MEX vs. CMR 1:0

Ich habe nur eine Viertelstunde vor der Halbzeit und fast die komplette zweite Hälfte gesehen. Ansonsten war Bühnenaufbau und Soundcheck angesagt.

Man of the match:
Giovanni dos Santos, zweifacher Torschütze, eine Vorlage.

Depp des Spiels: Der Schiedsrichter, schon wieder.

Szene(n) des Spiels: Zwomal angebliches Abseits. Einmal deutlich gleiche Höhe, einmal deutlich Ball vom Gegner.

Ergebnis gerecht? Jein, Mexico gewinnt verdient, aber das Torverhältnis gibt den Leistungsunterschied nicht wieder. Kamerun erschreckend schwach.

Spruch des Spiels: Ein ca. 8 Jähriger Zuschauer bei unserem Gig: „Regen? Ja klar, Brasilien liegt ja auch im Regenwald.”

Lustigste Szene: Volker Finke als begossener Pudel.

Skidmans momentaner Weltmeistertipp: Holland, klar oder?

BRA vs. CRO 3:1

So, hier der Plan: Natürlich hätte ich im Vorfeld der WM zu einigen Themen (Fußball vs. Investitionen fürs Volk, FIFA, Blatterarsch, Beckenbauerarsch) Stellung nehmen wollen, allein es ist ja bereits alles aus berufenem Mund berichtet worden. Meine bedingungslose Begeisterung für das Spiel ist eh kein Geheimnis. Also, werde ich zu allen Spielen, die ich gesehen habe, meine Meinung im Telegrammstil kundtun. Hier das Eröffnungsspiel:

Man of the match: Ivan Rakitić, bester Mittelfeldspieler auf den Platz.

Depp des Spiels: Der Schiedsrichter, eindeutig

Szene des Spiels: Das angebliche Foul vor dem Strafstoß für Brasilien. Wer den Elfer pfeift, sollte besser Alemannia gegen Lotte pfeifen.

Ergebnis gerecht? Jein, Brasilien besser, aber ein Tor zu hoch.

Spruch des Spiels: Béla Réthy: „Wir haben jetzt den Kopfhörer getauscht, hoffentlich wird jetzt die Qualität besser.“

Lustigste Szene: Demonstration der Torlinientechnik nach dem Eigentor.

Skidmans momentaner Weltmeistertipp: Spanien, leider.

Zero level support

Gegeben sei eine Buchhaltungssoftware bei einem kleinen Unternehmen. Ich werde weder den Hersteller, noch das Produkt nennen. Keine Chance. Die Buchhaltung soll auf einen neuen Rechner umziehen, das Post-XP-Problem, wissen schon. Vorhanden sind ein 750seitiges Handbuch und eine Lizenzkarte, kein Datenträger. Also Anruf beim Support um kurz vor halb 11:

Der Supporter grüßt forsch mit „Guten Morgen“, was ich mit einem halbhingelachten „Mahlzeit“ beantworte. Ja, die aktuelle Version des Produkts könne man zum Download anbieten, man bräuchte dafür aber die Kundennummer. Ich bete sie eilfertig herunter, aber sie stimmt nicht. Ich gebe den Namen des Kunden an, Fehlanzeige. Ich gebe die Adresse an. Ah, Sekunde. Es stellt sich heraus, dass die Ehefrau des Kunden das Produkt mit einer neuen Kundennummer ein zweites Mal lizensiert hat, man würde mir die benötigten Informationen nebst Download-Link an die hinterlegte Mail-Adresse schicken. Tatsächlich trifft besagte E-Mail nach drei Minuten ein. Ich stürze mich in die Arbeit.

Dem 750seitigen Handbuch entnehme ich die Hinweise zur Installation und zum Update der einzelnen Komponenten. Sodann müssen die Systemdatenbank und die einzelnen Teildatenbanken für die Nutzer (Bei einer Buchhaltung heißen sie Mandanten) gesichert, übertragen und importiert werden. Dabei kommt es auf die Reihenfolge an: Erst wenn die Systemdatenbank neu eingespielt ist, können die Mandanten folgen. Dies teilt mir der gleiche Supporter, der diesmal mit „Hallohallo“ grüßt, mit schadenfrohem Unterton mit, als mir das gesamte Programmpaket bereits das erste Mal um die Ohren geflogen ist. Na gut, mein Fehler. „Nee, da müssen Sie deinstallieren und noch mal von vorne anfangen.“

