…was seid ihr?

Freiheit statt Angst-Demo in Berlin:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=TDYfm-NsXq8&hl=de&fs=1&]

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat inzwischen ein Strafverfahren wegen „Körperverletzung im Amt“ eingeleitet. Was mir gerade durch den Kopf geht, möchte ich lieber nicht schreiben, sonst wird der Artikel noch justiziabel.

Note to self: Und das gegen Oberhausen. Musik: Melvins.

High as a kite

Gestern am Eselsweg: Wunderschönstes Septemberwetter und ausreichend Wind, um statt Kühen Drachen fliegen zu lassen. Die Protagonisten bei der Präparation ihres Equipments:

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Auch der Nachwuchs hatte seinen Spaß, allerdings weniger mit Fluggerät und Schnur, sondern mehr bei der Disziplin „Papa bespaßen“. Der Bespaßste trugs mit Fassung:

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Das Modell „Pluto“ am Himmel und am anderen Ende der Schnur Oedli mit vorbildlich asymmetrisch aufgekrempelter Hose:

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Selbst der passionierte Surfer kann sich ein oberbreites Grinsen nicht verkneifen, auch wenn er natürlich bei diesem Wetter lieber an einem der angesagten Spots am Nordseestrand wäre:

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Später frischte der Wind dann etwas auf und zwang zu dynamischer Arbeit am Boden. Die Nachbarn, die etwas mehr Tuch in der Luft hatten, wurden regelrecht über die Wiese geschleift:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=REgstl-LEFA&hl=de&fs=1]

Beim Blogger reichte es nur zu einigen mehr oder weniger hilflos wirkenden Dirigentenbewegungen an der Grenze zur Lächerlichkeit. Naja, meine Unsportlichkeit ist ja fast schon legendär (Sie wäre tatsächlich einen eigenen Beitrag wert. Der nächste schwache Moment kommt bestimmt.). Aber Spaß machte das Ganze trotzdem:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=iENXgklm-HI&hl=de&fs=1&]

Note to self: Lost to controler. Na warte, Freundchen. Musik: Melvins, John Butler Trio, Slayer, Jingo De Lunch.

Der 7. Streich

Die 74. Spielminute im Olympiastadion von Helsinki. Prinz wird mit einem knackigen Flachpass von halbrechts in Szene gesetzt, sprintet zwischen zwei Verteidigerinnen hindurch in den 16er und wuchtet dann das Leder aus etwa 13 Metern neben den linken Pfosten ins Netz. Die englische Torhüterin hat nicht mal mehr die Arme gehoben. Es steht 6:2 für die deutsche Nationalmannschaft der Frauen. Der 7. EM-Titel ist gewonnen.

So trocken könnte man diese Spielsituation beschreiben. Wollte man ein bisschen weiter ausholen, dann könnte man ausführen, dass schon das 5:2 von Grings den Widerstand der Engländerinnen gebrochen hatte, dass der letzte Treffer nur ein Sahnehäubchen war und das Ergebnis der Partie, wie so oft beim Fußball, nicht den Spielverlauf wiedergibt. Die Zuschauer hatten ein Spiel der Extraklasse gesehen, mit allem, was den Frauenfußball auszeichnet: Kaum Fouls, sondern weitgehend fairer Zweikampf; offene Visiere auf beiden Seiten und bedingungslose Offensive; kein blödes Getue, keine eitlen Posen, keine Schauspieleinlagen.

Es freut mich besonders, dass die zuletzt hart kritisierte Birgit Prinz zwei Treffer zum Ergebnis beisteuern konnte, denn sie ist, da lege ich mich mal fest, die kompletteste Fußballspielerin, die die Welt bislang gesehen hat und sie ist mit Sicherheit auch besser als die Brasilianerin Marta, die zwar alles mit dem Ball kann, aber nicht die nötige nervliche Stabilität hat. Man denke nur an den verschossenen Strafstoß im letzten WM-Finale.

