpreise ihren Höchststand erreichten und somit die Schafzucht höhere Erträge abwarf, als die Verpachtung des Landes, die ärmlichen Hütten ihrer Crofter (Pächter), die ja keine Leibeigenen waren, kurzerhand niederzubrennen, so dass den jetzt Wohnungslosen nurmehr die Emigration (vorwiegend in die heutige kanadische Provinz Nova Scotia) übrig blieb. Anderen armen Seelen wies man unfruchtbare Fleckchen in Küstennähe zu, wo man, so wird es erzählt, die Tiere und Kinder anbinden musste, damit sie nicht von den Klippen geblasen wurden. Doch, wirklich liebe Leute, diese Sutherlands. Diese Vertreibung der Kleinbauern, die eine Zeit lang groß in Mode war, ist die eigentliche Ursache dafür, dass weite Teile des nördlichen Hochlandes heute menschenleer (und baumlos) sind, obwohl sie vormals durchaus dicht besiedelt waren, man spricht auch von der „man made desert“ (Eine verdammt feuchte Wüste, wenn ihr mich fragt.).

SL38Bei Applecross

Die Mutter aller schottischen Burgen ist natürlich Edinburgh Castle, für dessen Besichtigung heute satte 21 Pfund verlangt werden. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, der sollte ein Stündchen für das Anstehen nach Tickets einplanen und sich darauf einstellen, dass die Touristen sich auf dem Castle Rock im wörtlichen Sinne gegenseitig auf die Füsse treten.

Sl39Edinburgh Castle

SL40Jedburgh Abbey

Note to self: Zu viel Musik, zu viele Podcasts, zu viel von allem. Musik: Bathory, Emperor.

Betta splendens vs. Uncia uncia

Irgendwie bin ich schon lange kein echter Macianer mehr. Vielleicht hat sich sich das geändert, als mich der Intel-Switch kalt erwischte: Unter meinem Schreibtisch stand ein fast neuer Powermac G5, den ich einige Jahre zu benutzen gedachte, dann stellte sich „his Steveness“ auf die Bühne der WWDC in Boston und verkündete den Wechsel der Hardwareplattform. Jahrelang hatte man uns erzählt, der Power PC sei zwar niedriger getaktet, aber schlauer aufgebaut und die Performance deshalb insgesamt besser als bei der X86-Fraktion. Dass das eine unverschämte Lüge war, war spätestens klar, als die erste Macintel-Generation mit schlecht angepasstem Betriebssystem trotzdem Kreise um die Vorgänger rannte. Ich war bedient.

Seitdem hat sich nicht nur meine Einstellung zu Apple geändert: Ich finde Microsoft-Bashing doof. Warum? Weil sie einige Softwareprodukte, ich nenne mal den Exchange Server, im Programm haben, die zu recht Industriestandards sind. Dass Vista ein peinlicher Flop war, dass der Zune für die Tonne war, dass sie keinen Geschmack, kein Gefühl für gutes Design, seit Jahren keine zündenden Ideen haben, sondern das tun, was sie immer schon am besten konnten, nämlich abkupfern, geschenkt.

Nun geht der Kampf um das beste Betriebssystem in die nächste Runde: Der siamesische Kampffisch, der den Schreibtisch der Demo-Versionen von Windows 7 ziert, tritt gegen den Schneeleoparden von Apple an. Also schauen wir uns mal die Kontrahenten auf Basis der bislang verfügbaren Informationen an:

Verfügbare Varianten und Preis: Während das neue Apple-Betriebssystem nur in einer Einzelplatzvariante und einer Serververversion verfügbar ist, geht Microsoft weiter seinen Versionitis-Irrweg: Home Premium, Professional, Ultimate, jetzt mal ernsthaft, was soll der Scheiss? Der Schneeleopard ist für 30 Euronen zu haben, bei Win 7 geht die Home Premium für 120 über die Theke. Ja, das ist wirklich ein Hammer.