Diese Deinstallation entpuppt sich als halbstündige Strafarbeit, da die Software aus vielen kleinen Diensten und Agenten besteht, die zwar alle in einem Rutsch auf den Rechner aufgespielt, aber nur in manueller Kleinarbeit vom System entfernt werden können. Und alle diese Komponenten verwenden Arbeitsdateien, Datendateien und unsichtbare temporäre Dateien, die aufgefunden und rekursiv aus Verzeichnissen gelöscht werden wollen, denn das hatte mir der Supporter eingeschärft: „Sie müssen die alte Installation rückstandsfrei entfernen, sonst geht die Neuinstallation in die Hose.“

Endlich endlich setze ich zur Zweitinstallation an, führe sie durch, fühle mich wie ein Sieger als ich die Systemdatenbank zum Import auswähle, die Importroutine nach 20 Sekunden Erfolg vermeldet und zum Programmneustart auffordert. Eigentlich könnte ich mich gleich noch irgendwo in einen Park setzen, in den Schatten selbstredend.

Kabumm! Die Anwendung vermeldet beim Neustart einen schweren Fehler, Felder in der Datenbank fehlen, EOF-Fehler (end of file) und meine Optionen sind „Support kontaktieren“ oder „abbrechen“. Ratet, wofür ich mich entschieden habe. Ich kürze mal etwas ab, denn was jetzt folgt ist wirklich hanebüchen: Nach einer weiteren Stunde habe ich einen mehrseitigen Fehlerreport an das Unternehmen gesendet, erfolglos versucht mich im Support-Forum und der Premium-Support-Welt (die der Kunde zwar gekauft und bezahlt aber noch nie genutzt hat) anzumelden (Das Webangebot des Herstellers ist noch schlimmer als seine Software. 404 ick hör dir trapsen.) und weitere launige Telefongespräche geführt. Dann erhalte ich die entscheidenende E-Mail: „Importieren Sie nur die Mandanten und nicht die Systemdatenbank, diese ist zu alt, um als Datengrundlage zu dienen.“

Ich sehe rosa. Das ist das, was ich sehe, bevor ich rot sehe. „Aha, soso, doch nur die Mandanten, wie?“ Also installiere ich noch mal neu (Versuch 6) und importiere die Mandanten, erinnere mich aber während des Vorgangs, dass ich ja dieses Mal vergessen habe, den Datenordner vom letzten Versuch zu entsorgen. Ob deshalb das Importieren der Datensätze so lange dauert? Ich sehe Systemdurchsagen, die ich nicht zuvor sah. Der Vorgang dauert diesmal fast 10 Minuten. Und dabei sitze ich wie auf heißen Kohlen, mit dem Wissen, dass ich den ganzen Kladderadatsch Dank meiner Vergesslichkeit ja noch mal von vorn durchführen muss.

Siehe da, der Import ist endlich fertig (fast so fertig wie der IT-Dienstleister). Tja, hilft nix, der ganze Kram muss ja eh wieder gelöscht werden, also beende ich das Programm und was muss ich lesen? „Die Systemdatenbank wurde aus einer veralteten Version neu aufgebaut, der Datenimport ist abgeschlossen.“ Mögen die verkrüppelten Reste der Datenbank auch veraltet sein, immerhin führten sie zu einem konsistenten Datenbestand mit sämtlichen gesicherten Zwischenschritten und Bearbeitungen seit 2010 und das unter Missachtung sämtlicher Hinweise des Herstellers.

Und wenn der Herr „HalloHallo“, der den ganzen Tag nix anderes tut als sein Produkt zu supporten, mir das gesagt hätte: „Einfach drüberinstallieren, dann Mandanten einspielen, fertig. Dauert 15 Minuten.“ Dann, ja dann wäre meine Magenschleimhaut und mein Nervenkostüm noch ein kleines Stück intakter. Aber vermutlich weiß der gute Mann gar nicht, wie man es machen muss und wisst Ihr was? Ich habe es ihm auch nicht verraten.

Note to self: Nicht fies sein. Acht- und duldsam kleine Kreise drehen. Musik: Thou, Arch Enemy, Carnifex.

dismalest

mh

Sorry, es muss sein. Ich habe wirklich im Jahr 2014 bislang versucht die Häufigkeit von Beiträgen mit musikalischem Inhalt fast auf Null zu reduzieren, aber diesen Artikel kann ich mir nicht verkneifen.

Jo, es gibt ein neues Studioalbum von „Mayhem“. Man könnte jetzt zu umfangreichen Nacherzählungen der wirklich extremen Bandgeschichte ansetzen, oder erklären, warum die Mitglieder dieser Band wahlweise kommerzgeile Verräter, die letzten Reste des wahren norwegischen Blackmetals, oder einfach faschistoide Idioten sind. Auch das will ich mir sparen. Wer sich ein bisschen für Blackmetal interessiert, der weiß, was mit Mayhem los ist, oder auch nicht los ist. Dies ist eine Platten-Rezension.