Prinz eignet sich trotz ihrer Popularität nicht zum Medienstar, wer schon mal ein Interview gesehen hat, der weiss, was ich meine. Sie ist zu sperrig, zu spröde, zuweilen schnippisch und hat eben auch einiges im Kopf, im Gegensatz zu so manchem männlichen Kollegen, der zwischen „ja gut“ und „ich sach ma“ außer Phrasen nichts rausbringt. Auch deshalb schließe ich für heute mit einem Zitat von Heinz Rudolf Kunze: „Die Frauen werden immer unwichtiger werden, die Männer unwichtig bleiben.“

Note to self: Unterschrift für gelbe Säcke, wo soll das noch hinführen? Musik: Nagelfar, Agalloch, Krisiun.

Jürgen, Jürgen und Franz Josef

Willkommen in der Abteilung für gefallene Engel -äh- Helden. Wir haben just am Wochenende einen frischen Schwung an besonders schönen Exemplaren reinbekommen. Darf ich Ihnen mal was zeigen?

Da hätten wir zunächst mal den Seeberger Jürgen, einen waschechten Schweizer. Gut, die Haare hat er nicht ganz so schön, aber sonst ist er noch gut in Schuss. Vor allem ist er gut ausgeruht, weil in den letzten Monaten im Job emotional gänzlich unbeteiligt. So manches Talent ließ er in dieser Zeit ziehen, so manchen Transfer hat er persönlich vermasselt. Seine zuweilen kruden Auffassungen von Taktik und Aufstellung sind legendär. Er hat die Mannschaft nicht mehr erreicht (Einer fürs Phrasenschwein, aber diesmal stimmts sogar). Sie suchen einen Trainer für die liechtensteinische Verbandsliga? Nehmen Sie den Seeberger. Am Preis lässt sich auch noch was machen.

Der Seeberger gefällt nicht? Na wie wäre es dann mit dem Rüttgers hier? Der sieht zwar aus, wie ein Filialleiter bei der Kreissparkasse, ist aber in Wirklichkeit Arbeiterführer. Das Gute daran ist das Gute darin, sozusagen. Wenn es um die Rubriken „Schaumschlagen“ und „den rechten Rand abfischen“ geht, dann liegen Sie mit Rüttgers goldrichtig und voll im Trend. Auch wenn er für gewöhnlich so feinsinnig rüberkommt, nach schlechten Kommunalwahlergebnissen kann er auch mal einen raushauen, so wie das Topmodell der Serie, der Roland Koch. Ach, Sie sind rumänischer Abstammung? Tut mir leid, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.

Dann hätte ich hier noch einen echten Geheimtipp, damit werden Sie Aufsehen erregen: Der Franz Josef Jung. Franz Josef ist trotz seines Alters psychologisch voll intakt, denn er lebt seit Jahren schon in seiner eigenen Welt. Wenn Sie öfters einen unpopulären -hm- Kampfeinsatz oder einen zünftigen Kollateralschaden zu verantworten haben, dann ist der Jung die richtige Wahl. Unser Franz Josef ist pflegeleicht, da abwaschbar und witterungsbeständig. Wenn Sie jemand gründlich zutexten wollen, dann nehmen sie den Franz Josef mit seinem speziellen Rhetorik-Modul: Nach 5 Minuten hört keiner mehr zu, denn es ist schlicht zu anstrengend. Normalerweise bieten wir den Jung im günstigen Doppelpack mit Brüderle an, da hat man dann auch was für den Kreislauf, aber Brüderle ist zurzeit aus. Alles, was nach gelb und blau und Pünktchen aussieht, geht im Moment wie geschnitten Brot. Ja, da haben Sie recht, die Leute sind bescheuert.

Sie nehmen alle drei? Ah, Kindergeburtstag mit Dosenwerfen, ich verstehe. Ja, Sie haben Geschmack, soll ich sie Ihnen als Geschenk einpacken?

Note to self: Durchgeschüttelt, trotzig schweigend. Musik: Genius-Mix, Neue Helden 12.

