SWE vs. ENG 0:2

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Kein großes Spiel. Die Engländer waren besser bei Standards und beim Kopfballspiel, brachten aber aus dem Spiel nicht viel zustande. Wesentlich schwächer als in den Spielen zuvor. Vor allem am Anfang merkte man der jungen Mannschaft ihre Nervosität an. Die Schweden agierten fleißig aber bieder und nutzen eben keine ihrer wenigen Chancen. Sie konnten nach dem Rückstand taktisch nicht adäquat reagieren und nicht noch einen drauf legen. England wurde eigentlich nicht gefordert, hat aber jetzt nach 28 Jahren wieder einmal ein Halbfinale bei einer WM erreicht und das verdient Anerkennung.

Ergebnis gerecht?: Jaja.

Mann und Depp des Spiels: Dele Ally: Beim Tor einfach riesig, bei seiner Auswechslung einfach ein Riesenarschloch.

Spruch des Spiels: „Der ging so ein bisschen in die Wolga.“ (Matthias Opdenhövel beschreibt einen Fehlschuss der Engländer)

BRA vs. BEL 1:2

Gesehen: 90 Minuten, tolles Fußballspiel

Das Spiel: Brasilien zunächst mit Vorteilen in einem offenen Schlagabtausch, da hatte die belgische Defensive ein wenig Glück. Die „roten Teufel“ wussten dann im Mittelfeld durch geschickte, höllisch flotte Kombinationen zu überzeugen, wobei sich besonders Hazard, De Bruyne und Lukaku hervortaten. Die Führung für Belgien durch ein Eigentor nach Ecke war glücklich, besser machen sie es kaum 15 Minuten später nach einem schnellen Vorstoß, einem sehr guten Pass von Lukaku auf Kevin De Bruyne, der mit einem trockenen, humorlosen Flachschuss aus 20 Metern neben den linken Pfosten abschloss. Die Führung zur Pause war verdient. Noch besser: Keine hässlichen Fouls, keine Schwalben, kein Hantier. Zwei Weltklassemannschaften die sich gegenseitig respektierten. Nach dem Pausentee zog sich Belgien zurück und Brasilien gab sich Mühe, in jeder Beziehung. Erster Tiefpunkt der Partie war Neymars Schwalbe in der 52. Minute. Vier Minuten später hätte es aber Strafstoß für Brasilien geben müssen. Die Selecao erhöhte den Druck und jetzt kam es schon zur einen oder anderen unschönen Szene mit Simulantentum und Zeitspiel. Belgien hatte unter anderem auch einen hervorragenden Schlussmann, der erst in der 76. Minute durch ein Kopfballtor von Renato Augusto überwunden wurde. Die Belgier waren in den letzten Minuten stehend K.O., konnten auch deshalb nicht clever den Ball halten und waren bis zum Schluss unter Druck. Es reichte nicht mehr, Belgien steht im Halbfinale.

Ergebnis gerecht?: Tja. Brasilien schoss 27 mal aufs Tor, Belgien 8 mal. Sagen wir mal so: Mich freuts für das tolle belgische Team, das glücklich gewann.

Mann des Spiels: Eden Hazard

Spruch des Spiels: „Aber er steht noch… …nee, jetzt nicht mehr.“ (Béla Réthy, Neymar wird an der Außenlinie behandelt)

URU vs. FRA 0:2

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Die Urus zu Anfang überhart und bemüht, den Franzosen den spielerischen Zahn zu ziehen. Der Schiedsrichter reagierte nicht. Warum nicht? Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware. Bei den Südamerikanern merkte man, dass Edinson Cavani wegen Verletzung nicht mitspielen konnte. Die Führung nach einem Freistoß für die „Equipe Tricolor“, weil Uruguay nicht den Mann, sondern den Raum verteidigte. Der Verteidiger stand zwar genau richtig und hätte ihn sauber rausgeköpft, hatte dann aber keine Matte gegen den mit Wumms einrückenden Varane. Das Tor war so gesehen nicht zu verhindern. Nach der Pause bemühten sich die Südamerikaner um mehr Initiative. Was für ein Drama, dass ausgerechnet in dieser Drangphase Fernando Muslera, der Torwart Uruguays, seinen Loris-Karius-Gedächtnismoment hatte: Er lenkte einen haltbaren Fernschuss Griezmans in sein Tor. Uff. Die Celeste war ins Mark getroffen. Rudelbildungen, gelbe Karten, Schauspieleinlagen schlossen sich an. Frankreich wechselte jetzt in den Verwaltungsmodus, kalt wie eine Hundeschnauze, Uruguay rannte an, mit dem Mut der Verzweiflung, aber das Spiel war entschieden.