Interface: Unglaublich: Bei Win 7 gibt es jetzt die Dokumentenvorschau in der Startleiste, die Reihenfolge der Programmsymbole kann verändert werden, die Fenster können per Tastendruck ausgeblendet werden. Hallo Herr Ballmer, haben sie sich schon mal Quickview, Dock und Expose angeguckt? Auf dem Mac verfügbar seit mindestens zwei Jahren, zum Teil schon deutlich länger.

Unter der Haube: Angeblich ist die Benutzerverwaltung unter Win 7 jetzt endlich brauchbar, warten wir es mal ab. Was ich bis jetzt davon gesehen haben, haut mich nicht vom Hocker. Da ist beim Schneeleoparden gegenüber den Vorgängern auch nichts mehr zu Verbessern: Unix ist Unix ist Unix und das steckt in allen Mac OS X Versionen seit der Public Beta drin. Man hört außerdem, dass Win 7 den Benutzer nicht mehr alle 30 Sekunden mit einer Sicherheitswarnung nervt. Wenn es stimmt, dann ist es ja schön. Ich bekomme auf meinem Mac nur dann eine solche Warnung, wenn ein aus dem Netz geladenes Programm zum ersten Mal geöffnet wird, das war es. Die 7er soll zudem auch auf älterer Hardware schneller laufen als Vista, Gott seis gelobt, getrommelt und gepfiffen. Bei Mac OS X ist es übrigens seit ungefähr 8 Jahren so, dass die jeweils neue Version schneller läuft, als die alte, egal ob auf dem neusten Boliden oder einem reichlich angegrauten G4/400. Au Möhr! Klar, es gibt Punkte, wo Apple bislang hinterherhinkte: Nehmen wir zum Beispiel die OpenCL-Unterstützung, die OpenGL-Version, das verfügbare Java-Environment. Diese Schwachstellen werden mit der neuen Version beseitigt. Übrigens: Mac OS 10.6 besteht von der ersten bis zur letzten Zeile aus 64bit-fähigem Code.

Im Grunde kann es mir egal sein, wer sich für welches Betriebssystem begeistert. Soll jeder nach seiner Fasson selig werden, aber schauen wir doch mal bei Amazon nach: Im Bereich Software steht der Schneeleopard bei den vorbestellten Artikeln auf Platz 1, Windows 7 auf Platz 18. Alles klar!

Note to self: Ein unerwartet netter Biergartenabend, auch ohne Bier. Musik: Killswitch Engage, Joss Stone, Dinosaur Jr., Nine Inch Nails.

What`s for dinner, dear? (Scotland 7)

„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ sagt der Volksmund und hat damit wie üblich recht. Die Frage „Was wollen wir trinken (14 Tage lang)?“ war relativ schnell beantwortet, denn natürlich darf eine Schottlandreise nicht ohne die gründliche Prüfung der dort hergestellten Destillerieerzeugnisse von statten gehen. Etwas schwieriger war die Frage nach der Zusammensetzung der festen Nahrung zu beantworten, denn einerseits wollten wir nicht nach einem langen Reisetag noch Stunden auf die Zubereitung der Tageshauptmahlzeit verwenden, andererseits war mir nach diversen Aufenthalten auf der britischen Insel klar, dass die dort heimische Küche den kontinental geprägten Gaumen und Magen mitunter vor Herausforderungen stellen kann, denen man sich nicht unbedingt stellen muss. Übrig blieb, als kleinstes gemeinsames Vielfaches, eine bunte Mischung aus mitgebrachten Konserven, Instantsuppensnacks für „schnell mal zwischendurch“, allen Bestandteilen einer zünftigen Brotzeit und Fast Food der international verbreiteten Pizzabäcker und Bulettenbratereien (sicher ist sicher).