Grün vor… …was eigentlich?

Eifersucht, Missgunst, Neid. Keiner kann sich ganz frei von diesen Emotionen machen, sie gehören zu unserer Befindlichkeit, wie die Butter zum Brot, weil sich unser Leben in Rangfolgen und Hackordnungen abspielt. Sie sind Auslöser für Ehrgeiz aber auch Mitleid und sie können Menschen zerstören und klein machen, ohne dass sie sich dagegen wehren können.

Neid

Allenthalben bekommen wir in Diskussionen über die Frage der sozialen Gerechtigkeit das Wort „Neiddiskussion“ um die Ohren gehauen. Der perfide psychologische Trick dabei ist zweifellos, dass keiner gerne zugeben möchte, dass sein Denken und Handeln von einem so unschönen Gefühl gesteuert werden könnte. Tatsächlich ist der Begriff aber nahezu inhaltslos. Schauen wir mal näher hin:

Nur enorm dumme und naive Menschen würden fordern, dass Besitz und Macht unter Allen gleich verteilt sein sollten, denn Talente und die damit erworbenen Fertigkeiten sind es ja auch nicht. Wir haben seit dem ersten verlorenen Murmelspiel verstanden, dass der Geschicktere unsere Kügelchen zu recht einsackt und das ist Ansporn für uns, uns im Murmelwerfen fleissig zu üben. Und noch einen Schritt weiter: Wir können sogar akzeptieren, wenn einer schneller und besser vorankommt, weil sein Talent in erster Linie darin besteht, den anderen möglichst effektiv auf die Füsse zu treten und würden dann mit widerwilliger Bewunderung von einem gerissenen Sauhund sprechen.

Der heisse Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit bricht sich aber genau da Bahn, wo man das sichere Gefühl hat, von vorne herein aus dem Wettbewerb genommen zu werden, also keine faire Chance bekommt, sich mit den Privilegierten zu messen. Das passiert in unserem Land, wenn Kinder mit 10 Jahren auf Hauptschulen abgeschoben werden, Manager für Nichtleistungen Millionenabfindungen und -boni erhalten, das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nicht umgesetzt wird, oder extrem Wohlhabende ihr Vermögen in Steueroasen verschieben.

Was die materielle Ungleichheit anbelangt, die Treibstoff endloser Umverteilungsdebatten ist, so gilt folgendes: Jeder könnte beispielsweise einen einheitlichen Einkommenssteuersatz akzeptieren, wenn alle Einkommensarten (Lohn, Zinsen, Dividenden, Erbschaften) darunter fallen würden, das Ehegattensplitting und die ungerechten Kinderfreibeträge zugunsten eines einheitlichen Kindergelds abgeschafft würden und man die zahllosen legalen Steuertricks und Abschreibungsmöglichkeiten beseitigte. Jeder würde die hohen Beiträge zu den sozialen Sicherungssystemen ohne Murren zahlen, wenn Unsäglichkeiten wie Beitragsbemessungsgrenzen und Privatversicherungen endlich wegfallen würden. Wenn heute Umverteilungsbedarf von oben nach unten angemeldet wird, so ist dies nichts anderes als der Wunsch nach einem Ausgleich für eine Ungleichheit, die nicht durch die stärkeren Mitbewerber, sondern durch die Spielregeln bedingt ist. Nicht Neid, sondern der Anspruch auf einen fairen Wettbewerb ist also die Grundlage.

Als Klein-Otto mitbekommt, dass Klein-Paul vor dem Wurf ständig den Abstand nicht einhält, sagt er ihm Bescheid. Paul zeigt seine erbeuteten Murmeln vor und meint: „Du kannst wohl nicht verlieren“. Otto holt aus und trifft Pauls Schienbein mit voller Wucht. Das nennt man dann Revolution.

Note to self: Neue Helden 12 und noch 1,7. Musik: The Ruins of Beverast, Dissection, Ahab.