Gerinnungsfaktoren

Eine Tropennacht also. Des Bloggers Denkorgan, eben auch fast nur aus Eiweiss bestehend, scheint genauso gerinnungsgefährdet, wie das des Bundesinnenministers, nur hatte der eben beizeiten keine nassen Tücher und geeiste Kaltgetränke parat. Die Folgen der cerebralen Denaturierung des Herrn Schäuble bekommen wir nun tagtäglich in der Tagesschau serviert. Man schüttelt sich, kann aber das verdammt ungute Gefühl, das dieser Paranoiker verbreitet, nicht abschütteln. Man kneift sich, stellt fest, dass es sich nicht um einen schlechten Traum, sondern großkoalitionäre Realität handelt.

Während mir der Tabak ausgeht, ich mich über Toms Kommentar zum letzten Beitrag freue, das Hirn bereits träge Blasen wirft, läuft in der Glotze ein deutschen Melodram (Wachkoma, Vaterunser, Intensivstation) mit den Helden (Rock am Ring, Seismographen, Mutter Holofernes) um die Wette und das Wort „fremdschämen“ bekommt eine ganz neue Bedeutung. Wenn ich Videoaufnahmen von ANNA1 sehe, denke ich ja auch immer, dass Kopfmenschen auf Bühnen generell komisch rüber kommen. Aber wenn Judith sagt „Die erste Option ist doch die naheliegendere“, dann rollen sich die Fussnägel hoch. Wenigstens Bläser hammse und Cure-Cover.

An Schlafen ist nicht zu denken. Möör.

Roof truss and shrink wrap…

Rechtzeitig zum angekündigten Hochsommerwochenende ist unser Dachstuhl fertig geworden. Es tut gut das frische Holz und das von einer Folie geschütze und damit dichte Dach zu sehen. Betrachtet man vergleichend die Stärke der alten und neuen Sparren und Masse an ursprünglich verbautem Isoliermaterial, dann ist man richtig froh, dass man mit dem Einbringen der neuen Isolierung nichts zu tun hat.

DStuhl2

DStuhl

Leider werden bis zum Einbau der Fenster und Türen in die Gaupen (sehr merkwürdiges Wort, schon beim Sprechen, beim Schreiben dann erst recht) noch einige Wochen ins Land gehen, weshalb die leeren Öffnungen (Fensterhöhlen klingt da schön) nun mit einer zartgrünen Folie abgedeckt sind.

Gaupe

Ein schönes Nebenergebnis des Tages ist das Verschwinden unübersehbarer Mengen an Styropor in einem grauen Müllauto. Note to self: Trifft der Hammer den Finger nicht den Nagel, bekommt man einen ungefähren Eindruck davon wie hart hammerhart ist. Musik: Schweisser

Abgebrochen

Überraschend gutes Wetter ist zu vermelden. Also ab an den Stadtrand, Baustelle gucken. Der Abbruch ist beendet, die Aussichten entsprechend merkwürdig:

Giebel1

Giebel2

Man möchte ein paar Liegestühle aufstellen auf dem nun endlich abgedichteten Behelfsflachdach, dazu Palmen in Kübeln, eine kleine Bar im Bambuslook und ein paar Wedelsklaven vielleicht. Doch, irgendwie freut man sich zurzeit über jede Minute Sonnenschein.

Leider sind da noch ein paar Kubikmeter Styropor zu entsorgen, von dem bevorstehenden Innenausbau ganz zu schweigen, aber wenn der große Gasförmige noch ein paar Sonnentage zulässt, ist der neue Dachstuhl in Kürze drauf und das Gröbste ist überstanden. Anbei noch ein paar mehr oder weniger skurile Details:

Pressspan

Abfluss

Summer

Schluesselmaus

Note to self: Tatsächlich kribbelts noch beim Verfolgen der Tour de France Übertragungungen. Warum nur? Musik: Kruder & Dorfmeister, Nine Inch Nails, Norah Jones