Als Hauptgewinn entpuppte sich der mitgenommene Spirituskocher von Trangia, für den ich an der Stelle ruhig ein bisschen Werbung machen darf, da er hinsichtlich Gewicht, Packmaß, Spritverbrauch und Vielfältigkeit der Einsatzmöglichkeiten alles mir bis dahin Bekannte in den Schatten stellte. Die Campinggas-Kollegen waren jedenfalls nie schneller als wir, nur bepackter. Es erwies sich als ausgezeichneter Start in den Tag und frühmeditativer Akt, sich morgens neben dem kleinen Kessel niederzulassen, zu warten bis das leise Zischen in ein murmelndes Blubbern übergegangen war und erst mal den Kaffee aufzuschütten, denn ohne den, das gebe ich freimütig zu, geht bei mir nicht viel. Von da an war der zwanglose Übergang zum weiteren Frühstücksgeschehen jederzeit möglich:

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Wenn man schon den ganzen Kochkram tagsüber dabei hat, kann man sich natürlich auch nach Gusto (zum Beispiel in einer Sonnenpause zwischen zahlreichen Schauern) ein nettes Plätzchen mit Aussicht suchen, um sich ein paar Eier oder Ähnliches in die Pfanne zu hauen (und dabei trotz abgeschnittener Pläte verdammt cool auszusehen). Das zweite Foto stammt übrigens vom legendären Schafküttelpicknick. Es war völlig OK, so lange man sich darauf konzentrierte, was sich auf dem Teller – und vergaß, was sich neben dem Teller befand.

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Gegen Abend kam es nicht nur zu wahren Linseneintopforgien und Tomatencremesuppenschlachten, nein, es wurde auch munter gegrillt (und wir blieben nicht nur während der Zubereitung der Würstchen und Steaks, sondern auch bis zum fast restlosen Verzehr derselben von Regen verschont. An diesem übelsten aller Tage war das wirklich bemerkenswert.)

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Erwähnt werden muss außerdem noch das Frugalfrühstück von Edinburgh: Als wir mitten auf der Zeltwiese begannen, die originalen Baked Beans samt Frühstückswürstchen in Tomatensoße zuzubereiten, reagierten die deutschen Kollegen mit leichtem Kopfschütteln und deuteten ein Würgen an, während uns seitens der großbritannischen Nachbarn ein anerkennendes Nicken und Lächeln zuteil wurde.

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Note to self: Siehste, geht doch. Fingers crossed. Musik: Meshuggah.

Nemo me impune lacessit (Scotland 6)

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Die Schotten und die Engländer, das ist eine unendliche, eine äußerst blutige Geschichte, die ich hier nicht noch einmal erzählen will. Der interessierte Leser findet dazu zahlreiche Quellen im weltweiten Netz. Trotzdem ein paar Anmerkungen aus der Perspektive eines Kontinentaleuropäers:

Einerseits habe ich große Sympathien für den Stolz und die Unbeugsamkeit der Schotten, die immer wieder unter dem Expansionsdrang und der Grausamkeit ihrer südlichen Nachbarn gelitten haben. Man darf außerdem nicht vergessen, dass das Haus Stuart eine der mächtigsten Dynastien Großbritanniens war, den englischen Thron besetzte, und seit Elisabeth Stuart, der Begründerin des Hauses Hannover, bis heute alle Monarchen des vereinigten Königsreichs in direkter weiblicher Linie von den Stuarts abstammen. Das Drama der Dynastie, das sich darin offenbart, dass nur 8 der von der Familie gestellten Könige das 50. Lebensjahr erreichten und nur 5 von 17 Herrschern eines natürlichen Todes starben, liegt letztenendes in der Uneinigkeit, ja verbissenen Zerstrittenheit des schottischen Hochadels, insbesondere in der Rivalität zwischen den Lowlandlords, die oftmals angelsächsischer Herkunft waren und sich dem englischen Herrscherhaus verbundener fühlten, als ihren Landsleuten, und den Highlandclans. So kam es, dass die Führungselite der Schotten ihr politisches Gewicht immer wieder verspielte. Obwohl Schottland stets ein kleines und armes Land am Rand Europas war, versuchte man durch Allianzen mit Frankreich Zünglein an der Waage zu spielen, eine folgenschwere Überschätzung der eigenen Möglichkeiten.