Man sollte dieses Album an einem lauen Frühsommerabend zur Erstverkostung bringen, mit einem Himmel voller Schäfchenwolken, begleitet von einem fast zu kühlen, nicht zu trockenen italienischen Weißwein, in aufgeräumtester Stimmung und in der Gewissheit, dass doch das meiste im Leben gut und vernünftig eingerichtet ist. Ich garantiere, dass man sich spätestens nach einer Spielzeit von 25 Minuten in ein von schizoiden Schüben geschütteltes und von schlimmsten Ängsten gequältes Nervenbündel verwandelt hat. „Esoteric Warfare“ ist so ziemlich das böseste Stück Musik, das ich jemals gehört habe.

Der Opener „Watcher“ beginnt mit einem ganz einfachen, ziemlich typischen chromatischen Riff in das sozusagen von hinten das Nähmaschinen-Hochgeschwindigkeitsschlagzeug eindringt bis Attila Csihar loskrächzt. Im Songverlauf, wie auf der ganzen Platte, unterbricht sich die Musik selbst, das Schlagzeug steht plötzlich einen Raum weiter, der „Gesang“ wird durch weitere Spuren überlagert, düstere Prophezeiungen werden geflüstert und gezischt, schwarze Messen gelesen. Das Album enthält jede Menge Atmo: Samples, die aus Bibliotheken eingespielt werden, elektronische Verfremdungen, Breaks, die nicht eingespielt, sondern am Rechner gemacht wurden und das Überraschendste ist: Es fügt sich alles, es passt alles zusammen. Die Platte wirkt in keinem Moment überproduziert. Und der für Mayhem-Verhältnisse technisch beachtliche klassische Blackmetal kommt keinesfalls zu kurz.

Was man so hört, stammen wesentliche Teile des Songwritings vom neuen Gitarristen „Teloch“. Ich würde mal vermuten, dass er auch bei der Produktion kräftig mit Hand angelegt hat. Das Endergebnis ist so weit von den letzten Verirrungen der Norweger („Ordo ad chao“) entfernt, dass sich diese Annahme einfach aufdrängt. Denn jetzt mal ehrlich: Abgesehen davon, dass die Mehrheit der Bandmitglieder ganz offenbar einen an der Klatsche hat, haben sie sich bis auf diese Kultplatte aus dem Jahr 1993, die jeder kennt, um die so viel Wirbel gemacht worden ist, dass ich den Titel gar nicht aufzuschreiben brauche, musikalisch nun wirklich nicht mit Ruhm bekleckert, von den Live-Performances ganz zu schweigen.

Die meisten werden wohl zu Schäfchenwolken und Weißwein andere Musik hören wollen. Das dunkle Herz des schwarzen Metals ist aus Gründen, die ich übrigens sehr gut nachvollziehen kann, ein für viele nicht bewohnbarer Ort. Alle anderen werden nach den Schlußakkorden von „Esoteric Warfare“ ausgespuckt und geschunden und trotzdem auf eine ganz merkwürdige Weise beseelt sein.

Note to self: Ist jetzt genug, meinste nicht? Musik: Mayhem.

Gerinnung

Es ist fast dreiundzwanzig Uhr, das Thermometer auf dem Balkon misst 24°C, das in der Wohnung 28°C. Mein Venti pustet mich an. Ich sitze in spärlichster Bekleidung (keine Details) am Rechner und schaue Tagesthemen. Marcos Syndesmose schmerzt immer noch, was für eine Pleite. Der mit Abstand wichtigste Nationalspieler fällt also aus. Mit einem Ausscheiden in der Vorrunde muss gerechnet werden. Es folgt das Wort zum Sonntag, ich schalte um.

Für den Pfingstsonntag werden 35°C prophezeit, im Osten. Zum Glück. Das liegt schon ziemlich nah an der Denaturierungtemperatur durchschnittlicher Proteine. Meine Proteine scheinen da ein wenig empfindlicher zu sein, oder wie soll ich mir die Leere im Kopf sonst erklären. Andere biochemische Gründe kommen nicht in Frage. Dem zurzeit in Bearbeitung befindlichen Dreifachdestillat kann man bei den vorherrschenden Temperaturen nur in minimalen Dosen zusprechen, sonst verlöre man den Verstand.

Sommerstagnation. Klingt irgendwie fast poetisch, ist aber limnologisch. Nicht nur Wasserkörper können sich einschichten und quasistationäre Zustände annehmen. Hiermit gebe ich bekannt, erst wieder (im Rahmen meiner Gewohnheiten) mitzuspielen, wenn das Quecksilber in vernünftige Wertebereiche zurückgekehrt ist. Bis dahin nehme ich hitzefrei.

Note to self: Insekten profitieren. Musik: Refused, Sepultura, Red Fang, Pothead.