Pötschern am Riemchen

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Als ich das letzte Mal mit „Truffel“ und „Spiesbütt“, also mit Maurerkelle und Mörtelwanne zu tun hatte, da hatte ich gerade etwas ganz anderes, nämlich das Abitur gebaut. Ich verging mich an einer Treppeneinfassung und einer Trennwand im Keller auf der elterlichen Baustelle und als wenig später ein Mann vom Fach vor Ort war, sah er die Bescherung, schüttelte den Kopf und frug meinen Vater: „Hürens, hätt dat dinge Schwager jemuurt?“ Besagter Schwager war nämlich ebenfalls Bauhandwerker und Helfer auf allen familiären Baustellen. Als ich meine Urheberschaft einräumte, bekam ich ein schiefes Grinsen zu sehen und ein „Ah su!“ zu hören. So viel dazu.

Den Männern und Frauen vom Bau eilt der Ruf voraus eher grobmotorisch, maul- und denkfaul, bierdurstig und im hohen Alter rheumatisch zu sein. Wer solche Vorurteile pflegt, sollte sich einmal den Spaß machen und selber mit Mörtel und Stein hantieren. Was bei gelernten Könnern spielerisch und elegant aussieht, zum Beispiel das Platzieren von Spiesflatschen aus dem Handgelenk, ist unglaublich schwer und alles was über das Aneinandereihen von „Vollkoffern“ (KS-Mauersteinen) hinausgeht, schon hohe Kunst.

Heute also habe ich eine Bresche in der Verkleidung meines ehemaligen Elternhauses zugepötschert. Ich finde, dass diese lautmalerische Neuschöpfung das Wesentliche des Vorgangs, nämlich das tölpelhafte Herumkütern (kütern [pommerisch] = verschmieren, kleckern) mit Trasszementmörtel vortrefflich beschreibt. Übrigens wurde obige Fotographie aus exakt dem Winkel aufgenommen, der gewisse Unebenheiten des Endergebnisses charmant verschweigt. Eines jedenfalls wird nicht passieren, nämlich, dass ein Fachmann auch dieses Mal fragt: „Hätt dat dinge Schwager jemuurt?“ Über die Gründe dafür werde ich hier und heute garantiert nix schreiben.

Note to self: Menschen sind schon seltsame Tiere. Musik: Thou, Arch Enemy, Joshua Radin, Carnifex, Chevelle.