Die Schotten betonen gerne ihre Andersartigkeit und begründen sie unter anderem mit ihren keltischen Wurzeln. Dabei wird regelmäßig ausgeblendet, dass eben nicht nur die Pikten und Scoten (Keltische Stämme mit irischem Ursprung), sondern auch Angeln und Sachsen, Wikinger und Britonen (eigentlich ein walisischer Stamm) wesentliche Teile der Ursprungsbevölkerung ausmachten.

Höchst absonderlich ist außerdem der wenig kritische Umgang mit den allseits bekannten Symbolfiguren der Geschichte des Landes:

Robert the Bruce (Robert I. von Schottland) beispielsweise, der als Held der frühen Unabhängigkeitskriege gegen Edward I. gefeiert wird, war in Wirklichkeit lange Jahre ein landloser Gernegroß, ein König ohne Königreich, der sich abwechselnd auf die englische und schottische Seite schlug, einen seiner engsten aber offenbar untreuen Bundesgenossen in der Franziskanerkirche zu Dumfries fast erdolchte und dessen Glücklosigkeit im Felde und kaum vorhandenes strategisches Talent bis zum Tode seines englischen Widersachers legendär waren, was sich ungünstig auf die Unterstützung durch den Adel auswirkte. Dass Bruce in den Folgejahren die offene Feldschlacht vermied und eine Art Guerillataktik entwickelte, ist so recht nach dem Geschmack der Schotten. Trotzdem: Die wesentlichen Erfolge erzielte der König erst gegen Edward II., der eine noch größere militärische Niete gewesen sein muss.

Mary Queen of Scots (Maria Stuart), war ein Ziehkind des französischen Königs und verscherbelte sogar den schottischen Thron an ihn, für den Fall, dass sie kinderlos geblieben wäre. Sie hatte keine Ahnung von den Befindlichkeiten ihrer calvinistisch-presbyterianischen Landsleute, sonst hätte sie nicht versucht, eine Gegenreformation von oben durchzuziehen. Und sie besaß keinerlei politischen Instinkt, sonst hätte sie nicht den Mann geehelicht, der dringend verdächtigt war, ihren zweiten Gatten per Sprengstoffanschlag ermordet zu haben, obwohl der doch bereits mit Pocken darniederlag. Diese dritte Eheschließung nahmen ihr ihre adeligen Untertanen wirklich übel; es waren ihre Landsleute, die sie 1567 im Loch Leven Castle internierten:

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Ihr Stern war zu diesem Zeitpunkt schon deutlich im Sinken begriffen. Natürlich: Ihr Ende war tragisch und wäre ein gefundenes Fressen für die Illustrierten gewesen, die es damals glücklicherweise noch nicht gab. Man fühlt sich mitunter an eine sehr populäre Princess of Wales erinnert.

Selbst Bonnie Prince Charlie, der so beliebte Anführer des Jakobitenaufstands von 1745, den heute noch jedes schottische Schulkind kennt, war kaum mehr als eine Marionette seiner Schutzmacht Frankreich. Zwar besaß er den erforderlichen Rückhalt in weiten Teilen der Bevölkerung, doch hatte er und sein Jakobitenheer den Engländern militärisch kaum etwas entgegen zu setzen, spätestens als die Franzosen ihn fallenließen, wie eine heiße Kartoffel. Seine heute oft verklärte Flucht, erst monatelang durch das Hochland, dann mit dem Ruderboot auf die Isle of Skye und schließlich bis nach Frankreich (Man hätte diesen Stoff mit Errol Flynn in der Hauptrolle verfilmen sollen) kostete viele einfache Schotten das Leben, ohne dass sie begriffen hätten, dass sie Opfer eines Ränkespiels des europäischen Hochadels waren. Charles Edward Stuart verfiel im Exil dem Alkohol, misshandelte angeblich seine Frau und verließ die Welt als politisches Nichts.