Ergebnis gerecht?: Nja. Ein Tor zu hoch.

Depp des Spiels: Fernando Muslera

Spruch des Spiels: „Da macht er die kleine Flugbewegung!“ (Oliver Schmidt über den Flatterball zum 0:2)

COL vs. ENG 4:5

Gesehen: 120 Minuten

Das Spiel: James konnte nicht spielen. Eine deutliche Schwächung für Kolumbien. Das Spiel zunächst temporeich mit mehr Spielanteilen für die Briten, die aber kaum gefährlich wurden. Kolumbien mit drei defensiven Mittelfeldspielern vor der Kette, so geht Beton. Das sah dann auch England ein und verlegte sich auf Ballkontrolle gegen hoch stehende Südamerikaner. Das Spiel verflachte. Außer ein paar dummen Fouls der Kolumbianer passierte bis zur Pause nix mehr. Zweite Hälfte mehr oder weniger Abnutzungskampf. England ging durch einen verdienten Strafstoß in Führung, Harry Kane, wer sonst. Kolumbien hatte nicht viele Chancen, erzielte aber in der Nachspielzeit den verdienten Ausgleich. Wenige Höhepunkte in der Verlängerung, kaum gute Torraumszenen. Dass die Briten sich im Elfmeterschießen zu recht durchsetzen konnten, ist eine historische Zäsur.

Ergebnis gerecht?: Nun ja, man gönnt es ihnen.

Männer des Spiels: Alle englischen Elfmeterschützen.

Spruch des Spiels: „Der wirft nen ganz schönen Schatten!“ (Steffen Simon über Harry Maguire: 100Kg, 1,94m)

SUI vs. SWE 0:1

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Eine Enttäuschung. Kontrolle und Sicherheit hatten sich beide Teams auf die Fahnen geschrieben. Bloß kein Risiko. Dass der Siegtreffer für Schweden durch einen abgefälschten Alibischuss fiel, passt ins Bild. Die Schweizer wollten ja, aber ein Shaqiri reicht eben nicht. In der Box waren sie harmlos und überhastet. Die Schweden traten selbstbewusst auf, brachten nach vorne aber auch nix. Wäre Deutschland Gruppenerster geworden, hätte man gegen die Schweiz gespielt und gewonnen. Da bin ich ziemlich sicher. Abhaken.

Ergebnis gerecht?: Pfft. Was solls.

Menschen des Spiels: Die schwedischen Fans. Wenigstens die hatten nachher ein gutes Gefühl.

Spruch des Spiels: „Au Möhr!“ (Der Autor beim 20. versemmelten Torschuss.)

BEL vs. JPN 3:2

Gesehen: 90 Minuten, tolles Spiel

Das Spiel: Ein Leckerbissen. ich weiß nicht, was mich mehr beeindruckte, japanische Kampfkraft, mannschaftliche Geschlossenheit und konditionelle Leistung, oder belgische Offensivgenalität, individuelle Klasse und der unbedingte Siegeswille der roten Teufel. Der Umkehrpunkt der Partie war Vertongens so nicht beabsichtigter Kopfball zum Anschlusstreffer für Belgien, vielleicht das bizarrste Tor des Turniers bisher. Trotzdem kämpfte Nippon weiter. Dieses Spiel sollte sich die deutsche Mannschaft demnächst bei jedem Lehrgang anschauen: 2 Mannschaften, die niemals aufsteckten, kämpften bis aufs Messer, ohne unfair zu spielen, mit einem verdienten Sieger, der in der Nachspielzeit die eigenen Vorteile ausspielte. Dieser letzte Angriff der Belgier war ein Musterbeispiel, wie attraktiver Angriffsfußball aussehen muss. Vom Torwart bis zum Schützen des Siegestors perfekte Annahmen und Abspiele, die Finesse von Lukako und der nervenstarke Abschluss des Nacer Chadli. Die Brasilianer sollten sich warm anziehen.