The Demolition Men

Geschafft! Große Teile des ehemals schwimmenden Estrichs befinden sich -in handliche Brocken zerteilt- im Container. Ich bin um ein paar Erfahrungen reicher: 1.) Der GSH 11 E ist ein klasse Hammer, jedoch braucht es einen gestandenen Messebauer um das Mörderteil elegant und zielsicher zu bedienen. 2.) Schuttrutschen sollten eine größere Wandstärke aufweisen und eine Fernbedienung (für das untere Rüsselende) besitzen 3.) Dämmungen sollten nicht durch Einfüllen von Styropurschnipseln realisiert werden. 4.) Bei bevorstehenden Abbrucharbeiten, die von Professionellen ausgeführt werden, ist der Begriff „besenrein“ möglichst großzügig auszulegen. 5.) Es könnte alles so einfach sein – ist es aber nicht. Die folgenden Fotos sind vom Torsten

Gebrochen

Haufen

Container

Musik: Rammstein, Fanta4. Note to self: Es ist jetzt gut mit dem Regenwetter – mir reichts. Zwischenbilanz nach 3 Tagen Baustelle: Gerüst fertig, Bad demontiert (einschließlich intermediärer Verstopfung), Abbruch Dachstuhl begonnen, morgen mach ich was anderes. Puh.

Da bin ich wieder!

Was hat sich nicht alles getan nach dem letzten Eintrag. Ein sehr netter Abend mit Britta, Torsten, Sascha und Franzi. Eine neue Digicam. Der Verkaufsstart des iPhone.

Insgesamt bin ich mit dem Verlauf der Geburtstagsfeierlichkeiten sehr glücklich: Spontan, unkompliziert, in kleinem und nicht zu feinem Rahmen. Entsprechend angeheitert und früh bin ich am Freitag morgen ins Bett gekommen. Nun darf ich mich auf einen Ausflug auf die Museumsinsel, auf ein Konzert im Wild Rover freuen und drollige Taucher tauchen lassen.

Am Samstag waren die Elterntiere und Torsten zu Gast und ich habe jetzt eine neue Digitalkamera, die hoffentlich die Enttäuschungen des letzten Geräts vergessen machen wird. Die ersten Tests sind sehr vielversprechend:

Wettersäul

Flieje

Venti

Cocinella

Naja, und dann ist das neue Wunderdingen also endlich gelandet. Die Vorschusslorbeeren scheinen zum Teil einer kritisch distanzierten Berichterstattung zu weichen. Mir soll es egal sein, für mich ist ein iPhone erst dann interessant, wenn es für weniger als 200 Tacken angeboten wird. Und das wird noch lange dauern. Musik: Ben Harper

Kerze Nr. 38

Eine weitere Kerze auf der imaginären Torte. Das ging schnell. Auch wenn ich mir einbilde zurzeit nicht besonders viel zu feiern zu haben heisst das Motto „den Bauch möglichst flacher und den Kopf oben halten“. Na denn auf ein neues! Musik: Pink Floyd

Burstdayskid

Ein Überraschungsbesuch, wie schön. Die liebe Anne kam mit leckerem Backwerk vorbei und ich komme doch noch auf die Insel. Note to self: Die Baugenehmigung ist endlich da und abgeholt (auch wenn ich mich schon wieder im Verwaltungsgebäude am Marschiertor verlaufen habe. Komisch, dabei bin ich doch Klinikum-gestählt). Musik: Sarah Bettens, Children Of Bodom, Primus.