Vielleicht ist es am besten so, wie es heute eingerichtet ist: Die Schotten können seit 1999 in vielen Bereichen ihr politisches Geschick selbst bestimmen. Schade nur, dass das neue Parlamentsgebäude in Edinburgh aus architektonischer Sicht ein Schlag unter die Gürtellinie ist:

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Die Schotten hören es nicht gerne, aber im Grunde haben sie der Welt weniger gegeben, als sie wahrhaben wollen: Der Whisky ist eine irische Erfindung, der Kilt die eines englischen Gießereibesitzers. Selbst der Haggis, das schottische Nationalgericht, scheint in Wirklichkeit englischen Ursprungs zu sein. Das macht die Schotten aber insgesamt nicht unsympathischer, sie bleiben ein wundersames Völkchen prächtiger Rauf- und Trunkenbolde und wenn man eine romantische Ader hat, so wie der Skidman, dann kann man sich mit ihren Tragödien und ihrer verzweifelten Standhaftigkeit aufs vortrefflichste identifizieren:

„O ye`ll tak the high road and I`ll tak the low,
And I`ll be in Scotland afore ye.
But me and my true love will never meet again,
On the bonnie, bonnie banks o` Loch Lomond.“

Dieses Traditional, das in einer grauenhaften Version von Runrig populär wurde, ist weder ein Trink- noch ein Stimmungslied. Es erzählt von zwei Teilnehmern des zweiten Jakobitenaufstandes. Während der eine überlebt, fällt der andere im Kampf für Prince Charlie und wird seine schöne Braut nie wieder sehen. Ich empfehle dem geneigten Leser die Version von den Corries für den frühen Abend und die Version von Chanticleer ab dem dritten Gläschen. Und ich gestehe, beim Hören dieses Liedes hin und wieder ein Tränchen verdrücken zu müssen.

Note to self: Jetzt lies ihn schon, hast Du Angst? Musik: Equilibrium, Five Finger Death Punch, Eternal Ruin.

Er rollt wieder…

…der Ball. Die Sommerpause ist vorüber, endlich! Die Alemannia darf bald das neue Schmuckkästchen beziehen und schlug gestern in MeckPomm den Torgelower SV Greif in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Ein Pflichtsieg, zweifellos. Bemerkenswerter waren die Begleitumstände und Randnotizen: Der neue Mannschaftskapitän, Christian Fiel, fiel gleich beim ersten Interview durch einen virtuosen Umgang mit den gängisten Fussballfloskeln und Problemen mit der deutschen Grammatik auf. OK, der Mann ist Spanier, wir wollen das nicht so eng sehen, mein Spanisch besteht aus 3 Halbsätzen. Mich freut besonders, dass Oussale wieder getroffen hat, der Typ ist eine Offenbarung. Ganz typisch für die geistige Verfassung der Mannschaft ist der Spielverlauf: Früh in Führung gegangen, den Spielbetrieb eingestellt, sich am Riemen gerissen, verdient und deutlich gewonnen. Gegen einen durchschnittlichen Zweitligagegner hätte es wohl wieder nur zu einem Unentschieden gereicht. Das Phlegma ist aus dem Team nicht heraus zu trainieren und das Auswärtstrauma steckt so tief in den Aachenern, dass man schon fast genetische Ursachen vermuten muss.

Die schönste Randnotiz ist, dass Hannover 96, trainiert vom unsäglichen Hecking, sich gegen eine unterklassige Mannschaft blamierte und ausschied (Bei Mainz hält sich die Schadenfreude in Grenzen, ich mag diesen Club einfach.). Die zweitschönste Randnotiz ist, dass Bayern offensichtlich nicht in der Lage ist, einen Torhüter mit Bundesligaformat aufzubieten, das wird noch sehr heiter werden, verlasst Euch drauf. Die dritte Randnotiz, und damit beschließe ich den Artikel, ist, dass Borussia Mönchengladbach mit Juan Arango einen neuen Offensivspieler verpflichtet hat, der aufgrund seiner spielerischen und taktischen Möglichkeiten den Verbleib in der höchsten Liga sicherstellen könnte. Eine Wonne der Kerl.

Note to self: Dann also schieben, heute Nachmittag. Musik: Entombed.