Ergebnis gerecht?: Ja, Belgien war das psychologisch und fußballerisch stärkere Team von zwei Klassemannschaften.

Mann des Spiels: Trotz der Niederlage Takashi Inui. Tolles Tor und japanischer Offensivmotor. Seine Tränen nach dem Abpfiff rührten mich.

Spruch des Spiels: vergessen.

URU vs. POR 2:1

Nein, ich habe Argentinien gegen Frankreich nicht gesehen, ich habe gearbeitet (überhaupt habe ich in letzter Zeit vor allem gearbeitet). Nach den Toren in der Zusammenfassung muss es aber ein ziemliches Spektakel gewesen sein. Mein Weltmeistertipp bleibt immerhin intakt.

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Das Tor in der 7. Spielminute für Uruguay war ein kleines Kunstwerk. So was hat man lange nicht gesehen. Cavani – Suarez – Cavani: drin. Jetzt mussten die Portugiesen kommen und das bei bereits erwiesener Defensivstärke der Südamerikaner. Und die machten es wirklich gut, standen dem Europameister auf den Füßen, machten die Räume dicht und kamen selbst weiter zu gefährlichen Vorstößen. Portugal machte zu wenig aus seinen Standardsituationen und ging daher mit Rückstand in die Kabine. Eine schnell ausgeführte kurze Ecke führte dann zum portugiesischen Ausgleich in der 55. Minute. Nicht unverdient, auch wenn es den Europäern bis dahin an Präzision und Ideen gemangelt hatte. Portugal drehte jetzt auf und versuchte das Momentum zu nutzen. Aber Edinson Cavani schlug ein paar Minuten später zurück. Wunderbarer Schlenzer mit der Innenseite des rechten Fußes ins lange Eck, unwiderstehlich. Portugal war weiter fleißig, aber so richtig gefährlich wurde es nicht mehr. Das Spiel blieb fair und flüssig, weil der Schiedsrichter eine ausgezeichnete Leistung bot.

Ergebnis gerecht?: Ja, Uruguay hatte die besseren Situationen hinten und vor allem vorne.

Männer des Spiels: Louis Suarez und Edinson Cavani. Einfach sehr sehr beeindruckend.

Spruch des Spiels: „Er nimmts mit Humor, gefällt mir.“ (Tom Bartels über Christian Ronaldo)

GER vs. KOR 0:2

Gesehen: die (aller)letzten 70 Minuten im „Grillhaus“ in Geilenkirchen mit Fernseh- und Radiokommentar gleichzeitig, auf einem Fernseher, der zweimal ausfiel und direkt neben einem kaputten, flackernden Deckenspot angebracht war, verschwitzt und versifft von der Arbeit, die noch lange nicht zu Ende war. Ja, es passte alles zusammen.

Das Spiel: Blutleer, langsam, ohne Ideen. So agierte die N11 gegen Koreaner, die es so machten, wie in den Spielen zuvor. Hinten drin stehen und lauern. Für den deutschen Torso reichte das. Ja, es gab Chancen, sie wurden teils kläglich vergeben. Wer gehofft hatte, der späte Sieg gegen Schweden wäre eine Initialzündung gewesen, sah sich getäuscht. Dass die Herren Nationalspieler kicken können, weiß man. Warum sie diese Leistung in keinem der drei Spiele abrufen konnten, kann ich mir nicht erklären.

Es ist Zeit für einen Neuanfang. Einige Spieler sind über ihren Zenit hinaus und das System Löw hat sich verbraucht.

Ergebnis gerecht?: Klar.