Ciao Ricky

Es gibt Leidenschaften, die nur wenige Mitmenschen teilen können. Eine meiner Leidenschaften ist das sogenannte Usenet (das die meisten eben nur als „Groups“ in Google kennen) und damit verhält es sich genau so. Das Usenet gab es schon als www noch keiner kannte. Damals bestand es aus einer Reihe von kleinen, meist privat betriebenen Servern (Fido-Netz, Maus-Netz) und war den wirklichen Internetpionieren vorbehalten. Heute, im Zeitalter der Webforen, in denen sich meist Halbstarke mit minimalen orthographischen Kenntnissen tummeln, bildet das Usenet eine der letzten Bastionen gegen die fortschreitende Online-Verdummung. Es ist eine kleine, vergleichsweise abgeschiedene Welt für sich, mit eigenen Regeln und Gesetzen. Nun verhält es sich aber so: Wenn man eine Zeitlang eine bestimmte Gruppe abonniert und regelmäßig liest, werden die (ohnehin nicht besonders zahlreichen) Regulars zu vertrauten Personen, die einem sozusagen näher stehen als so mancher Nachbar, oder andere Menschen, die man im „Real Life“ tagtäglich sieht.

Eine der von mir frequentierten Gruppen heißt „oecher.talk“. Darin geht es um regionale Dinge, manchmal aber auch um die große Politik. So bunt wie die Stadt ist auch die Gruppe. Wir haben Diskutanten mit sachlichen stilsicheren Postings, Rechthaber (sogar mit französisch klingendem Namen), Möchtegernrevoluzzer (Uff!), Eingeborene der Kartoffelsahara, pseudoanonyme Idioten, Jüngelchen, die wohl nie trocken werden hinter den Ohren, arme Würstchen, die Aachen am liebsten schon vor Jahren verlassen hätten (aber irgendwie nicht den Absprung aus dieser furchtbarsten aller Städte schaffen) und dann haben wir den großen Draufhauer. Der große Draufhauer postete früher unter seinem richtigen Namen (was im Usenet als höflicher Umgang gilt) und fiel des öfteren durch eben jene „mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Postings“ auf, die er mal zum Thema „von China lernen heißt siegen lernen“, aber auch zu „Personalausweis braucht man nicht“ oder „die Asozialen verkratzen mein schönes Auto“ verfasste. Jedem, der sich ein bisschen Mühe mit Tante Gugel machte, war es ein leichtes zu ermitteln, dass dieser Großkotz ein kleiner Versicherungsvertreter war, der gerne im wortwörtlichen Sinne abtauchte, immerhin mit so viel Chuzpe, dass er sich nicht hinter einem Pseudonym versteckte.

Diese Zeiten sind vorbei. Seit neustem firmiert der ekelhafte Ellenbogenmensch nun unter dem Namen „Ricky Proxy“. Ricky hat heute ein, wie ich hoffe, kühles zugiges Plätzchen in meinem Killfile zugewiesen bekommen und darf sich dort mit „Gunter“ und „dem Mösl“ vergnügen. Späßcken Jungens! Musik: Dream Theater.

Nachtrag

Bei nochmaliger Lektüre des gestrigen Versöhnungsbeitrags ergeben sich Selbstzweifel. Wie ist das nun mit der individuellen Öffentlichkeitsarbeit wirklich? Und muss sich der Veröffentlicher einer Internetseite und eines Blogs da nicht an die eigene Nase fassen? Ich meine nein, laufe ich doch nicht mit einem Hemdchen durch die Straßen auf dem eine URL steht (wie ein uns allen bekannter Comedien). Würde wirklich irgendein Inhalt publikumswirksam werden, wie groß wäre die Angst vor den Konsequenzen, wie schnell die Seiten vom Netz?

Wirklich herausfinden wird man das wohl nur, wenn es wirklich passiert. Bis dahin bleibt das Geschreibsel, das sicher Ausdruck exibitionister Veranlagung ist, stehen. Genau in der Ausprägung eben jener Veranlagung liegt der entscheidende Unterschied zwischen Greg und Skid. Mir käme es nicht in den Sinn die Zahl der Zugriffe auf meine Seite wie eine Ikone vor mir herzutragen, aber mir würde etwas fehlen wenn ich nicht mehr daran rumbasteln könnte. Seelenreinigung durch Rauslassen, bloggen ist wie singen. Musik: Immer noch Pearl Jam, Fanta4.

Dalitute

Gloria

Thomas hat seine Seite über das Ende des Gloria Palastes ins Netz gestellt. Sehr beeindruckende Fotos, wie ich finde.