Wanted: Lighthouse Keeper (Scotland 5)

Aufmerksame Leser von „Just Skidding“ werden wissen, dass ich nicht zögern würde, mich als Schmuckeremit zu verdingen und es sehr bedauere, dass dieses Berufsbild so aus der Mode gekommen ist. Eine mögliche Alternative schien mir die Position eines Leuchtturmwärters zu sein, auch wenn ich dann der westzipfligen Heimat Adieu sagen müsste, da der Blausteinsee solche Einrichtigungen zur Sicherung des Schlauchbootverkehrs nun mal nicht aufweist.

SL13Portpatrick

SL14Neist Point

Die lange schottische Küste hat da wesentlich mehr zu bieten, allerdings musste ich feststellen, dass selbst in den abgelegensten Gegenden, die für viele Leuchtturmwärter-Anwärter möglicherweise nicht besonders attraktiv sind, für mich aber das Paradies sein könnten, inzwischen die Automatisierung und zentrale Steuerung im Leuchtfeuergeschäft so heftig zugeschlagen hat, dass entsprechende Vakanzen nicht vorhanden sind.

SL15Duncansby Head

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Wenn ich trotzdem im Rahmen dieses Beitrags Fotos der von uns besuchten Lighthouses präsentiere, dann bin ich mir durchaus bewusst, dass professionelle Aufnahmen schottischer Leuchttürme für gewöhnlich weit spektakulärere Bauwerke zeigen, die bei 7 Beaufort und schwerer Brandung gegen Granit- und Basaltklippen von der Wasserseite her aufgenommen werden, und dem Betrachter unmissverständlich klar machen, dass er nur ein kleines Würstchen ist. Sorry, da muss ich passen.

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Sollte jemand zufällig über ein Stellenangebot (vorzugsweise im Bereich Nordwestküste/Applecross/Lochinver) für einen Lighthouse Keeper ohne Berufserfahrung, aber mit heißem Willen, den Job dauerhaft und mit Hingabe zu versehen, stolpern, dann möge er sich mit mir in Verbindung setzen.

Note to self: Millitesla im Selbstversuch statt Spezialistenkonsultation? Musik: Darkthrone, Pantera, Deftones.

Culicoides impunctatus (Scotland 4)

Nun denn: Ich nehme die Nachfrage einer Stammleserin zum Anlass, den eigentlich für später vorgesehenen Beitrag über die „Geißel der Highlands“ vorzuziehen. Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: Culicoides impunctatus, the scottish midge, the mighty midgy, kill one and thousands will come to the funeral.

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Foto: Dr. Alison Blackwell, Advanced Pest Solutions Ltd

Als wir am dritten Reisetag am Loch Leven, einem Seitenarm des Loch Linnhe (das eigentlich kein Loch, sondern ein Firth ist), eintrafen, da waren wir ganz unterschiedlich auf mögliche Attacken dieser kleinen Fliegen vorbereitet: Während mein geschätzter Mitreisender das Problem geflissentlich ignoriert hatte, hatte ich tagelang das Internet nach Fakten abgesucht, mögliche Abwehrstrategien aufgelistet und, soweit möglich, evaluiert. Ich war regelmäßiger Besucher des Midges forecast geworden, hatte einige Handelsnamen gängiger Reppelents notiert, mich mit der Biologie der Biester auseinandergesetzt und war somit, wenigstens aus psychologischer Sicht, einigermaßen gewappnet.