Deppen des Spiels: Die N11

Spruch des Spiels: „Aus!“ (Der Typ hinter uns, dem beim ersten Tor der Koreaner fast der Döner aus dem Gesicht gefallen wäre)

ARG vs. NGR 2:1 / ISL vs. CRO 1:2

Gesehen: 80 Minuten parallel

Die Spiele: Im Gegensatz zu den Nachmittagsspielen war es am Abend spannend und sehenswert. Als Victor Moses für Nigeria den Elfer cool verwandelte, dachte ich mir „Das könnte es gewesen sein“. Zwar hatte Messi zuvor ein wunderbares Tor erzielt und Argentinien tat mehr fürs Spiel, aber Nigeria war mutig und ziemlich clever. Und sie stellen sich halt nicht hinten rein. Die Südamerikaner wollten es unbedingt, aber zeigten ungewohnte technische Fehler und waren zu überhastet in der Box. Gonzalo Higuaín fand nicht statt. Messi tauchte ab. Dann muss ein Innenverteidiger ran, Marcos Rojo. Der machte es richtig gut, gekonnt aus der Luft und mit Schmackes, und Nigeria war dann zu platt, um noch mal zuzuschlagen. Argentinien muss nun gegen Frankreich ran. Hmhmhm. Das andere Spiel hatte eine andere Charakteristik. Kroatien, bereits qualifiziert, spielte mit der B-Elf, Island griff nach dem Strohhalm. Und obwohl die abgezockten Kroaten in Führung gingen, kämpften die Nordmänner aufopferungsvoll. Und sie hatten Chancen, das Spiel zu drehen. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch einen berechtigten Handelfmeter, aber Ivan Perisic erzielte dann das Tor zum Endstand. Kroatien wird gegen Dänemark antreten. Die Jungs vom Balkan haben noch eine Menge vor. 

Ergebnisse gerecht?: Zweimal ja. Tut mir ein bisschen leid für Island, die wirklich nah dran waren und alles gegeben haben. Auch Nigeria hatte es in der Hand.

Männer der Spiels: Rojo nicht Messi bei Argentinien. Alle Kroaten, die erste Mannschaft mit 9 Punkten nach der Vorrunde.

Spruch der Spiele: „Der dreht sich doch rein! Ja, er dreht sich rein.“ (Gerd Gottlob will keinen Strafstoß für Nigeria)

FRA vs. DEN 0:0 / AUS vs. PER 0:2

Gesehen: 90 Minuten parallel

Die Spiele: Dänemark müsste verlieren, Australien mit drei Toren Unterschied gewinnen, so wenig spannend war die Ausgangslage. Folglich spielten Franzosen und Dänen in Wirklichkeit um den Gruppensieg, Australien gegen Peru um die goldene Ananas. Die Peruaner schossen ein schönes Tor, Australien arbeitete Fußball, ohne die sich bietenden Chancen zu nutzen. Naja. Die Franzosen zeigten das kultiviertere Spiel, es gab auch mal schnelle Angriffe, die Dänen fuhren eher die Kontertaktik, aber reichlich unpräzise. Insgesamt ein lauer Kick So viel zu den ersten Hälften. Direkt nach der Pause legte Peru sehr glücklich nach: Der Pass abgefälscht, der Schuss abgefälscht. Steckste einfach nicht drin. Die Dänen waren somit endgültig qualifiziert und hätten jetzt befreit aufspielen können – sie taten es nicht, sondern blieben weiter defensiv. Und Frankreich schlief mehr oder weniger ein. Als das ganze Stadion zu pfeifen begann, versuchten sie den Schalter umzulegen. Die Australier hatten derweil aufgegeben. Ihre Fans weinten.

Ergebnisse gerecht?: FRA vs. DEN hatte keinen Sieger verdient. Der Sieg der Peruaner geht in Ordnung.

Männer der Spiele: André Carrillo, Torschütze für Peru. Im anderen Spiel gab es nur Deppen.

Sprüche der Spiele: „Im Moment die Stimmung fast wie im Theater“ (Tom Bartels). „Fieldgoal von Giroud!“ (Tom Bartels, der Franzose drosch ihn in den russischen Himmel) „Mann hofft einfach nur, dass die Nachspielzeit sich in Grenzen hält.“ (Tom Bartels)