Nun, wir bauten unser Zelt auf, überstanden einen kurzen Schauer und überlegten gemeinsam, was wir zum Abendessen zu uns zu nehmen gedachten. Sie kamen aus dem Nichts, sie kamen lautlos, sie kamen in Scharen, ach was sage ich, sie kamen in Heeresstärke und mit beachtlichen Folgen: Mein Mitreisender hatte noch kurz vorher die These aufgestellt, dem Midgesproblem sei wie einer üblichen kontinentaleuropäischen Mückenherausforderung beizukommen, man dürfe sich nicht verrückt machen lassen, Gelassenheit sei gefragt und wenn man sich nicht kratze, sei das Ganze halb so schlimm. Als die ersten Mitglieder der Vorhut auf seinem Handrücken landeten, ließ er ein halb belustigtes, halb mitleidiges „Och, sind die klein.“ hören. Zwanzig Minuten später hatte sich Ödli in ein Nervenbündel verwandelt, das eingehüllt in einen dichten Schwarm der Viecher und in seine Regenjacke, mit Kapuze über dem Kopf und After-Shave im Gesicht (Nein, half nicht) seinen Hühner-Nudel-Topf in Rekordtempo in sich hineinlöffelte und dabei die Zahl der in eben diesem Hühner-Nudel-Topf ersoffenen Exemplare mit Ungläubigkeit zur Kenntnis nahm. Sie waren überall: Im Nacken, in den Augenwinkeln, in der Nase, in den Ohren, überall. Sobald man sich nicht bewegte, hatte man den Eindruck, dass kaum noch Luft zwischen die Biester passte. Nach dem Abendmahl begann ich, mir eine Zigarette nach der anderen anzustecken (Rauch mögen sie nicht) und bemühte mich, mein Bier schnell zu leeren, während ich immer größere und schnellere Kreise um unser Zelt lief. Der Einstieg ins Innenzelt wurde rasch aber sorgfältig geplant und gelang in Rekordzeit. Und dann begann das bange Warten: Kommen sie durch oder kommen sie nicht durch? Sie kamen nicht durch, das Mückengitter war zu engmaschig. Was waren wir erleichtert!

Am nächsten Tag führte unser Weg nach Fort William und in den nächsten Drogeriemarkt. Dort erstanden wir das Anti-Midgesmittel mit der höchsten DEET-Konzentration („Tropical Grade“), das aufzutreiben war. Der Typ an der Kasse (ein Hemdchen von nicht mal 20 Jahren) grinste wissend, als ich ihm den „Tenner“ rüberschob und das heilige Zerstäuberfläschlein in Empfang nahm. Das Zeug stank widerlich, sollte auf keinen Fall mit Lippen und Augen in Kontakt kommen, aber es wirkte gründlich. Hier die Beweisfotos, aufgenommen in der Nähe von Fort Augustus am Loch Ness, alle abgebildeten Flieglein sind mausetot und ich sage Euch, es machte Spaß sie landen und verrecken zu sehen:

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Was haben wir auf unserer Reise über Midges gelernt? Nun, zunächst mal, dass viele Angaben im Internet tatsächlich stimmen: Midges mögen keinen Wind, Midges mögen keine Sonne, sie meiden die Küste, sie lieben Bäume. Wir steuerten im weiteren Reiseverlauf nur noch Campingplätze an, die dicht am Meer lagen. Und irgendwie hat Ödli Recht behalten: Man darf sich wirklich nicht verrückt machen lassen. Die Bisse sind harmloser als Mückenstiche. Wenn man abends in einen Schwarm hineingerät, dann sucht man eben das Zelt oder einen Pub auf und sitzt nicht draußen, um den romantischen Sonnenuntergang zu genießen. Die Eaten-alive-Horrorstories von Leuten, die entsetzt berichten, sie würden wegen der Midges nie wieder nach Schottland fahren sind doch ein bisschen übertrieben. Trotzdem kann es einem auch tagsüber beim Mittagspicknick passieren, dass man eiligst im Auto verschwindet, weil die Tierchen zahlenmäßig weit überlegen und einfach lästig sind:

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Noch ein letztes: Manche Ökologen behaupten, die Massenvermehrung von Culicoides impunctatus im Schottischen Hochland sei im Grunde ein vom Menschen verursachtes Problem: Die in drei Stufen erfolgte Abholzung der Highlands (Erst der römische Bauboom, dann die englischen Schiffsbauer, zuletzt die geldgeilen schafzüchtenden adligen Großgrundbesitzer) habe zur Versauerung der Böden und Seen (wichtig für die Larvalentwicklung) und zur Zurückdrängung der natürlichen Feinde der Fliegen geführt. Sollte das hinkommen, dann haben wir hier das perfekte Beispiel dafür, dass die uns umgebende Natur sich eben doch nicht alles gefallen lässt und hart und unerbittlich zurückschlägt.

Note to self: Ein netter Anruf! Musik: Genghis Tron.